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Badminton-Sprecher Zwiebler : „Es fehlt an allen Ecken und Enden“

  • -Aktualisiert am

Marc Zwiebler bei der Europameisterschaft 2017 im dänischen Kolding Bild: Reuters

Marc Zwiebler ist Athletensprecher im Badminton-Weltverband. Der 35-Jährige erhofft sich einen Aufschwung für seinen Sport, der von der Potential-Analyse des DOSB überraschend ganz vorne eingestuft wurde.

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          Badminton steht mit anderen Sportarten an erster Stelle im zuletzt veröffentlichten neuen Förderprogramm des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und des Bundesinnenministeriums. Rechnen Sie mit einem Aufschwung Ihrer Sportart?

          Ja, ich hoffe es, auch wenn ich vielleicht nur einen kleinen Beitrag im Verband leiste, kenne ich natürlich die Verantwortlichen, die die Strukturen so aufgestellt haben. Badminton hat nicht die größten Erfolge gehabt, aber wir haben offensichtlich die besten Strukturen. Deshalb hoffe ich, dass wir ein bisschen mehr Förderung bekommen, denn es fehlt an allen Ecken und Enden. Ich hoffe, dass es dazu führt, dass wenigstens eine Debatte angestoßen wird, dass wir für unsere Strukturen und Arbeit auch belohnt werden.

          Die Zwischenergebnisse dieser sogenannten PotAs-Analyse von DOSB und Ministerium, die Badminton eine aussichtsreiche Zukunft attestiert, könnten zu einer stärkeren Förderung führen. Werden Athleten direkt davon profitieren?

          Beim Sportler kommt schon etwas an. Badminton ist auch kein günstiger Sport, viele große Turniere finden in Asien statt. Momentan müssen die Sportler viele Reisen noch selbst bezahlen, da hilft die Förderung schon. Aber auch auf struktureller Basis hilft es, mehr Physiotherapeuten zu haben, mehr Trainer, und natürlich auch, in die Zukunft zu investieren. Im Moment sind das ein paar hauptamtliche Leute, die 20 Stunden am Tag arbeiten und mit Herzblut dabei sind. Jeder Euro zählt und wird – das hat die Analyse gezeigt – so konstruktiv und effizient wie möglich genutzt.

          Im kommenden Jahr wird die dritte Komponente „Erfolg“ noch mit eingerechnet. Erhöht das den Druck für die Athleten, bei Olympia Medaillen gewinnen zu müssen?

          Ein gewisser Druck ist schon da, die Motivation aber sowieso. Ich glaube, da kann ich für alle Sportler in Deutschland sprechen. Es war mein Ziel, eine olympische Medaille zu gewinnen, und es lag auch im Bereich des Möglichen. Ich muss sagen, dass ich mir selbst eine Menge Druck gemacht habe. Aber wenn man zusätzlich noch befürchten muss, dass der Job des Trainers daran hängt, weiß ich nicht, ob der Druck noch gut ist. Die Erfolge mit einzurechnen, kann ich verstehen. Ich finde aber, man muss schauen, wie es eingerechnet wird. Selbst wenn wir die erfolgreichste Nation im Badminton wären, könnten wir höchstens fünf Medaillen gewinnen. Es gibt nur fünf Disziplinen. Es gibt andere Sportarten, wie Schwimmen oder Rudern, die viel mehr Medaillen gewinnen können. Wenn es also nur darum geht, hat Badminton per se schlechte Karten. Es geht mir aber nicht nur um Badminton, sondern ich engagiere mich für alle Athleten in Deutschland. Ich wünsche mir, dass die sportliche Vielfalt erhalten bleibt und in jeder Region ein vernünftiges Sportangebot besteht. Dies gilt nicht nur für den Leistungssport, sondern auch für den Nachwuchs- und Behindertensport.

          Was lieben Sie an Ihrem Sport?

          Ich bin ein Fan von Wettkampf und Spielsportarten. Ich finde, im Badminton liegt der Reiz, dass es eine gute Mischung ist aus Ausdauer und Kraft, plus die geforderte Reaktionsschnelligkeit. Badminton ist offiziell die schnellste Rückschlagsportart der Welt. Und es ist ein sehr dreidimensionaler Sport. Man muss das ganze Feld abdecken. Es wird nie langweilig, weil es endlos viele Möglichkeiten und Schläge gibt.

          Offiziell gibt es in Deutschland zurzeit keinen Olympia-Kader, aber einen großen Perspektivkader. Kommt der Nachwuchs zu langsam nach?

          Wir haben im deutschen Badmintonverband, wenn man die letzten 20 Jahre betrachtet, einen riesigen Sprung nach vorne gemacht. Es gab eine goldene Generation, zu der ich auch gehörte, aber inzwischen haben alle Spieler meiner Generation den Schläger an den Nagel gehängt. Dann gab es in der Spitze ein kleines Loch, aber wir haben eine Menge sehr junge talentierte Leute, die noch ein, zwei Jahre brauchen, um diese Lücke zu schließen.

          Wie sieht es im internationalen Vergleich aus?

          Uns fehlt momentan diese Spitze, ich war da einer der Erfolgreichsten und war in den Top zehn der Welt. Allerdings habe ich keine Medaille bei Olympia oder Weltmeisterschaften gewonnen. Wir kämpfen gegen eine asiatische Supermacht. Das ist nicht nur China, auch Indien, Japan, Korea und ganz Südostasien sind stark gewachsen. Von Kindesbeinen an fangen sie dort an, professionell zu trainieren, es sind Massen an Leuten. Badminton ist nach Fußball die zweitmeistgespielte Sportart der Welt, in Deutschland hält man das für unmöglich, aber allein in China spielen über 100 Millionen Menschen Badminton. In Relation gesehen, konnten wir uns da ganz gut behaupten, aber das letzte Bisschen hat gefehlt.

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