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Einstiger „Sonnenkönig“ Diack : Gier, Anmaßung und Skrupellosigkeit

Ihn erwartet wohl eine Anzeige: Lamine Diack, hier in Berlin 2009 Bild: AFP

Vier Jahre dauern die Ermittlungen, nun wird wohl endlich Anklage erhoben gegen Lamine Diack. Die Vorwürfe gegen den ehemaligen Leichtathletik-Funktionär sind erschütternd.

          Nach vier Jahren Ermittlung soll endlich Anklage erhoben werden gegen den einstigen Sonnenkönig der Leichtathletik. 2015 trat Lamine Diack nach sechzehn Jahren an der Spitze des Verbandes IAAF ab. Sein Nachfolger Sebastian Coe lobte noch, er habe Grundlagen und Werte für die Zukunft der Leichtathletik hinterlassen, da wurde der Greis bei einer Razzia am Verbandssitz Monte-Carlo verhaftet. Seitdem darf er Frankreich nicht verlassen.

          85 Jahre alt ist Diack, da vertrödelt man besser keine Zeit. Vielen Spuren allerdings mussten die Ermittler nachgehen, bevor die Anklage stand, weil Diack auch im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) sein Unwesen trieb. Aktive und passive Korruption sowie bandenmäßige Geldwäsche lauten die Vorwürfe gegen den einstigen Bürgermeister von Dakar, der sogar Präsident seines Heimatlandes Senegal werden wollte.

          Skrupellos abgesahnt

          Der Prozess wird, wenn in wenigen Monaten Anklage erhoben wird, zu einem Bilderbogen von Gier, Anmaßung und Skrupellosigkeit werden. Vater Lamine und sein Sohn Papa Massata Diack erpressten gedopte Athleten, insbesondere aus Russland. Der Senior bestallte seinen Junior als Vermarkter des Verbandes, was diesem üppige Provisionen auf Werbe- und Fernsehverträge verschaffte. Bei mindestens fünf Geschäften soll Papa Massata die Zahlung von Sponsoren und Sendern vollständig vereinnahmt haben.

          Nicht genug damit, dass die Diacks, über den verschwenderischen Führungs- und Lebensstil des Seniors hinaus, mindestens 25 Millionen Dollar unterschlagen haben sollen. Noch dazu dürften sie Millionen kassiert haben für angeblich zwei Dutzend Stimmen, die sie bei der Vergabe von Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften meistbietend verkauften. Carlos Nuzman und Tsunekazu Takeda, die Präsidenten der Bewerbungskomitees der Olympiastädte Rio 2016 und Tokio 2020, sind darüber gestürzt.

          Wie der Vater, so der Sohn? Papa Massata Diack, hier in Dakar 2017

          Der einstige Sprinter Frankie Fredericks gab sein Amt als Kommissionsvorsitzender im IOC auf, weil eine Überweisung von knapp 300.000 Dollar von Pamodzi, der Agentur Papa Massata Diacks, just am Tag der Entscheidung für Tokio 2020, ihn schwer belastet. 2,5 Millionen Dollar überwies Qatar für den Zuschlag der Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2017 – welche allerdings in London stattfand. 37 Milliönchen legte der Emir drauf und voilà, die Leichtathleten dürfen im Oktober am Golf um Titel kämpfen.

          Keinerlei Unterstützung durch die Autoritäten Senegals beklagte im vergangenen Jahr der Ermittlungsrichter in Paris. IOC-Präsident Thomas Bach rief im Dezember das Land auf, die Ermittlungen zu unterstützen, als das IOC die Olympischen Jugendspiele 2022 nach Dakar vergeben hatte. Wenige Tage bevor nun bekanntwurde, dass die Ermittlungen abgeschlossen sind, empfing der Präsident Senegals, Macky Sall, in der Botschaft seines Landes in Paris Diack senior. Über den Inhalt des angeblich langen Gesprächs verlautet: nichts. Kaum vorstellbar, dass es allein der Ehrbezeugung und der Aufmunterung diente.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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