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Langlauf : CAS bestätigt Schutzsperre: Evi Sachenbacher darf nicht starten

  • -Aktualisiert am

Unter Tränen: Evi Sachenbacher-Stehle Bild: dpa/dpaweb

Olympiasiegerin Evi Sachenbacher-Stehle darf beim 15-Kilometer-Jagdrennen endgültig nicht an den Start gehen. Die Ad-hoc-Kammer des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS) bestätigte die gegen die 25jährige Langläuferin verhängte Schutzsperre.

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          Kein Happy-End für Evi Sachenbacher-Stehle. Die Langläuferin darf an diesem Sonntag nicht beim olympischen Jagdrennen über 15 Kilometer im piemontesischen Wintersport-Örtchen Pragelato an den Start gehen. Das Schnellgericht des Internationalen Sportgerichtshofes (CAS) bestätigte am Samstag die sogenannte Schutzsperre des Internationalen Ski-Verbandes (FIS) für die 25 Jahre alte Staffel-Olympiasiegerin von Salt Lake City 2002.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Das Startverbot für fünf Tage (laut FIS-Protokoll bis zum 13. März) war am Freitag ausgesprochen worden, weil bei einer Blutprobe vom Donnerstag ein Hämoglobinwert von 16,3 Gramm pro Deziliter Blut festgestellt worden war. Ab 16,0 Gramm müssen Läuferinnen laut FIS-Regeln von Wettkämpfen bis zur nächsten Kontrolle ausgeschlossen werden. Bis zum Samstagnachmittag sind in zwölf Fällen vorübergehende Startverbote wegen eines zu hohen Hämoglobinwertes ausgesprochen worden.

          Sie muß viel trinken

          Bengt Saltin, der angesehene Vorsitzende der Medizinischen Kommission in der FIS, begründet den zeitlich begrenzten Ausschluß mit den Gefahren für Leib und Leben der Athleten. Ein erhöhter Hämoglobin-Wert ist zumindest ein Indiz für eine Verdickung des Blutes, die unter Umständen zu lebensgefährlichen Thrombosen führt. Gleichzeitig kann die Überschreitung des Grenzwertes laut des gestrengen Anti-Doping-Kämpfers Saltin auch ein Indiz für Blutdoping sein. Am Freitag ließ das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Athletin zur Doping-Kontrolle antreten. Das Ergebnis soll zu Beginn der nächsten Woche vorliegen.

          DSV-Generalsekretär Thomas Pfüller vermutet, daß die Studentin nochmals einer Blutkontrolle unterzogen wird. Da die Ärzte eine künstliche Reduzierung des Hämoglobinwertes ablehnen, hat die Sportsoldatin nur eine Chance: Sie muß viel trinken.

          „Sehen nicht, daß sie eine Ausnahmegenehmigung braucht“

          Der Deutsche Ski-Verband (DSV) hatte gegen die Schutzsperre vor dem CAS geklagt, weil er Evi Sachenbacher-Stehle für ein Opfer einer angeblich nicht durchdachten Doping-Fahndung unter dem „Deckmäntelchen der Gesundheitsfürsorge“ hält. Der DSV-Arzt Dr. Ernst Jakob erklärte zudem, der überhöhte Wert der bislang stets so fröhlichen Deutschen sei genetisch bedingt, also in der Höhe, wo der Körper mit der Bildung von roten Blutkörperchen auf den geringeren Sauerstoffpartialdruck reagiert, auf natürlichem Weg entstanden. Einen entsprechenden Antrag vom August 2005 für eine Sondergenehmigung für Evi Sachenbacher-Stehle hatte Saltin abgelehnt.

          Vor dem CAS klagte Jakob nun, daß die FIS auf ein Gutachten der Universität Tübingen zu Gunsten von Evi Sachenbacher nicht wie üblich mit einem Gegengutachten reagiert habe, sondern die Ausführungen ignoriert habe. „Dabei steht im letzten Absatz, daß es unbedenklich ist, mit einem Hämoglobinwert über 16,0 in den Wettkampf zu gehen“, sagte Pfüller. „Es geht hier nicht um Doping, es geht hier um eine Schutzsperre.“

          Saltin ist zu Zugeständnissen nur bereit, wenn die Hämoglobin-Werte konstant hoch sind und nicht schwanken. Eine Blutkontrolle beim Weltcup in Davos hatte bei Evi Sachenbacher-Stehle laut Saltin einen normalen Wert ergeben. „Wir sehen nicht, daß sie eine Ausnahmegenehmigung braucht.“

          Rückendeckung für seine Vorgehen erhielt Saltin von IOC-Präsident Jacques Rogge: „Wir unterstützen das Vorgehen der FIS, weil wir glauben, daß die Gesundheit der Athleten geschützt werden muß“, sagte der Belgier mit Blick auf den Spruch der CAS-Kammer. Die Entscheidung fällten drei Richter am Samstag nach einer viereinhalbstündigen Verhandlung in einem Turiner Hotel. Der DSV nahm sie murrend zur Kenntnis. Pfüller kündigte aber ein Nachspiel an: „Das Thema muß nach den Winterspielen noch einmal analysiert werden.“

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