https://www.faz.net/-gtl-8717p

Menschenversuche der DDR : Franke erstattet Anzeige

  • Aktualisiert am

Werner Franke: „Es ist eine neue Dimension“ Bild: dpa

Turnerinnen sollen durch die Vergabe von Anabolika klein gehalten worden sein. Nach der Karriere sei das Wachstum durch Leichenpräparate wieder angeregt worden.

          25 Jahre nach dem Ende der DDR hat Molekularbiologe Werner Franke mit einer Strafanzeige ein weiteres Kapitel des staatlich verordneten Dopings in der DDR öffentlich gemacht. „Es ist eine neue Dimension. Es handelt sich nicht mehr nur um Doping während der sportlichen Laufbahn, sondern um Menschenveränderungen vor und nach der Karriere“, sagte Franke am Sonntag. Er hat bei der Staatsanwaltschaft Berlin Strafanzeige gegen eine verantwortliche Medizinerin des einstigen DDR-Turnverbandes und weitere Verantwortliche des DDR-Sports wegen des Verdachts der Körperverletzung erstattet.

          Der „Spiegel“ hatte darüber berichtet, wie DDR-Turnerinnen im frühesten Kindesalter durch die Vergabe von Anabolika klein gehalten und nach ihrem Karriereende mit dem Wachstumshormon aus Leichen misshandelt wurden, um ihr Wachstum wieder anzuregen. Grundlage ist das Verfahren der ehemaligen Turnerin Heike M. aus Berlin, die aus Verletzungsgründen früh ihre Laufbahn beenden musste. Wie aus Dokumenten hervorgeht, erfolgte bei der Jugendlichen nach der Verabreichung eines Somatropin-Präparats über sechs Wochen damals ein Wachstumsschub von zehn Zentimetern in nur zehn Monaten.

          Heike M. wurde nach dem Ende ihrer Karriere im sächsischen Kreischa das Somatropin gespritzt, das überwiegend aus russischen Leichen gewonnen worden sei. Wie Franke weiter unterstrich, bekamen die jungen Turnerinnen in der DDR androgene Hormone (Anabolika) nicht nur, um belastbarer zu sein, sondern auch zur Reduktion des Größenwachstums. „Mit der Injektion des Präparats in einen anderen Körper waren Fremdreaktionen durch Verunreinigung eine logische Folge“, sagte Franke. Körperlich-nervlicher Verfall und Demenz bis hin zur oft tödlich endenden Creutzfeldt-Jakob-Krankheit gehörten zu den möglichen fatalen Folgen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Trauer und Jubel in Berlin : Den Grünen gehen die Superlative aus

          Während bei den Grünen die Freude über die Wahlergebnisse in Europa und in Bremen „wahnwitzig“ groß ist, ist die Stimmung bei der Union schon vor der Verkündung der Prognosen auf dem Tiefpunkt. Und bei der SPD wackelt die Parteichefin nach dem Doppeltiefschlag.

          SPD-Debakel in Bremen : Untergang an der Weser

          In Bremen ist das Historische geschehen: Zum ersten Mal seit 73 Jahren liegt die CDU vor der SPD, die ihr schlechtestes Ergebnis seit Bestehen der Bundesrepublik verkraften muss. Wie soll sie aus diesem Tief wieder herauskommen?

          Nach SPD-Debakel : Lauterbach für Rot-Rot-Grün in Bremen und im Bund

          Die SPD hat ein historisches Wahldebakel erlitten. Trotzdem sei nicht die Zeit für Personaldebatten um Nahles, sagt SPD-Politiker Karl Lauterbach. Dafür fordert er mehr Umweltbewusstsein in seiner Partei – und Mut zu neuen Bündnissen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.