https://www.faz.net/-gtl-71fp3

Mark Pieth im Gespräch : „Blatter ist eine mediale Hypothek“

  • Aktualisiert am

„Nur Blatter kann die Gegenkräfte überzeugen, dass Veränderungen hermüssen – ich könnte das nicht“: Mark Pieth (rechts) Bild: REUTERS

Der renommierte Kriminologe und Anti-Korruptionskämpfer Mark Pieth ist treibende Kraft im Reformprozess des Fußball-Weltverbandes. Im F.A.Z.-Interview spricht er über ein Zweckbündnis mit dem Fifa-Boss, eine verschworene Bande und seine Mitstreiter.

          4 Min.

          Joseph Blatter hat seine Integrität als Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes verloren. Deutsche Politiker und Fußballfunktionäre fordern seinen Rücktritt. Warum betonen Sie noch seine Bedeutung für den Fifa-Reformprozess?

          Unsere Ziele sind nicht an Herrn Blatter gebunden. Aber wir brauchen ihn im Moment nach innen. Nur er kann die Gegenkräfte überzeugen, dass Veränderungen hermüssen – ich könnte das nicht. Mir traut keiner von denen. Entscheidend ist jetzt, dass wir mit dem neuen Ethikkodex und der Installierung der beiden neuen Kammern der Ethikkommission mit zwei starken Vorsitzenden schon mal einen großen Schritt nach vorne kommen. Dieses Thema ist viel interessanter.

          Obwohl Blatter aufgrund der Machenschaften der Vergangenheit immer weiter in Erklärungsnot gerät, tritt der Fifa-Präsident derzeit ziemlich selbstgefällig auf und behauptet, die Reformen kämen schließlich aus seiner „Küche“. Stört Sie das nicht?

          Es ist richtig, seine Selbstdarstellung bringt die Leute auf die Palme. Er betreibt ein Risikospiel und ist damit eine mediale Hypothek. Herr Blatter sollte einfach mehr Bescheidenheit an den Tag legen.

          Glauben Sie, er wird bis zum Ende seiner Präsidentschaft im Jahr 2015 bleiben können?

          Ich bin nicht sein Anwalt und auch nicht sein Ankläger. Ich kann es nicht sagen. Aber weil ich will, dass unbedingt die nächste Reformrunde bis zum nächsten Fifa-Kongress 2013 erreicht wird, wäre es gut, wenn Blatter dann noch dazugehörte.

          Wenn Sie von „Gegenkräften“ sprechen, um wen geht es da konkret?

          Da gibt es eine eingeschworene Bande. Nicht alle im Exekutivkomitee setzen auf die Reformen. Einen Grondona (Fifa-Vizepräsident aus Argentinien) werde ich nie überzeugen können. Er hat mir auch ganz offen gesagt, dass er von mir nichts hält. Eben um solche Leute mitzunehmen auf dem Weg zu den angestrebten Veränderungen, brauche ich Herrn Blatter. Das ist ein Zweckbündnis. Wichtig ist am Ende, dass der Laden aufgeräumt wird.

          Sie sagen, mit der Aufteilung der Ethikkommission in eine Ermittlungskammer unter dem Vorsitz des amerikanischen Anklägers Michael J. Garcia und eine Spruchkammer mit dem erfahrenen deutschen Richter Hans-Joachim Eckert an der Spitze wäre ein großer Schritt gelungen. Wie stellen Sie sich ein schlagkräftiges Vorgehen vor?

          Wir diskutieren viel zu wenig über die Qualitäten dieser neuen Leute. Die werden uns das bringen, was wir erwarten. Hans-Joachim Eckert (Siehe Seite 8) kenne ich schon lange. Er arbeitete schon mit Giovanni Falcone (Symbolfigur im Kampf gegen die italienische Mafia) zusammen. Eckert war als Staatsanwalt für Mafiafälle zuständig, die mit München zu tun hatten. Das ist kein Weichei. Genauso Garcia, er ist ein Schwergewicht der amerikanischen Justiz. Als Oberstaatsanwalt in New York hatte er 250 Staatsanwälte unter sich, die zum Beispiel auch im Korruptionsfall von Statoil ermittelten. Beide haben das Format für diesen Job.

          Sie hatten in der Rolle des neuen Fifa-Ermittlers eigentlich den Argentinier Luis Moreno Ocampo präferiert. Er war bis vor kurzem Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes. Warum wurde er vom Fifa-Vorstand nicht gewählt?

          Weitere Themen

          FC Bayern trifft auf Olympiakos Video-Seite öffnen

          Champions League : FC Bayern trifft auf Olympiakos

          Am dritten Spieltag müssen die Bayern nach Griechenland zu Olympiakos Piräus, dem Tabellen-Dritten in der Gruppe B. Trainer Niko Kovac warnte auf der letzten Pressekonferenz vor der Partie und vor dem Gegner.

          Topmeldungen

          Borussia Dortmund : Favre und die Anzeichen der Entfremdung

          Lucien Favre ist in eine hochkomplizierte Lage hineingeraten. Obwohl keiner der Verantwortlichen den Trainer öffentlich kritisiert, dürfte er keine große Zukunft bei Borussia Dortmund haben. Wie konnte das nur passieren?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.