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Olympia und Fußball-EM 2024 : Platini warnt Deutsche vor Doppelstrategie

Olympia und Fußball-EM werden schwierig: Uefa-Präsident Michel Platini Bild: dpa

2024 will Deutschland sowohl die Fußball-EM als auch Olympia in Hamburg ausrichten. Diese Doppelstrategie stößt auf Bedenken. Nach F.A.Z.-Informationen äußerte sich Uefa-Präsident Michel Platini kritisch – und warnt die Deutschen.

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          Die fürs Jahr 2024 in Deutschland geplante Ausrichtung einer Fußball-Europameisterschaft in Kombination mit Olympischen Spielen (Hamburg) stößt international auf Bedenken. Der Präsident des europäischen Fußball-Verbandes (Uefa), Michel Platini, hat in einem internen Kreis mit Vertretern des Sportausschusses im Deutschen Bundestag Zweifel an der Doppelstrategie geäußert und glaubt, dass die EM in dieser Konstellation für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) sportpolitisch schwer durchsetzbar wäre.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ohne Frage habe die Bewerbung Deutschlands um die EM 2024 eine Favoritenrolle, aber wenn Olympische Spiele im gleichen Jahr stattfinden sollten, werde es schwierig, heißt es seitens des Uefa-Präsidenten. Die Aussage stammt aus einem Protokoll des Sportausschusses, das der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt. Sieben Bundestagsabgeordnete aus dem Gremium hatten Mitte April bei einer Schweiz-Reise neben Joseph Blatter, Chef des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa), und Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, auch Platini am Uefa-Sitz in Nyon getroffen.

          Platini nannte das Beispiel der Türkei. Dem Land sei während der Bewerbungsphase Istanbuls für die Sommerspiele 2020 von der Uefa signalisiert worden, dass neben Olympia eine Ausrichtung der EM im selben Jahr nicht in Betracht käme. Am Ende gingen beide Großveranstaltungen an der Türkei vorbei. Vergeben werden die Sommerspiele 2024 in zwei Jahren, danach erst 2018 das EM-Turnier.

          Währenddessen wies die Uefa die Bundestagsabgeordneten darauf hin, dass für sie als Veranstalter eines EM-Turniers eine Steuerbefreiung im Ausrichterland „wichtig“ sei. Eine solche Regelung ist umstritten, musste den Organisationen in der Vergangenheit aber stets garantiert werden - zum Beispiel auch der Fifa bei der WM 2006. Gleiches würde dann für die Europameisterschaft 2024 in Deutschland gelten.

          Der Fußball als Sündenbock?

          Zugleich verteidigte sich Platini in dem Treffen gegen Kritik an den nächsten WM-Standorten Russland (2018) und Qatar (2022), die er nach eigener Aussage beide bei der umstrittenen WM-Vergabe vor fünf Jahren gewählt habe. Auch Handballturniere und Radrennen würden in Qatar stattfinden und dorthin vergeben, wird Platini wiedergegeben.

          Nur im Fußball gebe es große Debatten, insoweit sei der Fußball hier ein Sündenbock. Was die Vergabeentscheidung anbelange, könne die geopolitische Lage vom Sport nicht beeinflusst werden. Wenn er die UN frage, wem die Krim gehöre, merkte Platini gegenüber dem Sportausschuss an, erhalte er keine Antwort. So seine Version.

          Platini steht unter Beschuss

          Im vergangenen Jahr hatte die Vollversammlung der Vereinten Nationen die Angliederung der Krim an Russland mit großer Mehrheit verurteilt. Platini steht derzeit unter Beschuss, weil er im anhaltenden Fifa-Skandal eine schwache Figur abgibt und selbst angreifbar ist. Zum Beispiel, weil sein Sohn nach der WM-Wahl Qatars einen Job bei einer qatarischen Gesellschaft erhielt.

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