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Medien : Keine Vertragsverlängerung für ARD-Sportkoordinator Boßdorf

  • -Aktualisiert am

Der Vertrag des ARD-Sportkoordinators Hagen Boßdorf wird nicht verlängert. Dem wegen Stasi-Kontakten und mangelnder Distanz zum Profisport umstrittenen Boßdorf wird vorgeworfen, für einen aktuellen Fall von Schleichwerbung verantwortlich zu sein.

          Es schien und schien kein Ende zu nehmen mit den Vorwürfen gegen den ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf: Stasi, ein laufendes Ermittlungsverfahren wegen eidlicher Falschaussage, Schleichwerbung, zu große Nähe zum Radsport und insbesondere zu Jan Ullrich samt geschäftlicher Verquickungen.

          Ebenso beständig war bislang die Wagenburgmentalität der Intendanten, die dem umstrittenen Journalisten erst im September auf ihrer Tagung in Schwerin eine Vertragsverlängerung um fünf Jahre anboten. Nun aber ist das Faß übergelaufen. Boßdorfs Vertrag wird, wie die Intendanten am Mittwoch entschieden, doch nicht verlängert. Eine ARD-Kurzsendung im Vorabendprogramm wurde dem Sportkoordinator zum Verhängnis. In elf knapp zweiminütigen Sendungen war im September im Vorabendprogramm im Ersten von einer Nordic-Walking-Veranstaltung berichtet worden. Bei diesem „Becel Deutschland Walk“, bei dem Skilegende Rosi Mittermaier und ihr Gatte Christian Neureuther als Moderatoren auftraten, kam der titelgebenden Margarinemarke eine besondere Bedeutung zu - ging es doch wie nebenher auch um Cholsterinwerte, die Vorteile von pflanzlichen gegenüber tierischen Fetten und überhaupt um richtige Ernährung.

          „Klarer Verstoß“ gegen die Richtlinien

          Die Anbindung an „markenrelevante Themen“ des Sponsors sah schon das von einer Agentur erarbeitete Sendekonzept vor, und dies wurde von Boßdorf selbst befürwortet und in die ARD, genauer den Bayerischen Rundfunk, eingebracht. Ein Konflikt mit den Werberichtlinien der ARD, so die Intendanten, die auf einen Hinweis aus der hauseigenen Programmbeobachtungsstelle gegen Schleichwerbung, die nach dem Bavaria-Skandal des Jahres 2005 gegründet wurde, reagierten. Der ARD-Vorsitzende Thomas Gruber erklärte, es handle sich um einen „klaren Verstoß“ gegen die Richtlinien zur Trennung von Werbung und Programm. „Die ARD wird Sorge tragen, daß der komplette Vorgang in seinen Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten vollständig aufgeklärt und dokumentiert wird“, so Gruber. Der für die Sendungen verantwortliche Bayerische Rundfunk wird laut einer Pressemitteilung der ARD „arbeitsrechtliche Maßnahmen gegen die redaktionell Verantwortlichen einleiten“. Es wird also wohl zusätzlich zur Nichtverlängerung Boßdorfs einige Abmahnungen geben.

          Pikant an der Entscheidung der ARD-Intendanten ist der Umstand, daß sich bei der Abstimmung im Fall Boßdorf nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zwei Intendanten enthielten: Zum einen die RBB-Intendantin Dagmar Reim, die noch bei der ARD-Tagung im September vehement gegen eine Verlängerung des Vertrages mit Boßdorf gekämpft hatte; zum anderen der NDR-Intendant Jobst Plog.

          Juristisches Nachspiel?

          Beide haben von der Nichtverlängerung Boßdorfs etwas zu befürchten. Boßdorf hat einen Rückkehranspruch zum RBB, den er nun geltend machen könnte - in Berlin aber wird man ihn kaum mit offenen Armen empfangen: Boßdorf hatte erst vor wenigen Monaten den RBB-Kollegen Hajo Seppelt wegen kritischer Worte zum Umgang des Senders mit dem Thema Doping als ARD-Schwimmreporter absetzen lassen. Die Redaktion des RBB stellte sich damals, folgenlos, mit einer Solidaritätserklärung hinter den Kollegen Seppelt.

          Aber Boßdorf könnte sich nun auch an den NDR wenden. Im Frühjahr 2005 hatte er bereits den Vertrag als neuer NDR-Sportchef unterschrieben, als neue Dokumente über die Stasi-Kontakte Boßdorfs den Sender veranlaßten, den Vertrag aufzuheben. Juristisch ist diese Aufhebung bis heute nicht geklärt, und es könnte nun dazu kommen, daß Boßdorf auf die Einhaltung des Vertrages klagt.

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