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Laschet prescht vor : Sport mit Körperkontakt ab 30. Mai

Armin Laschet vor drei Jahren im Trikot und Stadion von Alemannia Aachen Bild: Frank Röth

Bereits im Frühsommer will Nordrhein-Westfalen den Wettkampf im Breitensport wieder aufnehmen – unter strengen Auflagen. Dass das Risiko einer Infektion bei Leibesübungen eventuell höher ist, ist für die Staatssekretärin Sport „Kaffeesatzleserei“.

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          Während zahlreiche Vereinsverantwortliche und Sportfunktionäre in nahezu allen anderen Teilen Deutschlands befürchten, noch monatelang auf Sportwettkämpfe verzichten zu müssen und Mitglieder zu verlieren, plant Nordrhein-Westfalen noch im Frühsommer die Wiederaufnahme des Wettkampfsports in sämtlichen Amateurligen auf Landesebene. Der sogenannte „Nordrhein-Westfalen-Plan“ des Kabinetts von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sieht eine weitgehende Freigabe jeglicher sportlicher Aktivität im Freizeit- und Breitensport ab Ende Mai vor.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          In dem am Mittwochabend vorgestellten Papier heißt es unter anderem: „Ab 11. Mai ist die Öffnung von Fitnessstudios, Tanzschulen und Sporthallen/Kursräumen der Sportvereine unter strengen Abstands- und Hygieneauflagen wieder möglich. Freibäder dürfen ab 20. Mai unter strengen Auflagen von Abstand und Hygiene öffnen – ausgenommen sind reine Spaßbäder. Ab 30. Mai soll die Ausübung von Sportarten auch mit unvermeidbarem Körperkontakt und in geschlossenen Räumen wieder gestattet werden, ebenso der Betrieb in Hallenbädern. Sportliche Wettbewerbe im Kinder-, Jugend- und Amateurbereich sind dann ebenfalls zulässig – die Nutzung von Umkleide- und Sanitäranlagen ist unter Auflagen gestattet.“

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          Am Donnerstagnachmittag präzisierte die in der Düsseldorfer Staatskanzlei für den Sport zuständige Staatssekretärin Andrea Milz diese weitestgehenden Pläne für die Lockerung von Corona-Pandemie-Beschränkungen, die bislang von einer Landesregierung mit Blick auf den Sport vorgestellt wurden. Sie sagte, das Datum Ende Mai sei eine „Zielgröße“ für die Wiederaufnahme von Kontaktsportarten: „Es sollen sich bitte nicht alle auf den 30. Mai stürzen. Ich kann mich vorbereiten, aber ich kann nicht sagen, dass es definitiv der 30. Mai ist.“ Alles Weitere sei von neueren Infektionszahlen abhängig. „Das ein oder andere“, sagte die Staatssekretärin, „wird vielleicht auch deutlich länger dauern.“ Die Landesregierung definiere als Amateursport alle Ligen unterhalb der ersten Bundesliga, mit Ausnahme des Fußballs, in dem auch die zweite Liga zum Profibereich gezählt werde.

          Klebepunkte in Kursräumen, Abstände von Fitnessgeräten

          Grundsätzlich stehe jede Lockerung, auch die Öffnung von Fitness- und Tanzstudios, bereits in der kommenden Woche, unter der Voraussetzung der Maßgaben der Corona-Schutzverordnung. Den Sport betreffende Ausführungsbestimmungen würden derzeit unter Hochdruck ausgearbeitet und sollten noch an diesem Freitag öffentlich gemacht werden. Dabei gehe es um Fragen, wie „Abstände an Geräten in Fitnessstudios“ eingehalten werden können und wie „Klebepunkte in Kursräumen angebracht“ werden. „Das steht alles in den Ausführungsbestimmungen. Vielleicht müssen Kleingeräte wie Matten von zu Hause mitgebracht werden“, sagte Andrea Milz. „Vielleicht dürfen im Tanzstudio weniger Paare auf die Fläche, als das vor Corona erlaubt war. Ich glaube, dafür hat jeder Verständnis.“

          Zunächst stehe die Wiederaufnahme des Gesundheits- und Rehabilitationssports im Blickpunkt, in diesem Bereich warteten viele Menschen darauf, „dass das weitergehen kann“. Wie groß die Unterschiede demnächst sein werden, zeigt der Umgang mit den Schwimmbädern: Während in Nordrhein-Westfalen Freibäder in wenigen Tagen und Hallenbäder Ende des Monats öffnen sollen, heißt es etwa in Baden-Württemberg, Bäder sollten auf absehbare Zeit nur für Schwimmunterricht und -kurse geöffnet werden. In Düsseldorf berief sich die Staatssekretärin explizit auf die Vorarbeit des Deutschen Olympischen Sportbundes, der seine Fachverbände aufgefordert hatte, Konzepte zu entwickeln, wie „Vereinsmitglieder in Bewegung gebracht werden können“. Diesen solle nun die Möglichkeit zur Umsetzung eingeräumt werden. Die Landesregierung habe „ganz bewusst keine Lex für irgendeine Sportart“ schreiben wollen, sagte Andrea Milz.

          Welche Konsequenzen eine mögliche Neuinfektion beim Sport haben wird, erscheint derzeit noch nicht klar. Grundsätzlich gelten die Quarantäne-Bestimmungen weiter, sagte die Staatssekretärin. Zuletzt hatte der Sportmediziner Professor Wilhelm Bloch von der Deutschen Sporthochschule in Köln darauf hingewiesen, dass beim Sport eine erhöhte Gefahr bestehe, eine hohe Dosis des Virus in die Lunge einzuatmen, was einen erschwerten Infektionsverlauf nach sich ziehen könnte.

          Zu den gesundheitlichen Gefahren sagte Andrea Milz, sollten sich „die Zahlen da verschlechtern, wo Sport getrieben wurde, würde man überprüfen müssen, ob man Dinge anders betrachten muss“. Es sei „Kaffeesatzleserei“, ob beim Sport das Risiko höher oder geringer sei. „Durch Sport gewinne ich Teilhabe“, sagte sie und fragte, ob es verhältnismäßig sei, die Ausübung einzuschränken, wenn es „keine Beweise“ für ein erhöhtes Risiko gebe. Bei allen Freigabebestrebungen, die das Düsseldorfer Kabinett derzeit vorantreibt, bleibt das Zuschauen bei Sportveranstaltungen allerdings auf absehbare Zeit untersagt. Das Thema „müssen wir nach hinten stellen“, sagte Andrea Milz.

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