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Platini und Blatter : Verweigerung und Kampf um die Ehre

  • Aktualisiert am

Bockig: der suspendierte Uefa-Chef Platini Bild: dpa

Auf zum letzten Gefecht: Die gesperrten Funktionäre Blatter und Platini beklagen „Missachtung der Unschuldsvermutung“ und kämpfen um ihren Verbleib an der Macht.

          3 Min.

          Michel Platini verweigert das letzte Verhör vor den Fifa-Ethikhütern. In einer 17-zeiligen Mitteilung seiner Anwälte begründete der gesperrte Uefa-Präsident am Mittwoch seinen Verzicht auf eine erneute Aussage vor der rechtsprechenden Ethikkammer mit einer angeblichen „Missachtung der Unschuldsvermutung“ durch die Juristen des Weltverbands. Der Chef der Europäischen Fußball-Union war eigentlich für den Freitag vorgeladen. Einen Tag vorher soll Fifa-Boss Joseph Blatter, der wegen einer dubiosen Millionenzahlung an Platini ebenfalls suspendiert ist, noch einmal aussagen.

          Die einst mächtigsten Männer des Weltfußballs fühlen sich zu Unrecht verfolgt und vorverurteilt. Das politisch motivierte Verfahren diene allein dazu, seine Kandidatur für das Amt des Fifa-Präsidenten zu verhindern, polterte Platini in seiner Absage an die Ethikkommission. Wortgewaltig machten er und Blatter schon in den vergangenen Wochen Stimmung gegen die Fifa-Ethiker. „Inquisition“, „Verstoß gegen die Menschenrechte“ oder „öffentliche Hinrichtung“ - Blatter und Platini wähnten sich mit ihrer Suspendierung für 90 Tage offenbar schlimmer gestraft als manch ein Schwerverbrecher.

          Die früher eng verbündeten und inzwischen zerstrittenen Spitzenfunktionäre fuhren schwere Geschütze auf. Nur so recht entkräften konnten beide den Vorwurf der Korruption nicht. Auch Platinis Argumentation vom Mittwoch ist zweifelhaft. Er bezieht sich mit seinem Vorwurf auf angebliche Aussagen eines Sprechers der ermittelnden Kammer. Dieser hatte jedoch schon am Wochenende betont, diese Aussagen über Belege für korruptes Verhalten Platinis und eine bereits feststehende mehrjährige Strafe für den 60-Jährigen wegen diverser anderer Verstöße seien falsch wiedergegeben worden.

          Auf zum letzten Gefecht: Platini (l.) und Blatter fühlen sich ungerecht behandelt
          Auf zum letzten Gefecht: Platini (l.) und Blatter fühlen sich ungerecht behandelt : Bild: Reuters

          Der Jurist Andreas Bantel hat als Mitglied der ermittelnden Kammer ohnehin keinen Einfluss auf das Urteil der rechtsprechenden Ethikkammer. Dennoch kündigten Platinis Anwälte an, juristische Schritte gegen Bantel prüfen zu wollen.

          Verkündung des Strafmaßes am 21. Dezember

          Die rechtsprechende Ethikkammer betonte indes am Mittwoch, Platinis Fall „unabhängig und unvoreingenommen“ zu behandeln. „Obwohl sich Herr Platini damit um die Möglichkeit brächte, der Spruchkammer seine Sicht der Dinge persönlich darzulegen, könnten dies nach wie vor seine Anwälte tun“, hieß es.

          Am 21. Dezember will der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert das Strafmaß für Platini und Blatter verkünden. Es ist zumindest fraglich, ob beide eine Sperre - womöglich sogar lebenslänglich - noch abwenden können. Danach bliebe noch eine Berufung und ein Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS. Die Zeit eilt. Am 26. Februar will sich Platini auf einem außerordentlichen Fifa-Kongress eigentlich zu Blatters Nachfolger wählen lassen. Blatter selbst will dann noch einmal den Zeremonienmeister spielen.

          „Ich werde für mein Recht weiterkämpfen“, sagt Blatter, der sich gar zu einem Brief an die 209 Mitgliedsverbände der Fifa genötigt sah: „Die Art und Weise wie die Untersuchungskammer der Ethikkommission über das laufende Verfahren kommuniziert, die Höchststrafe gefordert und die öffentliche Vorverurteilung verstärkt hat, weisen eine tendenziöse und gefährliche Dimension auf.“

          Blatter sieht in der dubiosen Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken an Platini aus dem Jahre 2011 für Beratertätigkeiten zwischen 1998 und 2002 nichts Anrüchiges. Die Vereinbarung sei rechtens, weil sie auf einem mündlichen Vertrag basiere. So sieht es auch Platini, der darauf beharrt, dass mündliche Verträge genauso wie schriftliche ihre Berechtigung haben. Die Untersuchungskammer hat dazu eine andere Meinung.

          Verdacht der „ungetreuen Geschäftsbesorgung“

          Auch die Schweizer Bundesanwaltschaft ist misstrauisch und hat bereits ein Strafverfahren gegen Blatter unter anderem wegen des Verdachts der „ungetreuen Geschäftsbesorgung“ eingeleitet. Platini wurde dabei als Auskunftsperson geführt. So gibt es auch eine andere Version, in welchem Zusammenhang die Zwei-Millionen-Zahlung stehen könnte: 2011 unterstützten die Uefa-Verbände unter Platinis Führung Amtsinhaber Blatter im Wahlkampf gegen den Qatarer Mohamed bin Hammam.

          Platini hofft auf Entlastung durch ein internes Uefa-Dokument vom 12. November 1998, in dem über seine Tätigkeiten bei der Fifa berichtet wird. Darin soll von einem Jahresgehalt von einer Million Schweizer Franken die Rede sein. Auch ein möglicher Posten als Fifa-Sportdirektor soll erwähnt sein. Auf eine letzte Verteidigungsrede vor den Fifa-Ethikern aber verzichtet Platini. Die Rettung seines Karriereplans überlässt er seinen Anwälten.

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