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Leichtathletik und Doping : Jetzt sind Bach und Coe gefragt

  • -Aktualisiert am

Kann sich nicht mehr verstecken: Sebastian Coe Bild: AFP

Die Wada fordert den Ausschluss des russischen Leichtathletik-Verbandes. IAAF-Präsident Coe muss die Empfehlungen umzusetzen. Eine andere Wahl hat er kaum

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          Das hat es noch nie gegeben: Dass eine Ermittlungskommission der Welt-Antidoping-Agentur (Wada) den Ausschluss eines ganzen Verbandes fordert. Wenn es nach der Empfehlung der Wada vom Montag ginge, würde Russland aufgrund schwerer Verfehlungen seine Mitgliedschaft im internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF) verlieren, das Kontrolllabor in Moskau müsste dicht gemacht, dessen Direktor abgelöst, der russische Leichtathletik-Verband von Grund auf erneuert werden - genau wie die russische Anti-Doping-Agentur (Rusada). Dagegen nimmt sich die lebenslange Sperre von fünf Athleten sowie fünf Trainern auf Lebenszeit noch harmlos aus. Und im Grunde wirft die Kommission den Russen sogar Staatsdoping vor, mit dem russischen Sportminister Witali Mutko als Chef-Manipulateur an der Spitze.

          Das hat schon eine gewaltige Dimension. Aber Forderungen stellen, so berechtigt sie auch sind, ist das eine. Sie umzusetzen, ganz andere. Zumal die Wada keinerlei Autorität besitzt, um ihre Empfehlungen auch umzusetzen. Und die Wada hat zumindest in einem Fall keine rühmliche Rolle gespielt. Wenn die beiden russischen Whistleblower, Top-Läuferin Julia Stepanowa und Witali Stepanov, Mitarbeiter der russischen Anti-Doping-Agentur,, den Umweg über das deutsche Fernsehen - „Geheimsache Doping: Wie Russland seine Sieger macht“ - gehen müssen, weil sie offenbar auf kein großes aufklärerisches Interesse beim Wada-Präsidenten und Mutkin-Freund Craig Reedie stießen, dann zeigt es, dass auch in dieser Organisation nicht alles zum Besten steht.

          Coe muss die Empfehlungen umsetzen

          Gefragt aber sind jetzt der Internationale Leichtathletikverband und das Internationale Olympische Komitee (IOC) und damit neben IOC-Präsident Thomas Bach einer, der sich bislang in der Öffentlichkeit in dieser Angelegenheit merkwürdig zurück gehalten hat: Sebastian Coe, der neue Präsident, angetreten, den Verband aus der Lähmung zu befreien. Der Brite steht vor der schweren Aufgabe, die Empfehlungen der Wada-Kommission umzusetzen. Eine andere Wahl hat er kaum, will die olympische Kernsportart Leichtathletik, die in der öffentlichen Wahrnehmung an den Rand gedrängt ist, nicht den letzten Rest an Glaubwürdigkeit verlieren. Die Frage ist nur, wie und mit wem er das bewerkstelligen will.

          Denn abseits der russischen Manipulationsaffäre steht der spannendere Teil des Wada-Reports noch aus. Der Verdacht, dass sich IAAF-Präsident Lamine Diack persönlich in einer Art Ablasshandel an den Dopingsünden seiner Athleten bereichert haben soll, wäre, sofern er sich bewahrheitet, noch erschütternder. Ohne Duldung oder gar Hilfe höchster IAAF-Kreise wäre die russische Manipulation wohl kaum möglich gewesen. Russland dürfte nur ein Teil des Problems sein.

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