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Olympia 2024 : Der amerikanische Luxuskandidat Los Angeles

  • -Aktualisiert am

Bewährter Austragungsort: 1984 war LosAngeles bereits Olympiagastgeber Bild: AP

IOC-Präsident Bach kritisiert Boston und kündigt profitable Sommerspiele an. Zugleich entflammt in Los Angeles neues olympisches Feuer. Das schmälert die Aussichten Hamburgs für die Gastgeberrolle 2024.

          Gut, dass die Delegation der Bostoner Olympiabewerbung für die Sommerspiele 2024 Anfang der Woche auf ihren gepackten Koffern sitzen geblieben ist. Man stelle sich vor, die empfindlichen Damen und Herren wären noch abgeflogen, bevor das Aus kam. Doch rücksichtsvollerweise hat der Nationale Olympische Komitee der Vereinigten Staaten (USOC) der Boston-Bewerbung noch kurz vor der Abreise zur Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) nach Kuala Lumpur die Luft herausgelassen: So mussten die Leute nicht Spießruten laufen in Malaysia, wo IOC-Präsident Thomas Bach öffentlich über sie den Kopf schüttelte.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Am Mittwoch während der offiziellen Pressekonferenz bescheinigte er ihnen – ungewöhnlich deutlich – dass sie offenbar nicht fähig waren, zu ihren Zusagen zu stehen, mit denen sie zuvor drei andere amerikanische Städte aus dem Rennen gekegelt hatten, nämlich Los Angeles, San Francisco und Washington.

          Hörbarer Ärger

          „Boston“, sagte IOC-Präsident Thomas Bach, der in gewissen Momenten auf seine Tauberbischofsheimer Fechter-Art auch einmal ätzend werden kann, „hat die Versprechen, die es dem USOC gegeben hat, als es ausgewählt wurde, nicht eingehalten“. Und er nahm, obwohl als IOC-Präsident für den amerikanischen Auswahlprozess nicht zuständig, sogar noch deutlicher Stellung: „Deshalb können wir die Entscheidung des USOC verstehen.“ Von außen betrachtet sei das Bild verwirrend gewesen. „Da kam jeden Tag ein neues Projekt von Boston, mit neuen Leuten und neuen Ideen. Ich hatte es aufgegeben, dem im Detail zu folgen.“

          Man hörte ihm den Ärger deutlich an. Schließlich hat Bach im vergangenen Dezember im Rahmen seines Reformprogramms, der „Olympischen Agenda 2020“, den Olympiabewerbern eine deutliche Kostenersparnis in Aussicht gestellt und den Spielen selbst Hilfe dabei, einen nachhaltigeren, flexibleren und kostengünstigeren Rahmen zu finden. Und doch beharrten die Bostoner Steuerzahler, denen das Bewerbungskomitee privat finanzierte Spiele zugesagt hatte, auf ihren Befürchtungen, sie könnten unangenehm zur Kasse gebeten werden. Zu Recht oder Unrecht die Taschen zugehalten? Die Frage wird nun offen bleiben, im Intellektuellenzentrum packt man die Ringe wieder ein und befasst sich weiter mit den Baseballern von den Red Sox und den Eishockey-Cracks von den Bruins.

          Los Angeles steht bereit

          Doch eines sei klar, sagte Bach: Das USOC habe die Verpflichtung abgegeben, einen amerikanischen Kandidaten ins Rennen um die Sommerspiele 2024 zu schicken. „Und wir sind sicher, dass das USOC diese Zusage einhält und wir bis zum 15. September einen Bewerber aus den USA haben. Es ist das Recht des Nationalen Olympischen Komitees, die richtige Stadt auszuwählen.“

          Klare Worte: IOC-Präsident Thomas Bach kritisiert Boston

          Bis Ende August wollen sich die Amerikaner jetzt umsehen, allerdings hat sich Los Angeles, bereits 1932 und 1984 Olympia-Gastgeber, schon deutlich in Position gebracht. Bürgermeister Eric Garcetti jedenfalls reagierte prompt: „Ich glaube weiterhin, dass Los Angeles die ideale Olympia-Stadt ist“, ließ er verlauten. „Ich würde mich freuen, mit dem USOC zu erörtern, wie man die stärkste und fiskalisch verantwortungsvollste Bewerbung im Namen unserer Stadt und der Nation präsentieren könnte.“ Mit anderen Worten: „Yes, we can.“ Bach sieht das ähnlich. „Die Vereinigten Staaten sind eines der wenigen Länder auf der Welt, das über den Luxus einer großen Anzahl von Städten verfügt, die Olympische Spiele organisieren können.“ Wer auch immer es wird – er wird Gegner von Hamburg, Paris, Rom und Budapest, wahrscheinlich von Toronto und vielleicht von Baku werden.

          Lohnenswerte Spiele?

          Schon am Freitag will Bach Schwarz auf Weiß belegen, dass Olympische Spiele für einen Gastgeber kein Zuschussgeschäft sein müssen. Wenn die 128. Session in Kuala Lumpur die Winterspiele 2022 an Peking oder Almaty vergeben haben, wird erstmals der Ausrichtervertrag zwischen dem IOC und der siegreichen Stadt veröffentlicht. Darin wird der Gastgeber nicht nur auf die Einhaltung der Menschenrechte für die olympische Sphäre verpflichtet. Es wird auch ein Zuschuss zugesagt, der im Fall von 2022 mehr als 800 Millionen Dollar umfasst.

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          Das IOC kann es sich leisten: In Kuala Lumpur wurde bekannt gegeben, dass Präsident Bach in den vergangenen 15 Monaten 18 Verträge mit Sponsoren und Fernsehanstalten im Wert von 14 Milliarden Dollar unterschrieben hat. Mit Hilfe des IOC-Zuschusses, erklärte Bach, dazu dem großen Interesse am Sponsoren-Markt, könnten Olympische Spiele also profitabel werden. Sowohl Peking als auch Almaty sind mit Budgets unter 1,8 Millionen Dollar angetreten. Allerdings umfasst dies nur die direkten Olympia-Kosten. Infrastruktur-Maßnahmen, die eine Region für die Spiele fit machen, aber nicht direkt mit den Wettkämpfen zu tun haben, wie etwa Flughäfen oder Schnellzüge, zählen extra.

          Auch die Kostenexplosion des futuristischen Nationalstadions für die Sommerspiele 2020 in Tokio wären unter die Verantwortung der japanischen Regierung gefallen. In der vorvergangenen Woche aber zog Premierminister Shinzo Abe persönlich die Reißleine. Die Kalkulation für das Projekt des Architekturbüros Zara Hadid hatte sich aufgrund steigender Baukosten auf zwei Milliarden Dollar verdoppelt. Nun wird neu geplant, Organisationschef Yoshiro Mori fand das gut: „Ich habe den Entwurf noch nie gemocht“, sagte er und entschuldigte sich am Mittwoch beim IOC für die Abweichung vom ursprünglichen Bewerbungsplan.

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