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London 2012 : Ein Kriegsschiff für Olympia?

Aus der Luft überwacht: Das Olympiastadion in London Bild: dpa

In einem halben Jahr beginnen die Olympischen Spiele - die Londoner zeigen sich noch reserviert. Sicherheits- und Transportfragen dämpfen die Vorfreude.

          5 Min.

          Die ungeteilte Vorfreude der Londoner auf ihre dritten Olympischen Spiele (nach 1908 und 1948) hatte kaum 24 Stunden gedauert: Am 7. Juli des Jahres 2005, nur einen Tag nachdem das Internationale Olympische Komitee der Bewerbung Londons den Zuschlag gab, zündeten islamistische Terroristen Rucksackbomben in drei U-Bahn-Zügen und einem Doppeldeckerbus in der Londoner Innenstadt; 52 Passanten starben. Seither sind "Sorge" und "Sicherheit" feste Begleitwörter für das olympische Organisationskomitee in der britischen Hauptstadt geworden, das bis dahin nur "Sport" und "Spiele" im Munde führen wollte.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Doch die Sicherheitssorgen erklären nicht allein, warum am Anfang des olympischen Jahres - am Montag waren es noch 200 Tage bis zur Eröffnungsfeier am 27. Juli - am Austragungsort der Wettkämpfe weder Spannung noch Neugierde herrscht. Dass das britische Kabinett seine erste Sitzung des Jahres im olympischen Handballstadion abgehalten hat, war immerhin ein Zeichen. Premierminister David Cameron rief seine Minister auf, die Chancen zu nutzen, die sich dem Land böten. Dass London sich vor sieben Jahren mit seiner Bewerbung gegen ein beeindruckendes Feld konkurrierender Städte (Paris, New York, Moskau und Madrid) durchsetzte, war damals Anlass zu lokalpatriotischem Stolz, mittlerweile ist es aber vergessen.

          Olympischer Geist: Premier Cameron leitet eine Kabinettssitzung in der Handball-Halle

          Das Olympiagelände steht zwar vor seiner termingerechten Übergabe, einige Sportstätten, wie das Velodrom, sind sogar schon in Betrieb, aber die Öffentlichkeit hat das eher mit einem Seitenblick zur Kenntnis genommen. Vielleicht liegt es daran, dass der Olympiapark, der die meisten Austragungsorte (Stadion, Basketball-, Schwimm- und Radrennhallen sowie Medienzentrum und das Olympische Dorf) beherbergt, rund 12 Kilometer östlich des Stadtzentrums liegt - in einer Gegend, die bis vor sieben Jahren als toter Fleck auf dem Stadtplan markiert war und damals nur Schrotthändlern, Fischräuchereien und Müllhalden eine Heimat bot.

          Der U- und S-Bahnhof Stratford liegt im Südosten des neuen Olympiastadions, direkt hinter der spektakulären Schwimmhalle. Auf der Station, die zu einem der modernsten Londoner Verkehrsknotenpunkte umgebaut wurde, herrscht jetzt schon reger Betrieb - aber der gilt dem neuen Einkaufszentrum direkt nebenan, das noch vor den Sportstätten eröffnet wurde und das als eine der größten Einkaufspassagen im Vereinigten Königreich beworben wird. Auch im Londoner Zentrum wehen momentan statt der fünf olympischen Ringe noch andere Flaggen - vor allem die der Kaufhäuser, die auf ihren Winterschlussverkauf aufmerksam machen wollen.

          Warten auf das Verkehrschaos

          Die britischen Zeitungen vertreiben sich unterdessen die Wartezeit bis zu den sportlichen Wettkämpfen mit Meldungen und Berichten über allerlei Bemühungen, den Spielen auch wirtschaftliche Reize abzugewinnen: Die Busfahrergewerkschaft Unite hat die Londoner Nahverkehrsfirmen aufgefordert, für die Zeit der Spiele einen Bonus von umgerechnet 600 Euro je Fahrer zu zahlen, und im Weigerungsfall schon mit Streik gedroht: Schließlich brächten ihnen schätzungsweise 800.000 zusätzliche Fahrgäste ja beträchtliche außerordentliche Erlöse, da sei es nur billig, dass die Busfahrer auch einen Anteil bekämen.

          Der Zug fährt: Noch sechs Monate bis Olympia

          Die Souvenirhändler, die sich für beträchtliche Summen mit den teuren offiziellen Olympia-Artikeln eingedeckt haben, fürchten die Schäden, die billigere Plagiate für ihren Absatz verursachen können, und klären die Kundschaft vorsorglich auf: "Echt" seien nur solche Olympia-Jacken, -Taschen oder Feuerzeuge, die mit einem Hologramm und einer laufenden Seriennummer versehen seien.

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