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Kritik zur Causa Bakery Jatta : Am Kern der Sache vorbei

  • -Aktualisiert am

Bleibt Gesprächsthema: HSV-Profi Bakery Jatta Bild: dpa

Eine Moderatorin stellt eine kritische Frage, Thomas Bach, Alfons Hörmann und Wolfgang Schäuble antworten: Doch was die Größen aus Sport und Politik zu sagen haben, ist auch nicht ganz pfiffig.

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          Eine kritische Frage platzte in die Selbstzufriedenheit des Abends. Thomas Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, war zu Gast, Wolfgang Schäuble, der Bundestagspräsident, gab sich die Ehre, mehr als vierhundert Gäste sollten beim Parlamentarischen Abend des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) in Berlin feiern, dass Staat und Sport seit dreißig Jahren gemeinsam ein Programm für Integration durch Sport umsetzen, welches 1989 zunächst für Spätaussiedler aus der Sowjetunion gedacht war und seit vier Jahren neue Aktualität erlangt hat. Elfeinhalb Millionen Euro kommen dafür vom Bund. Statt freundlich Stichworte zu liefern, störte die Fernsehmoderatorin Katrin Müller-Hohenstein die inszenierte Harmonie mit dem Hinweis auf einen, wie sie sagte, „gelungenen“ Fall von Integration, der total in die Hose gegangen sei: Bakery Jatta.

          Der Fußballprofi vom Hamburger SV sah sich dem Verdacht ausgesetzt, mit falschem Namen und Geburtsdatum seine Chance auf eine Aufenthaltserlaubnis in Deutschland verbessert zu haben; zwei Trainer wollten ihn unter anderem Namen kennengelernt haben. Seit eine Geburtsurkunde aus seinem Heimatland Gambia vorliegt, sind Ermittlungen der Behörden eingestellt, Proteste dreier Zweitliga-Klubs gegen die Wertung ihrer Niederlagen gegen den HSV zurückgezogen, und Jatta gilt als Kandidat für die U-21-Nationalmannschaft. Der Flüchtling könnte in der deutschen Olympia-Auswahl für Tokio 2020 stehen.

          „Was geht davon für ein Signal aus?“

          „Dann kommt eine Boulevardzeitung und zweifelt an seiner Identität, ohne die Zweifel entsprechend zu belegen“, beschrieb die Fernsehmoderatorin, was Jatta zur Causa machte. Das schlimmsten Gefühl seines Lebens habe der junge Mann erlebt, als ihn Zuschauer während des gesamten Spiels in Karlsruhe auspfiffen und beschimpften. „Was geht davon für ein Signal aus?“, fragte die Moderatorin in die erstaunte Runde.

          Alfons Hörmann, Präsident des DOSB und Gastgeber, schwadronierte von Unterstellungen und von Fairplay, bevor er zu der Haltung fand, man könne erst urteilen, wenn man Bescheid wisse. Thomas Bach riet, nach eigener Aussage ohne Kenntnis des Falls, aber womöglich wund von Berichterstattung in eigener Sache, dass besser auf einer Medientagung diskutiert werde, was schiefgelaufen sei und was die Ursache für solche Berichterstattung ohne Hintergrund sei, die wiederum Reaktionen ausgelöst habe. „Vielleicht fängt man mal an der Wurzel an“, lautete seine reflexhafte Medienkritik. „Dann kann man weiterdiskutieren.“

          Wolfgang Schäuble, Jurist, Wirtschaftswissenschaftler und Kenner des Sports, verwies darauf, dass im Fußball-Geschäft Klubs ihre Interessen aus rechtlichen Gründen wahren müssten; kein Vorstand wolle in den Verdacht der Untreue geraten. Er kritisierte die Moderatorin direkt. Das Beispiel Jatta sei im Kontext von Hobby- und Vereinssport schief, hielt er ihr vor: „Die Frage war nicht ganz pfiffig.“ Da mag er recht haben. Für ein, zwei Antworten gilt der Befund ebenso.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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