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Umgang des DOSB mit Missbrauch : „Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht“

Vor allem Kinder sind für den Missbrauch im Sport gefährdet (Symbolbild) Bild: dpa

Eine Anhörung im Bundestag legt die Mängel des Deutschen Olympischen Sportbundes bei der Missbrauchsprävention radikal offen. Es fehlt an Expertise von außen, an Beratungsstellen.

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          Ein schlechtes Zeugnis haben am Mittwoch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Deutsche Sportjugend im Sportausschuss des Deutschen Bundestages bekommen. „Ganz tolle Ansätze“ gebe es bei deren Konzepten zum Schutz vor Gewalt und Missbrauch, jedoch: „Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht.“

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Katrin Schwedes, Leiterin der Bundeskoordinierung Spezialisierter Fachberatung gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend (BKSF), schrieb dem organisierten Sport ihre Kritik in praktisch allen Fächern ins Stammbuch: „Das gilt vor allem für die Intervention, gilt aber auch bei der Prävention und bei der Schutzkonzeptentwicklung.“ Zum Beleg führte sie das Beispiel eines Vereins an, dessen Führung sich anhand von Leitfäden mit der Frage auseinandersetzte, ob die sexuelle Beziehung zwischen einem erwachsenen Trainer und einer minderjährigen Sportlerin in Ordnung sei oder nicht und dazu Argumente bedachte wie „Sie war doch so verliebt in ihn“ und „Sie sind doch immer noch zusammen“.

          Dies sei das klassische Fallbeispiel für den Bedarf von Expertise von außen, urteilte Schwedes. Den 360 Fachberatungsstellen stünden rund 90.000 Sportvereine gegenüber, die Unterstützung brauchten: „Das geht nicht auf.“ Sie mahnte, dass man das Thema sexualisierte Gewalt nicht allein mit gesundem Menschenverstand und gutem Willen erschließen könne; es gelte, Täterstrategien und -dynamiken zu berücksichtigen. Ein große Investition sei notwendig.

          Die Anhörung „Physische, psychische oder sexualisierte Gewalt gegen Sportlerinnen und Sportler“ zeigte, dass sich die Beschäftigung mit dem Thema längst in die Frage verwandelt hat, mit wie viel Nachdruck die Politik und mit wie viel Geld der Staat die Gründung eines unabhängigen Zentrums für Safe Sport unterstützt, welche Athleten Deutschland vorgeschlagen hat. „Wir brauchen eine nationale Strategie gegen Gewalt und Missbrauch“, forderte Maximilian Klein für die Organisation.

          Auf dem Weg dort hin gilt es, viel zu lernen. Die im Sport nicht selten mit Sympathie benutzten Euphemismen von der harten Hand, der klaren Ansprache und dem Tritt in den Hintern könnten durchaus für psychische Gewalt stehen, wie sie laut Studie „Safe Sport“ 86 Prozent der deutschen Kadersportler erlebt haben; 21 Prozent gaben an, Opfer schwerer psychischer Gewalt geworden zu sein.

          „Wie können wir den Leistungssport gestalten, in dem immer auch Grenzen überschritten werden, ohne psychisch zu verletzen?“, fragte der CDU-Abgeordnete Eberhard Gienger, der als einstiger Weltklasse-Turner über erhebliche Kenntnisse auf diesem Gebiet verfügen dürfte. Die Antwort von Petra Tzschoppe vom DOSB, dass Übergriffigkeit nicht hingenommen werden wird, deutet an, dass sich der Sport in Deutschland verändert.

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