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Leichtathletik-WM in der Wüste : Hauptsache, die Kasse klingelt!

Lukrative Sportgeschäfte: Doha will offenbar neue Weltsporthauptstadt werden Bild: dpa

Der Emir von Qatar spendiert 50 Millionen Dollar und schon verschachert der Leichtathletik-Weltverband seine WM nach Doha. Menschenrechtsfragen werden ebenso ignoriert wie die Diskussion über Käuflichkeit des Sports und das Wohl der Athleten.

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          Das Internationale Olympische Komitee signalisiert mit seinen Reformideen, dass es verstanden habe. „Wir wollen uns ändern“, lautet die Botschaft. Die Kernsportart der Olympischen Spiele, die Leichtathletik, ignoriert dagegen mit der Vergabe ihrer WM die öffentliche Meinung zu Weltpolitik und Menschenrechtsfragen ebenso wie die Diskussion über Käuflichkeit des Sports und Wohl der Athleten. Mit dem Zuschlag für Doha sagt der Weltverband IAAF: „Wir bleiben wir. Uns interessiert nur Geld.“

          Lamine Diack, der Präsident der IAAF, machte die Präsentation von Eugene (Oregon), Barcelona und Doha in Monte Carlo zur Farce, als er zwei Briefe des Emirs von Qatar aus dem Ärmel zog und dessen Versprechen weitergab, bei günstigem Ausgang einen Sponsorvertrag im Wert von fünfzig Millionen Dollar mit dem Verband zu schließen sowie allen bedürftigen Nationalverbänden eine moderne Laufbahn zu spendieren.

          Die Delegierten griffen zu und bestärkten ihre Tradition, Großereignisse zu verschachern. Noch beim Werben um die WM 2017 hatte London mit dem qatarischen Angebot gleichziehen müssen, sieben Millionen Dollar Preisgeld aus der eigenen Kasse zu zahlen, um gewählt zu werden. Die Vergabe der WM 2011 nach Daegu hatten der IAAF 25 Millionen Dollar und die der Titelkämpfe 2013 nach Moskau rund 50 Millionen Dollar gebracht. Samsung wurde Sponsor zugunsten Südkoreas, die Bank VTB engagierte sich zugunsten Russlands; in beiden Fällen galt es zusätzlich, IOC-Mitglied Diack für die Olympiabewerbungen von Pyeongchang und Sotschi zu gewinnen.

          Der Verband plündert seine Sportart aus

          All dies geschieht offen und ist nicht ungewöhnlich im Sport. Der Welt-Handballverband ließ sich, zum Beispiel, für die Vergabe der WM der Männer an Qatar gewinnen, indem der Fernsehsender Al-Dschazira – eine Gründung des Emirs mit Sitz in Doha – für die Fernsehrechte 110 Millionen Dollar berappte. Das war ein Aufschlag von fünfzig Millionen auf den Preis vier Jahre vorher. Ungeniert vergibt die Führung der IAAF ihre Veranstaltungen meistbietend.

          Es scheint sie nicht zu interessieren, dass Menschenrechtsorganisationen bessere Bedingungen für die Arbeiter fordern, die unter unwürdigen Bedingungen und Lebensgefahr auch die zwölf Fußballstadien bauen müssen. Zeitdruck und Gefahr dürften nicht geringer sein beim Umbau des Khalifa-Stadions in eine Leichtathletik-Arena; sie muss drei Jahre früher fertig sein. Ungerührt nehmen die IAAF-Granden in Kauf, dass ihre Athleten – trotz der Verschiebung der WM aus dem August in den Oktober – bei Durchschnittstemperaturen von 35 Grad Celsius starten sollen; schließlich können nicht alle Wettbewerbe, wie der Marathon, nachts stattfinden.

          Die Gesundheit der Athleten ist in Gefahr? Hauptsache, die Kasse klingelt. Unverantwortlich gehen die Funktionäre auch bei den Fernsehübertragungen auf Kollisionskurs mit den Fußball-Ligen Europas, die im Oktober längst ihre Sommerpause beendet haben und Publikum, Fernsehzeit und Sponsoren für sich beanspruchen. Der Leichtathletikverband erweckt den Eindruck, dass er die Sportart, die er international vertreten soll, in Wirklichkeit ausplündert. Das viele Geld, das er zusammenrafft, könnte ihn noch teuer zu stehen kommen.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

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