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Diskussion um Lockerungen : Sport für alle!

Schluss mit leeren Sportplätzen? Die Politik diskutiert weitere Lockerungen. Bild: dpa

Wenn die Politik nun über den Sport spricht, geht es nicht nur um die Fußball-Bundesliga. Was den Graswurzel-Sport betrifft, ist von Kanzlerin und Ministerpräsidenten ein schneller Zug zum Tor gefragt.

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          Die spektakulärste Nachricht, die an diesem Donnerstag aus dem Kanzleramt erwartet wird, betrifft die Fußball-Bundesliga. Ob Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten sich für deren Spielbetrieb vor leeren Rängen entscheiden, ob sie dagegen votieren oder ob sie den Tagesordnungspunkt vertagen, wie weithin angenommen wird – die Schlagzeilen wird die Bundesliga so oder so für sich haben.

          Dabei behandeln die Sportminister, die in Wirklichkeit ganz überwiegend die Innenminister der Länder sind und von denen die Vorlage stammt, den Sport für alle im Gegensatz zum Profi-Fußball im Imperativ. Die Wiederaufnahme der Liga-Spiele hielten sie unter den versprochenen Bedingungen für vertretbar, heißt es in ihrem Beschluss vom Dienstag; so sieht es auch der Arbeitsminister. Der Sport für alle aber ist laut dem Papier ein Muss. Er müsse in verantwortlicher Form schrittweise wieder ermöglicht werden. Den zur Seuchenprävention nahezu vollständig untersagten Sportbetrieb wieder aufzunehmen ist nach den Worten der Sportminister dringend erforderlich; schließlich trage der Sport zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, zur Erhaltung von Gesundheit und Mobilität und damit zur Lebensqualität bei.

          Freiheit für erste Lebenszeichen

          Man darf gespannt sein, ob der Vereins- und Breitensport der Vorreiterrolle des Fußballs bedarf, um aus der von der Pandemie verursachten Prohibition herauszukommen. Dabei ist er nicht nur bereit für die Rückkehr, wie der Deutsche Olympische Sportbund auf seiner Website plakatiert. Er braucht dringend Freiheit für erste Lebenszeichen, Bewegung, um die Krise überleben zu können. Trotz eindrucksvoller Hilfspakete der Länder stehen viele der 90.000 Sportvereine Deutschlands, insbesondere die mit eigenen Sportanlagen und hauptberuflichem Personal, vor dem Ruin.

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          Noch längst ist die Schadensermittlung bei Vereinen, Verbänden und Ligen nicht abgeschlossen. Doch schon ist die Rede von einem Milliardenbetrag, der fehlen soll. Zur Jahresmitte, Stichtag 30. Juni, droht den Klubs, da ohnehin kein Mensch mehr bei ihnen Kurse oder Trainingsplätze bucht, auch noch die Kündigung vieler tausend Mitglieder. Wer will ihnen mangelnde Solidarität vorwerfen, da der Sportverein Eltern und Kindern seit Wochen keine Heimat mehr sein kann?

          Sport ausschließlich an der frischen Luft zu erlauben, mit dem Gebot zu Abstand und ohne Umkleidekabinen, ohne Vereinsgaststätte und ohne Zuschauer, das empfehlen die Sportminister der Länder. Ihnen zu folgen würde ein Zeichen der Hoffnung sein. Zu Hobby-Kicks und Lauftreffs, zu Mannschafts-, Hallen- und Kontaktsport, zu Wettkampfbetrieb und Meisterschaften gar, welcher Sportart und auf welcher Ebene auch immer, wäre der Weg immer noch sehr weit.

          Man mag sich nicht vorstellen, dass die Politik die Ausnahme für die Fußball-Bundesliga brauchte, um in dessen Windschatten dem Sport für alle einen Schritt hin zu gesellschaftlicher Normalität zu erlauben. Mögen sie bei ihrer Videokonferenz die Entscheidung über die Profis in leeren Stadien hinauszögern. Was den Graswurzel-Sport betrifft, ist von Kanzlerin und Ministerpräsidenten ein schneller Zug zum Tor gefragt.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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