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Michael J. Garcia : Jäger im Fifa-Schattenreich

  • -Aktualisiert am

Journalist, Jurist, dann ehrgeiziger Bundesanwalt: Michael J. Garcia Bild: AFP

Der Amerikaner Michael J. Garcia brachte Mafia-Gangster vor Gericht und legte Betrügern an der Wall Street das Handwerk. Jetzt soll er bei der Fifa ermitteln. Doch er hat auch Kritiker.

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          Es gibt in Amerika eine ganze Reihe von Journalisten, die es irgendwann im Leben in die Juristerei verschlagen hat. Was zeigt, dass die beiden Metiers miteinander verwandt sind. Zumindest in den Karriereträumen einer Generation, die mit Watergate aufgewachsen ist. Doch nur wenige Umsteiger legen nach ihrem Ausstieg beim Lokalblatt eine richtig steile Karriere hin.

          So wie etwa Michael J. Garcia. Der wäre vor ein paar Jahren beinahe Amtsnachfolger eines der berühmtesten Polizisten aller Zeiten geworden: J. Edgar Hoover, der Begründer und langjährige Chef des Federal Bureau of Investigation, im Rest der Welt besser bekannt unter der Abkürzung FBI.

          Dass er den Posten nicht bekam, könnte sich für eine andere weltbekannte Institution noch als segensreich erweisen. Garcia, inzwischen Anwalt und Partner in einer der ältesten, erfolgreichsten und größten amerikanischen Kanzleien namens Kirkland & Ellis, ließ sich vom renommierten Antikorruptionskämpfer Mark Pieth, der die Reformen beim Internationalen Fußball-Verband (Fifa) maßgeblich vorantreibt, dazu überreden, auch das Schattenreich des Fifa-Präsidenten Joseph Blatter auszuleuchten.

          Der 51-Jährige, der einst sein erstes Studium (im Fach Amerikanische Literatur) mit einer Examensarbeit über Mark Twain und das Theater abgeschlossen hatte, wurde am Dienstag in Zürich als Chefermittler präsentiert - in der offiziellen Funktion des Vorsitzenden der Ermittlungskammer der neuen Ethikkommission. Verantwortlich für die Spruchkammer wird der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert sein; der Münchner verfügt über große Erfahrung in Korruptionsverfahren und im Kampf gegen mafiöse Strukturen. Garcia soll sofort den ISL-Schmiergeldskandal weiter untersuchen - und dann wohl auch das mysteriöse Spiel um die Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 an Qatar.

          Garcia verzichtet auf die Selbstinszenierung

          Öffentlich hat der ehemalige Staatsanwalt zu seiner Berufung bislang keine Stellungnahme abgegeben. Interviewanfragen lässt er unbeantwortet. Das passt jedoch zu seinem eher zurückhaltenden Stil. In den Archiven findet sich nur ein ausführlicher Artikel über Michael J. Garcia. Erschienen in der „New York Times“ im Jahr 2006 - eine honette Verbeugung vor einem Aufsteiger aus kleinen Verhältnissen im New Yorker Vorstadtmilieu von Long Island mit lateinamerikanischen Wurzeln.

          Der Mann, der als Bundesstaatsanwalt die Macht hatte, Mafia-Gangster vor Gericht zu stellen, mit seinen Ermittlungen einen amtierenden Gouverneur aus dem Amt zu treiben und betrügerische Milliardengeschäfte von Investmentbankern und Hedgefond-Managern an der Wall Street aufzuklären, verzichtete schon immer auf Selbstinszenierung. Auch, als er im Dopingprozess gegen die frühere Sprint-Olympiasiegerin Marion Jones öffentlichkeitswirksam tätig wurde.

          Dienst nach Vorschrift kommt nicht in Frage

          Als junger, ehrgeiziger Jurist in einer Behörde mit 250 kaum weniger ehrgeizigen Kollegen hatte er von seiner ersten Chefin, einer forschen, kleinen Frau, eine wichtige Lektion erhalten: „Du bist in ihr Büro gekommen und hast gesagt, ich habe diese elf Dinge erledigt, und sie hat gesagt, okay, großartig, aber was ist mit Nummer zwölf?“ Mit anderen Worten: Um als Staatsanwalt in Manhattan erfolgreich zu sein, muss man hart und viel arbeiten. Dienst nach Vorschrift kommt nicht in Frage.

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