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College-Basketball : Verdeckte Zahlungen

  • -Aktualisiert am

Brian Bowen am Ball: er gehört zu den gefragtesten Talenten eines basketballverrückten Landes Bild: AFP

Im amerikanischen College-Sport gelten strenge Amateur-Regeln. Doch eine Kultur der Korruption gehört zum Alltag. Die Beschuldigten betrachten ihre Handlungsweise nicht als gesetzwidrig.

          Bereits als junger Basketballspieler hat Brian Bowen erlebt, was es bedeutet, zu den gefragtesten Talenten eines basketballverrückten Landes zu gehören. Die erste Dosis Wohlwollen fliegt einem bereits entgegen, sobald man mit der Schulmannschaft gewinnt. Denn es gibt Ranglisten wie die „Super 25“, die dafür sorgen, dass der Name ins Gespräch kommt. Die Public-Relations-Maschine hat hauptsächlich eine Funktion: Sie sorgt dafür, dass ambitionierte Scouts und Trainer aus dem College-Sport schon früh auf die vielversprechenden Nachwuchsspieler aufmerksam werden.

          Für Bowen bedeutete das im Frühjahr 2017: Er erhielt zahlreiche Offerten, als er sich auf seinen nächsten Karriereschritt vorbereitete, der ihn in ein paar Jahren ans Ziel aller Wünsche führen soll – in die Basketball-Profiliga NBA. Schließlich entschied sich der achtzehnjährige Zwei-Meter-Mann für die Universität Louisville im Bundesstaat Kentucky und damit für Rick Pitino, einen der prominentesten Trainer in den Vereinigten Staaten.

          Als Staatsanwälte in New York im vergangenen Herbst bekanntgaben, dass sie zehn Verdächtige festgenommen und gegen sie Anklagen wegen Bestechung und Geldwäsche erhoben hatten, wurde klar, welches die Gründe für die Entscheidung gewesen sein dürften: das Versprechen, dass der Sportausrüster, der der Universität jedes Jahr im Rahmen eines Sponsorenvertrags mehr als sechs Millionen zahlt, nebenbei Bowens Familie 100.000 Dollar zustecken werde. Eine Apanage, die gegen die strengen Amateurregeln des College-Sports verstößt. Wie solche Absprachen heimlich umgesetzt werden, berichtete Bowens Vater dieser Tage in dem soeben angelaufenen Prozess: Man kommunizierte verdeckt mit SMS-Nachrichten und traf sich an abgelegenen Tankstellen, um Geldbeträge zu übergeben.

          Eine Kultur der Korruption gehört schon länger zum Alltag in diesem Milieu, das aufgrund der ungebrochenen Popularität des Spiels auf College-Niveau landesweit pro Jahr mehr als eine Milliarde Dollar durch Fernsehlizenzen erwirtschaftet. Auch in Louisville, das 2001 Pitino verpflichtete, einen alerten Coach mit Vorliebe für Nadelstreifenanzüge und Verfasser von Motivationsliteratur – sein Buch „Success is a Choice“ erreichte Bestseller-Auflagen. Mit ihm kann sich Louisville gegen die Konkurrenz behaupten. Man gewann 2013 sogar die amerikanische Meisterschaft.

          Rick Pitino: Vorliebe für Nadelstreifenanzüge und Verfasser von Motivationsliteratur

          Während die Spieler – zumindest offiziell – nur mit einem Stipendium im Wert von 50.000 Dollar bedacht wurden, beliefen sich die Bezüge des Cheftrainers auf 7 Millionen Dollar pro Saison. Sein Vize kam auf knapp eine halbe Million. Pitino, obwohl strafrechtlich nicht verwickelt, wurde gleich nach der Bekanntgabe der Anklageschriften entlassen. Der Fall war schließlich nicht die erste peinliche Enthüllung zweifelhafter Praktiken aus seiner Abteilung gewesen. Der letzte Eklat lag nur wenige Jahre zurück. Da hatte eine ehemalige Prostituierte enthüllt, dass sie dafür angeheuert worden war, hochbegabten Aspiranten bei ihren Abstechern nach Louisville den Aufenthalt angenehm zu gestalten.

          Anders als im seit 2015 laufenden Verfahren gegen mehr als 40 Fußball-Funktionäre und Fernsehrechtehändler aus Nord- und Südamerika, in dem die meisten Angeklagten Geständnisse ablegten, stieß die Staatsanwaltschaft in diesem Korruptionskomplex auf wenig Kooperationsbereitschaft. Das liegt am Kalkül der Beschuldigten, bei denen es sich um Trainer, einen Agenten, einen Finanzberater und zwei ehemalige Repräsentanten der Firma Adidas handelt. Sie betrachten ihre Handlungsweise nicht als gesetzwidrig. Das wiederholte die Verteidigerin von Jim Gatto, einst Chef der weltweiten Basketballvermarktung der Herzogenauracher Firma, bei Verhandlungsbeginn vor einer Woche. Gewiss, Regeln der National Collegiate Athletic Association (NCAA), die den Spielbetrieb überwacht, „wurden gebrochen“, gab Casey Donnelly gegenüber den Geschworenen zu. „Wir werden nicht ihre Zeit damit verschwenden und so tun, als ob diese Familien kein Geld erhalten haben.“ Aber zu Schaden gekommen sei niemand. Zumal an die Zuwendung keine besondere Kondition geknüpft gewesen sei.

          Nicht mal die, dass Spieler bei einem Wechsel zu den Profis einen Vertrag mit Adidas unterschreiben würden. Zudem sei die Apanage für Bowen erst offeriert worden, nachdem Nike ihm gegenüber einen „astronomischen Betrag“ ins Gespräch gebracht hatte. Ziel: den Basketballer nach Oregon zu locken, dessen Universität von der Adidas-Konkurrenz intensiv gefördert wird.

          Die Staatsanwaltschaft sieht den Fall komplett anders: Für die Transaktionen seien unter anderem Rechnungen gefälscht worden, damit sie in der Adidas-Buchhaltung mitlaufen könnten. „So sieht Korruption im College-Basketball aus“, meinte einer der Anklagevertreter bei der Eröffnung des Prozesses. Auch wenn die Akteure in diesem Bereich ein derartiges Verhalten harmlos fänden, sei es trotzdem strafbar. Was einer der Beschuldigten, ein Finanzberater, der sich als Makler zwischen Adidas und Basketballspielern und ihren Familien betätigte, im August offensichtlich ebenfalls so sah. Er bekannte sich schuldig und wartet nun auf seine Strafe.

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