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Ein Starkes Signal : Sportfürst hinter Gittern

Über Jahre hinweg massive Korruption: Urteil gegen Lamine Diack Bild: EPA

Korruption, Geldwäsche und Dopingvertuschung: Mit 87 Jahren bekommt der frühere Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes, Lamine Diack, doch noch seine Strafe. Doch der angerichtete Schaden ist damit noch nicht behoben.

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          Den Greis Lamine Diack ins Gefängnis zu stecken ist ein starkes Stück. Es ist eben doch kein Kavaliersdelikt, wie es der 87 Jahre alte einstige Sportfürst aus Senegal im Gerichtsverfahren in Paris zu suggerieren versuchte, die Regeln des Sports mit Füßen zu treten und einen Verband auszuplündern.

          Diack war 16 Jahre lang, bis sein langjähriger Vizepräsident Sebastian Coe übernahm, Patron der Leichtathletik. Er verwöhnte seine Lieblinge mit Boni und Vergünstigungen, und den Schwachen – im Fall seines Sports überführten Dopern insbesondere aus Russland – presste er Geld ab. Seinem Sohn Papa Massata, der sich dem Prozess entzog, übertrug er freihändig die Vermarktung des Verbandes und erlaubte ihm damit, Werbe- und Fernsehgeld durch seine Kassen zu leiten.

          Zügellose Korruption

          Die Geldstrafe von 500.000 Euro, welche Diack zahlen muss, macht nur einen Bruchteil dessen aus, was Vater, Sohn und ihre Komplizen in ihren Besitz brachten. Über sein Treiben in der Leichtathletik hinaus, und dies wird Gegenstand eines weiteren Verfahrens sein, galt Diack als jemand, der bei der Vergabe von Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen gegen angemessene Bezahlung Stimmen beschaffen konnte. Keinem Kontrollgremium gegenüber musste er sich verantworten, niemand konnte ihn stoppen. Vermutlich ist es Zufall, dass Diack erst wenige Wochen nach seinem Rücktritt vor der Weltmeisterschaft von Peking 2015 am Verbandssitz Monaco verhaftet und für die Dauer der Ermittlungen unter Hausarrest gestellt wurde. Aber es wirkte, als könnte selbst die Justiz ihn erst zur Rechenschaft ziehen, als er seine Macht abgegeben hatte.

          Der Leichtathletikverband hat sich in der Folge eine profunde Kur an Geist und Struktur verordnet. Nicht nur sind Doping-Verfolgung und -Sanktionierung in ein unabhängiges Gremium ausgegliedert worden. Wer sich zur Wahl stellt, muss sich gegenüber einer Prüfkommission als integer erweisen.

          Der russische Doping-Skandal ist noch lange nicht ausgestanden. Am deutlichsten wird der Neuanfang der Leichtathletik beim Namen. Nicht mehr IAAF, wie seit der Gründung vor 108 Jahren, nennt sich ihre Organisation, sondern World Athletics. Sie hat, und dieser Schaden ist größer als der durch all das gestohlene Geld, einen anhaltenden Ansehensverlust erlitten.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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