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Leichtathletik-Kommentar : Weder Doha noch Eugene

IAAF-Präsident Sebastian Coe hat einen 18-Stunden-Tag – Reformen gibt es dennoch nicht. Bild: AP

Will Leichtathletik-Präsident Coe Vertrauen zurückgewinnen, muss er die skandalöse Vergabe der WM an den Emir von Qatar und an Nike stornieren. Das könnte der dringend benötigte Neubeginn sein.

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          Die 37 Millionen Dollar des Emirs waren nicht genug. Um den Zuschlag für die Weltmeisterschaften der Leichtathleten 2019 in Doha wirklich zu bekommen, sicherte sich Qatar gegen Lieferung von zwei Luxusautos die Stimme von Isaiah Kiplagat, dem Präsidenten des kenianischen Leichtathletik-Verbandes.

          Die Gabe aus dem Morgenland taucht nun in der Mitteilung der Ethikkommission des Welt-Leichtathletikverbandes (IAAF) auf, die von der vorläufigen Suspendierung der kenianischen Verbandsspitze in Person von Kiplagat, seinem Vize und heutigem Council-Mitglied David Okeyo sowie dem früheren Schatzmeister Joseph Kinyua handelt. Gemeinsam sollen die drei die Doping-Kontrollen solcher Athleten hintertrieben haben, die sie an ihren Start- und Preisgeldern teilhaben ließen. Obendrein sollen sie ihren Verband um mindestens 700.000 Dollar Sponsorgeld erleichtert haben. Die kenianische Polizei ermittelt.

          Doch auch der Verband ist gefordert. Es reicht nicht, dass Okeyo lediglich bei der jüngsten Council-Sitzung fehlte. Die Range Rovers auf dem Hof von Kiplagat legen schlagend nahe, dass die Vergabe der WM 2019 vor vierzehn Monaten mit 15:12 Stimmen für Doha das Ergebnis von Korruption ist. Hat Qatar auch andere Mitglieder des Gremiums gekauft?

          Alles deutet zudem darauf hin, dass auch bei der freihändigen Vergabe der folgenden, der WM 2021 nur sechs Monate später Bestechung eine Rolle spielte. Ein Gesandter des Bewerbungskomitees von Eugene, dem Gründungsort des Sportartikelherstellers Nike, flog nach Europa, um Lamine Diack, den damaligen Präsidenten der IAAF, persönlich zu treffen.

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          Im Handumdrehen und – für Ahnungslose – wie aus heiterem Himmel hob dieser die WM-Vergabe auf die Tagesordnung seines Councils und setzte die Stadt durch. Man braucht nicht viel Phantasie, um sich vorstellen, welche Art von Argumenten Diack überzeugte, den Ehrenpräsidenten der IAAF. Er hat ebenso wie Kiplagat Athleten für üppiges Handgeld vor Kontrollen und Sperren bewahrt. Er ist wegen des Vorwurfs von Korruption und Geldwäsche nur auf Kaution noch frei.

          Sein Nachfolger Sebastian Coe sollte dies zum Anlass nehmen, endlich den Schritt vom Aufsteiger zum Anführer zu tun, endlich Reformen nicht mehr nur anzukündigen, sondern wirklich aufzuräumen. Will er das Vertrauen in seine Sportart und seinen Verband zurückgewinnen, wie er es versprochen hat, muss Coe, statt weiter über seinen 18-Stunden-Tag zu lamentieren und ansonsten zu lavieren, die skandalöse Vergabe der Weltmeisterschaften an den Emir von Qatar und an Nike stornieren. Die Vergabe der Titelkämpfe in einem offenen, transparenten Verfahren könnte der dringend benötigte Neubeginn sein.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

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