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Hörmann gewinnt DOSB-Wahl : „Ich halte ihn nicht für einen guten Präsidenten“

383 der 450 abgegebenen Stimmen entfielen auf DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Bild: dpa

Alfons Hörmann bleibt DOSB-Präsident. Doch er muss sich bei der Wiederwahl dem Triathlon-Chef stellen. Die Begründung seiner kurzfristigen Kandidatur lässt sich als Kritik am Amtsinhaber verstehen.

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          Das kam dann doch unerwartet: „Ich werde, lieber Herr Engelhardt, die Werte, die Sie eingefordert haben, mit dem Team herzlich gern umsetzen“, behauptete Alfons Hörmann nach seiner Wiederwahl zum Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), „und werde einen Stil pflegen, der von Transparenz und Offenheit geprägt ist.“ Martin Engelhardt, Mediziner und Präsident der Deutschen Triathlon-Union, hatte sich auf der Vollversammlung des deutschen Sports am Samstag in Düsseldorf kurzfristig zur geheimen Wahl gestellt und, praktisch aus dem Stand, 61 Stimmen erhalten, knapp fünfzehn Prozent der 450 abgegebenen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Es sei dringlich notwendig, die teilweise destruktiven Auseinandersetzungen im Sport zu beenden, begründete er seine Kandidatur. Es gelte, Vertrauen und Verlässlichkeit aufzubauen, Brücken zu schlagen zu gemeinsamen Erfolgen, Teamarbeit und respektvolle Umgang zu etablieren und durch vorbildliches Verhalten Glaubwürdigkeit aufzubauen. Jeder im Saal verstand die Nennung der Defizite als Kritik an Hörmann, selbst wenn er noch nicht davon gehört hatte, wie Hörmann im Sommer den 58 Jahre alten Chefarzt nach Kritik Engelhardts an dem Umgang mit einem Leitenden Mitarbeiter des DOSB in aller Öffentlichkeit abgekanzelt und tief verletzt hatte.

          Engelhardt machte keinen Hehl daraus, dass sein Ziel nicht in erster Linie ein Wahlerfolg war, sondern die Lenkung der Aufmerksamkeit auf den Führungsstil Hörmanns und den damit verbundenen Konsequenzen: „Ich halte ihn nicht für einen guten Präsidenten. Es ist wichtig, dass die Führung des DOSB in Zeiten verfallender Werte Glaubwürdigkeit vorbildlich vorlebt.“ Engelhardt erklärte, dass er aus Sorge vor Angriffen keinen Wahlkampf geführt habe. Die Präsidenten von Fachverbänden, die er gebeten hatte, ihn vorzuschlagen, hätten aus Angst vor Repressionen abgelehnt. Eine Kandidatur ist nur auf Vorschlag eines Delegierten möglich.

          Martin Engelhardt trat kurzfristig als Gegenkandidat an.

          Zwar erhielt Engelhardt einen deutlichen Applaus. Doch 383 Stimmen, 85,11 Prozent, entfielen in der vom ehemaligen Innenminister Thomas de Maizière geleiteten Wahl dann auf Hörmann. Engelhardt erhielt 61. Auf die Frage, ob er die Wahl annehme, nahm sich Hörmann fünfzehn Sekunden Zeit, um ans Rednerpult zu schlendern und für den großartigen Vertrauensbeweis zu danken. Er werde „für Sportdeutschland“ weiterarbeiten, kündigte er an, wie er es bisher getan habe. Neu ins Präsidium wurden anschließend als Vizepräsidentin für Leistungssport die ehemalige Hockeyspielerin und -trainerin Uschi Schmitz aus Köln und als Vizepräsident Wirtschaft und Finanzen der Berliner Unternehmer und Geschäftsführer des deutschen Meisters Berlin Volleys, Kaweh Niroomand, gewählt. Andreas Silbersack, Präsident des Landessportbundes Sachsen-Anhalt, wurde für den Bereich Breitensport und Sportentwicklung gewählt.

          Bundesinnenminister Horst Seehofer hatte zuvor den alten und neuen Präsidenten gelobt, indem er in Anspielung auf die Aufstockung der Spitzensportförderung klagte: „Jede Zusammenkunft mit Ihnen ist teuer.“ Die Förderung wird im kommenden Jahr 235 Millionen Euro betragen – mehr als hundert Millionen Euro mehr als noch 2013.

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