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Manfred von Richthofen : Spaß bis zum Schluß

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Fusion vollbracht: Manfred von Richthofen (DSB) und Klaus Steinbach (NOK) Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

DSB-Präsident Manfred von Richthofen hat den Spagat zwischen Sport und Politik genossen. Der 72 Jahre alte Freiherr tritt aus der ersten Reihe der Sportpolitik ab, wenn an diesem Samstag der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) gegründet wird.

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          Nach seinem zehnjährigen Kampf für die Fusion der großen deutschen Sportorganisationen, Deutscher Sportbund (DSB) und Nationales Olympisches Komitee (NOK), muß er ja so reden: "Ich glaube, daß der Sport insgesamt gewinnen kann", sagt Manfred von Richthofen, dessen Amtszeit als DSB-Präsident am Samstag nach einem Dutzend Jahren endet, zur bevorstehenden Gründung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

          Und nicht nur das: Der 72 Jahre alte Freiherr tritt aus der ersten Reihe der Sportpolitik ab. "Aber bitte, verlangen Sie keine Erklärung von mir, daß ich nun keine Äußerungen zum deutschen Sport mehr machen werde", sagt er gut gelaunt, wie meist mit einer Zigarette in der Hand. Er bleibt, bis zum 9. Juli, Vorsitzender des Kuratoriums der Fußball-WM. Dem Kuratorium des Hockey-Bundes hält er die Treue, es ist schließlich seine alte Sportart. Der finanziell unabhängige Berliner, ausgebildeter Pädagoge, sitzt in zahlreichen Gremien der Wirtschaft. Wenn er über die Zukunft spricht, nennt er an erster Stelle aber seine Leidenschaft für moderne Kunst, vor allem für alle von den Nazis verfemten Maler und Bildhauer.

          Gegenspieler Tröger muß sich nicht zur Wahl stellen

          Er findet es fast amüsant, daß Walther Tröger, sein großer Gegenspieler in Fragen der Fusion und als NOK-Präsident vor knapp vier Jahren abgewählt, nun auch im Vorstand des neuen DOSB sitzen wird - ex officio, als Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) nämlich. Tröger muß sich am Samstag, im Gegensatz zu allen anderen Präsidiumsmitgliedern, nicht mehr zur Wahl stellen. Daß Tröger sich der "Kabinettsdisziplin" unterwerfen und Loyalität zu DOSB-Präsident Thomas Bach, ebenfalls IOC-Mitglied und durchaus ein Rivale, zeigen wird, steht für Richthofen fest.

          Daß der DOSB vor einem Berg von Aufgaben steht, sollte nicht so gewertet werden, daß DSB und NOK jahrelang ihre Arbeit vernachlässigt hätten, sagt Richthofen. Ob es um die Finanzierung gehe, um die Altlasten Stasi und Doping, um Gesetzesprojekte etwa zum Ehrenamt, niemals habe sich der Sport zurücklehnen und ein Projekt als vollendet ansehen können. EU-Regelungen oder die Föderalismusreform, die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum staatlichen Wettspielmonopol (an dem hohe Zuwendungen gerade für den Sport hängen), die Seniorisierung, also Überalterung der Gesellschaft oder die teilweise erst jetzt mögliche Auswertung von Stasi-Unterlagen, all dies stelle den Sport ständig vor neue Herausforderungen.

          Etikett „politischer Präsident“

          Die Doping-Prävention müsse der DOSB vorantreiben, mahnt Richthofen, die Nationale Anti-Doping-Agentur brauche viel mehr Geld, auch aus der Wirtschaft. Daß er Unternehmen der pharmazeutischen Industrie nicht als Förderer gewinnen konnte, stellt er bedauernd fest. Hart ist seine Haltung gegenüber stasibelasteten Personen. "Wir brauchen einen sauberen, fairen, demokratischen Sport. Das heißt unter anderem, daß belastete Trainer oder Funktionäre nicht für leitende Funktionen in Frage kommen." Dafür gebe es keine Verjährungsfrist, sagt Richthofen, der nach der deutschen Vereinigung 1990, damals noch als Vizepräsident, die erste Kommission zur Aufklärung der DDR-Verbrechen im Sport leitete. Spätestens seit damals kennt er auch die Dopingtäter aus dem Westen. Vom Prinzip "lückenlose Aufklärung" möchte er selbst heute nicht abrücken.

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