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Ausflüchte von Platini : Wie einem das Geld die Sinne vernebelt

  • -Aktualisiert am

Michel Platini ist um keine Ausrede verlegen - so wie Joseph Blatter Bild: dpa

Uefa-Präsident Platini hat erklärt, dass der Fifa vor 13 Jahren das Geld fehlte, um ihn direkt zu bezahlen. Bei einem Gewinn von 115 Millionen Schweizer Franken macht das natürlich Sinn.

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          Es ist auch ein Kreuz mit diesem Geld – es vernebelt die Sinne und lässt einen dann offenbar irgendwann nicht mehr klar denken. Michel Platini, der ins Gerede gekommene Präsident der Europäischen Fußball-Union (Uefa), hat am Mittwoch sehr eindrucksvoll aufzeigen können, warum er erst im Jahre 2011 eine Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken für eine Beratertätigkeit beim Internationalen Fußball-Verband aus den Jahren 1999 bis 2002 erhalten habe.

          Böse Naturen hatten da glatt einen Zusammenhang konstruieren wollen mit seinem gleichzeitigen Verzicht bei der Kandidatur zur Wahl des Fifa-Präsidenten 2011. Weit gefehlt, denn in Wahrheit lag die Sachlage ganz anders, ja sie muss offenbar sogar sehr dramatisch für den Weltverband gewesen sein. Der Fifa habe 2002 nämlich einfach das Geld gefehlt, um sein Beraterhonorar komplett auszuzahlen, deshalb die verspätete Begleichung der alten Schuld.

          Exorbitantes Beraterhonorar

          Bei dieser Verteidigungsstrategie drängt sich unweigerlich die Frage auf, wer Platini berät, und was diese Fachleute studiert haben. Zumindest die Bilanzen der Fifa schon einmal nicht, sonst hätten sie sich vielleicht doch eine andere Begründung zurecht gelegt. Im Jahr 2002 hat Fifa-Präsident Joseph Blatter nämlich einen Gewinn von 115 Millionen Schweizer Franken verkündet, was den Schluss nahelegt, dass Platinis gesamtes Beraterhonorar exorbitant gewesen sein muss, wenn selbst dieser Überschuss nicht reichte.

          Auf jeden Fall aber gesundete der Verband so schnell, dass er im Jahr darauf keine besonderen Schwierigkeiten hatte, ein besonderes Prestigeprojekt anzugehen – ein neues Hauptquartier, in bester Lage von Zürich gelegen und bescheiden „Home of Fifa“ genannt.

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          In der Jahresbilanz 2003 konnte Blatter stolz verkünden, dass die Fifa aufgrund ihrer komfortablen finanziellen Situation 50 Prozent der Baukosten selbst tragen könne. Der Rest war auch kein Problem, denn „dank ihrer exzellenten Bonität kann die Fifa zudem einen Hypothekarkredit zu vorteilhaften Konditionen abschließen“. Und Julio Grondona, der damalige Vorsitzende der Finanzkommission, schloss seine Grußworte im Jahresbericht mit dem Hinweis, dass die Fifa „ihre Aufgaben im Jubiläumsjahr 2004 sowie für den Rest der Periode 2003 bis 2006 mit Gelassenheit angehen kann“.

          Kein Wunder, bei einem Nettoergebnis von 141 Millionen Schweizer Franken. Und bei Gläubigern, die so geduldig darauf warten, ihr Geld zu bekommen. Andere hätten bei einem Nettoergebnis von 816 Millionen Schweizer Franken aus dem Zeitraum 2003 bis 2006 vielleicht tatsächlich schon mal eher nachgefragt.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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