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Ausschluss von Olympia : IOC nennt siebzehn Beweismittel

Nicht eingeladen: Langläufer Sergej Ustjugow Bild: dpa

Das IOC nennt die Kriterien für den Ausschluss russischer Athleten von den olympischen Spielen. Daraus lässt sich erkennen, wie breit die Manipulation in Russland angelegt war.

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          Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat am Donnerstag die Prüfkriterien benannt, nach denen potentielle Kandidaten für das Team der „Olympischen Athleten aus Russland“ geprüft wurden. In den vergangenen Tagen waren zahlreiche prominente Namen russischer Sportler bekannt geworden, die nicht zu den am 9. Februar beginnenden Winterspielen im südkoreanischen Ort Pyeongchang eingeladen werden.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Wegen des staatlich organisierten Doping-Betrugs bei den Winterspielen in Sotschi vor vier Jahren hatte das IOC das nationale olympische Komitee Russlands (ROK) am 5. Dezember 2017 suspendiert und russischen Sportlern die Teilnahme nur auf Einladung und in der Mannschaft der „Olympischen Athleten aus Russland“ unter der olympischen Flagge erlaubt. Daraufhin hatte das ROK 500 Sportler vorgeschlagen. Am vergangenen Freitag war bekannt geworden, dass 111 von ihnen keine Einladung erhalten würden.

          Unter den nicht Eingeladenen, die in dieser Woche bekannt wurden sind Weltmeister und Gewinner olympischer Medaillen im Biathlon, Langlauf, Eiskunstlauf, Eisschnelllauf und Short Track. Dass prominente Sportler wie Anton Schipulin (Biathlon), Sergej Ustjugow (Langlauf) und Wiktor Ahn (Shorttrack) die bis dahin nicht genannten Kriterien nicht erfüllen, hatte in Russland zu empörten Reaktionen geführt und war als niederträchtiges anti-russisches Manöver der Politik feindlicher Mächte dargestellt worden.

          Die Mitteilung des IOC führt 17 Beweismittel auf, die von der Prüfkommission unter dem Vorsitz der früheren französischen Sportministerin Valérie Fourneyron zu den Entscheidungen der Kommission herangezogen wurden. Die Auflistung sei „umfassend, aber keineswegs erschöpfend“, wird Fourneyron zitiert. Daraus lässt sich erkennen, wie breit die Manipulation des internationalen Anti-Doping-Systems in Russland angelegt war. Zentraler Bestandteil ist der Abgleich mit Daten aus dem Laborinformationsmanagementsystem (Lims) des Moskauer Anti-Doping-Labors. Die Datenbank war am 30. Oktober 2017 in Besitz der Wada gelangt und rekonstruiert worden. Nach der Darstellung konnte die Wada Doping-Proben identifizieren, die verbotene Substanzen oder abnormen Konzentrationsgehalt zeigten, aber als negativ oder gar nicht in das Meldesystem der Wada eingegeben wurden. Zudem habe man den Lims-Daten „hoch verdächtige“ Steroidprofile einzelner Sportler entnehmen können.

          Die Auflistung sei „umfassend, aber keineswegs erschöpfend“, sagt Valérie Fourneyron, Leiterin der Kommission
          Die Auflistung sei „umfassend, aber keineswegs erschöpfend“, sagt Valérie Fourneyron, Leiterin der Kommission : Bild: AFP

          Nach Informationen dieser Zeitung hat in wenigstens einem Fall unter den 500 vorgeschlagenen Athleten ein auffälliger Steroid-Wert zur Streichung von der Einladungsliste geführt. Damit ließe sich erklären, warum Frau Fourneyron andeutete, dass eine Nichtberücksichtigung nicht unbedingt mit einem Doping-Fall gleichzusetzen sei.

          Die Ergebnisse der Steroid-Analyse soll den internationalen Sportverbänden zugestellt werden. Diese müssten die Fälle dann als potentielle Doping-Vergehen untersuchen. Ebenso wird mit manipulierten Steroidprofilen verfahren, die Lims entnommen wurden. Offenbar wurden auch in diesen Fällen manipulierte Daten ins Meldesystem der Wada eingespeist. Desweiteren seien Fälle identifiziert worden, in denen, ähnlich wie beim Betrug bei Olympia 2014, saubere Proben von Athleten in einer Urinbank gesammelt wurden und bei Bedarf gegen Doping-belastete Proben ausgetauscht wurden.

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