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Menschenrechte : Olympia soll China verändern

Wird China nach den Olympischen Spielen weltoffener? Bild: dpa

Sportler und Funktionäre sind sich einig. Die Spiele in Peking leisten auch zur Entwicklung der Menschenrechte in China einen positiven Beitrag. Amnesty International warnt dagegen davor, auf Automatismen zu hoffen.

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          Das Selbstbewusstsein des Sports, zur Verbesserung der Welt beizutragen, dürfte Christian Breuer nahezu perfekt verkörpern. „Sport ist gelebtes Menschenrecht“, sagte der ehemalige Eisschnellläufer am Donnerstag in Berlin in einer öffentlichen Anhörung vor dem Ausschuss für Menschenrecht und humanitäre Hilfe und dem Sportausschuss des Bundestages. In der Diskussion um die Situation der Menschenrechte beim Gastgeber der Olympischen Spiele, China, formulierte er die Überzeugung: „Ein Land öffnet sich durch nichts mehr als durch Olympische Spiele.“

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Damit spitzte Breuer, Athletenvertreter im Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), die Thesen zu, die die Vertreter des Sports äußerten. Thomas Bach, Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und DOSB-Präsident, Fechtweltmeisterin und China-Expertin Britta Heidemann sowie Helmut Digel, Soziologe sowie Funktionär im Internationalen Leichtathletikverband, halten die Wettbewerbe der Athleten aus aller Welt vor den Augen aller Welt für eine Gelegenheit zur Begegnung und zum Meinungsaustausch, für einen Schritt hin zu Offenheit und Gerechtigkeit.

          „Meinungsbildung und Offenheit können nicht abgeschaltet werden“

          Bach wies auf die Sprachprogramme für Hunderttausende in China hin, die es diesen ermögliche, mit ausländischen Besuchern in Kontakt zu treten. „Meinungsbildung und Offenheit können nicht abgeschaltet werden“, sagte er. Die Kampagne, mit der China fast einer halben Million Schülern die Olympische Charta und deren Werte nahebringt, nannte Bach gar ein Bildungsprogramm. Digel lobte die Vergabe der Spiele nach Peking als „kluge, demokratische Entscheidung“ und nannte das IOC ein Modell für Demokratie.

          Für Amnesty International warnte Dirk Pleitner davor, auf Automatismen zur Beendigung der schweren Menschenrechtsverletzungen in China zu hoffen. In den vergangenen Jahren sei besonders in der Pressefreiheit eine gegenteilige Entwicklung zu beobachten. Die Veranstaltung der Olympischen Spiele mit ihrem großen Prestige für China berge die Gefahr, dass das Regime Maßnahmen gegen soziale Randgruppen wie Enteignung und Vertreibung sowie Repressionen gegen Bürgerrechtler und Menschenrechtsverteidiger verstärke. Um nicht als Spielverderber zu gelten, rufe seine Organisation aber nicht zum Boykott auf.

          Der Botschafter Chinas, Canrong Ma, der seine Teilnahme an der Anhörung abgesagt hatte, antwortete schriftlich auf die Fragen der Abgeordneten. „Man braucht kein Blatt vor den Mund zu nehmen“, schrieb er. „China ist immer noch ein Entwicklungsland, und der Aufbau der Demokratie und des Rechtssystems des Landes sowie das Niveau der sozialen Zivilisation und der Lebensstandard des Volkes, beeinflusst und beschränkt durch die naturbedingten und historischen Faktoren sowie durch das Entwicklungsniveau der Wirtschaft, lassen noch viel zu wünschen übrig.“ Die Spiele in Peking leisteten, und da ist er sich mit dem Sport einig, auch zur Entwicklung des Menschenrechtswesens in China einen positiven Beitrag.

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