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Radrennen in Frankfurt : Polizei sichert Strecke trotz Absage

  • Aktualisiert am

Die Polizei ist trotz der Absage des Radrennens an der Strecke präsent Bild: dpa

Nach der Festnahme zweier Verdächtiger, die möglicherweise einen Anschlag auf den 1.-Mai-Radklassiker geplant hatten, akzeptieren Veranstalter und Teilnehmer die Absage des Rennens. Einige Fahrer planen dennoch, am Freitag die Strecke abzufahren.

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          Nach der Absage des für Freitag geplanten Radrennens „Rund um den Finanzplatz Frankfurt-Eschborn“ will eine Gruppe unter den etwa 5000 angemeldeten Amateurfahrern trotzdem auf die Strecke gehen. Nach Informationen von FAZ.NET hat sich unter diesen sogenannten Jedermännern bereits kurz nach der offiziellen Entscheidung des hessischen Landeskriminalamtes (LKA), das Rennen abzusagen, eine größere Gruppe trotziger Radsportler gefunden, die die Strecke am Freitag auch ohne Zuschauer, Streckensperrung und anschließender Siegerehrung abfahren wollen. Die Polizei will trotz der Absage an der Strecke präsent sein.

          Das LKA hatte den 1.Mai-Radklassiker nach längerer Überlegung abgesagt, weil sie bei einem Ehepaar mit mutmaßlich islamistischen Hintergrund in Oberursel eine Bombe gefunden hatten. Um eine Gefährdung der Sportler und der Bevölkerung auszuschließen, wurde das traditionelle Zusammenkommen der Radfahrer in der Mainmetropole abgesagt. Gegen die beiden Verdächtigen wurde inzwischen Haftbefehl erlassen. Ob die beiden Einzeltäter sind oder einer terroristischen Zelle angehören, ist bislang noch nicht geklärt.

          „Vor Idioten in die Knie gehen“

          Bei den Fahrern herrschte nach der Absage am Abend vor dem Rennen gedrückte, aber auch gefasste Stimmung. Der Geschäftsführer der Veranstaltung Bernd Moos-Achenbach bat am späten Donnerstagabend alle beteiligten Sportler und Organisatoren um Entschuldigung und Verständnis für die Absage: „Es tut mir fürchterlich leid, aber die Gefahr – auch solche, die von möglichen Trittbrettfahrern ausgeht – ist einfach zu hoch“. Zuvor hatte eine Sprecherin des Veranstalters gegenüber der Nachrichtenagentur dpa erklärt, es herrsche „große Fassungslosigkeit“, doch hätten sowohl Veranstalter und Teilnehmer des Sport-Events die Entscheidung des LKA akzeptiert.

          Als das Radrennen noch unbelastet war: Das Starterfeld beim Rennen „Rund um den Finanzplatz Eschborn und Frankfurt“ im Jahr 2012 Bilderstrecke

          So erklärte der Rennleiter der Veranstaltung, Rudi Altig, gegenüber FAZ.NET: „Es nützt ja nichts, wenn über 5000 Radsportler durch den Taunus fahren und man müsste ständig Angst haben, dass es irgendwo etwas hoch geht“. Dennoch konnte die deutsche Radsport-Legende seine  Enttäuschung über die Absage nicht verbergen und sagte, es sei traurig, „dass man vor solchen Idioten in die Knie gehen muss“. Im Hinblick auf die durch die Absage entstehenden Kosten und die zuvor gezahlten Sponsorengelder erklärte Moos-Achenbach, es müsse nun zunächst geprüft werden, inwiefern das Event gegen eine solche Absage versichert sei. „Wir müssen da jetzt einen Konsens finden.“

          Auch der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), Rudolf Scharping, hat Verständnis für die Absage gezeigt. „Für den Sport, die Zuschauer und die vielen Ehrenamtlichen ist das natürlich ein schwerer Schlag. Aufgrund der Gefahrenlage ist es aber eine verständliche Entscheidung des LKA“, sagte Scharping am Donnerstagabend zu FAZ.NET. Die Absage des Rennens sei „wohl unausweichlich“ gewesen.

          Gegenüber der dpa erklärte der frühere Politiker zudem, dass „so etwas, was in Boston passiert ist“, natürlich niemand erleben wolle und die Absage daher die einzig richtige Entscheidung gewesen sei. Im April 2013 war der Boston-Marathon Ziel eines Anschlags gewesen. Damals explodierten auf der Zielgeraden der Sport-Veranstaltung innerhalb weniger Sekunden zwei Sprengsätze, die drei Menschen töteten und mehr als 250 zum Teil schwer verletzten.

          Bis zuletzt waren die Veranstalter davon ausgegangen, dass das Rennen wie geplant stattfinden könnte. Das LKA sah das Risiko aber als zu groß an. „Viele Menschen freuen sich, wie seit Jahren, auf das morgige Traditionsereignis. Doch bei allem sportlichen Reiz - aufgrund der Gefährdungsbewertung und der Tatsache, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch zu viele Fragen offen sind, geht die Sicherheit unbedingt vor!“, hieß es in der Mitteilung.

          In Frankfurt sollte das traditionsreiche Rennen, bei dem der deutsche Radprofi und Sieger von 2011, John Degenkolb, zum engsten Favoritenkreis gehörte, eigentlich um 12 Uhr gestartet werden und über 206,9 Kilometer führen. Gegenüber der „Frankfurter Rundschau“ erklärte Degenkolb: „Es ist extrem schade, ich bin geschockt, aber natürlich hatte auch ich etwas Bauchschmerzen, als ich von den Ereignissen in Oberursel gehört habe.“

          Dass die Veranstaltung in dieser Radsaison noch nachgeholt werden könne, glauben die Veranstalter indes nicht. Gegenüber FAZ.NET erklärte ein Sprecher, dass der Terminkalender der Profis zu voll und die Organisation zu aufwendig sei, um innerhalb weniger Wochen oder Monate ein vergleichbares Event auf die Beine zu stellen.

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