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Michael J. Garcia : Jäger im Fifa-Schattenreich

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Als Protegé der Bush-Regierung lernte er, dass man mit dem richtigen Parteibuch ziemlich schnell nach oben kommen kann. So wechselte er 2001 nach dem Wahlerfolg von George W. Bush ins Wirtschaftsministerium nach Washington, wo er sich um die Einhaltung der Exportkontrollgesetze kümmerte. Wenig später bekam er im Innenministerium die Verantwortung für die 20.000 uniformierten Kräfte, die das Prozedere der Pass- und Zollkontrollen an den Grenzübergängen und Flughäfen durchführen und die Abschiebungsgefängnisse für unerwünschte Ausländer betreiben.

Garcia soll tief hineingreifen in das Schattenreich der Fifa

Der bürokratische Alltag dürfte keine Herausforderung für ihn gewesen sein. Schon eher die Aufgabe, die ihm der republikanische Präsident 2005 übertrug: die des Bundesanwalts von Manhattan, der Bronx und einer Reihe von angrenzenden Gemeinden im Staat New York. Ein Job, bei dem man keine kleinen Fische fängt, sondern ziemlich große. Und wo man oft mit der Frage konfrontiert wird, ob man seine Macht wirklich angemessen einsetzt. „Das ethische Prinzip hier und das Grundprinzip überhaupt, von dem wir uns leiten lassen, ist, dass wir die richtige Dinge aus den richtigen Gründen tun.“

Der Schweizer Kriminologe Mark Pieth, der in seiner Rolle als Vorsitzender der unabhängigen Governance-Kommission bei der Fifa den Amerikaner ins Boot holte, nachdem er seinen Favoriten, den Argentinier Luis Moreno Ocampo (ehemaliger Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes) nicht durchsetzen konnte, wünscht sich, dass Garcia in seiner Arbeit keinerlei Einschränkungen erfährt. Auch wenn er in seiner neuen Rolle niemanden mit Zwangsvorladungen und Meineidanklagen unter Druck setzen kann.

Er tut, „was seine Bosse wollen“

Spezielle Forensik-Unternehmen, für welche die Fifa auch die Kosten übernehmen muss, sollen dennoch bei der Aufklärungsarbeit genutzt werden. Viele Investigationsfirmen sollen sich jetzt schon bei der Fifa ins Spiel gebracht haben für die externe Aufklärungsarbeit. „Ein Michael J. Garcia als Chefermittler übernimmt hier eher eine politische Rolle“, sagte Pieth diese Woche in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ über die Arbeit Garcias.

Wie politisch und wie konkret - das wird sich zeigen. Sein Einstieg in die Welt der Prestigekanzleien, die ihn auf ein Gehaltsniveau von mehreren Millionen Dollar im Jahr katapultierte, produzierte einiges Rumoren. Die stechendste Kritik lautete: Garcia habe seinen Aufstieg seinen guten politischen Instinkten zu verdanken, nicht seinen Qualitäten als Strafverfolger. Er sei ein Mann, der das tut, „was seine Bosse wollen“, sagt der New Yorker Anwalt und Menschenrechtsspezialist Scott Horton. Horton, der Garcias Rolle für den Dokumentarfilm „Client 9“ untersuchte und viele New Yorker Staatsanwälte kennt, bezweifelt, dass der Fifa-Chefaufklärer bei seinen Untersuchungen jede relevante Spur verfolgen wird. „Diesen Ruf hat er nicht.“

Das könnte richtig spannend werden

Respekt vor Macht und Einfluss hilft oft, die eigene Laufbahn zu befördern. Und sie ist das Prinzip, nachdem die Altherrenriege der Fifa regiert wird. So muss Garcia, der zunächst alle Akten vom Zuger ISL-Schmiergeld-Prozess erhalten wird, erst noch zeigen, ob er dieses eitle Fußballtheater mit den unbestechlichen Charaktereigenschaften eines Staatsanwalts attackiert. Pieth jedenfalls glaubt an seinen neuen amerikanischen Freund und ermunterte ihn. Garcia könnte sogar ordentliche Gerichte mit seinen Ermittlungsergebnissen bemühen. Das könnte dann richtig spannend werden.

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