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Krise im Schwimmverband : Präsidentin Dörries zurückgetreten

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Gabi Dörries: „Was gibt es heute noch zum Preis von 1985?“ Bild: dpa

Unterschiedliche Interessen von Leistungs- und Breitensport prallen aufeinander: Nachdem ihre Reformideen gestoppt werden, legt Schwimmverbandspräsidentin Dörries ihr Amt nieder.

          Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) steht ohne Präsidentin da. Nach nur zwei Jahren an der DSV-Spitze ist Gabi Dörries zurückgetreten. Nachdem die von ihr vorangetriebene Reform mit der Erhöhung der Mitgliedsbeiträge als zentralem Bestandteil beim Verbandstag am Samstag vorerst gestoppt worden war, legte Dörries umgehend ihr Amt nieder. Ein Nachfolger kann erst beim Verbandstag im kommenden Jahr gewählt werden. Eine Reaktion von Dörries oder dem DSV gab es zunächst nicht.

          Die norddeutsche Software-Unternehmerin Dörries hatte vor zwei Jahren die Nachfolge von Christa Thiel angetreten. Schon damals war sie beim Bestreben nach mehr Finanzmitteln ausgebremst worden. Ihr Wahlprogramm bestand aus drei großen Themen: Einer neuen Satzung, einem neuen Finanzkonzept und einem neuen Marketingkonzept. Als Erhöhung des Mitgliedsbeitrags hatte sie 60 Cent auf einen Jahreswert von 1,40 Euro vorgesehen. „Ich sichere Ihnen gern noch einmal ganz persönlich zu, dass wir in den zwei Jahren meiner Amtszeit jede Möglichkeit genutzt haben, Mittel zu sparen und sorgsam zu prüfen, ob noch andere Finanzierungen möglich sind. Aber am Ende dieser Arbeit bin ich überzeugter denn je, dass eine Beitragsanhebung nach über 30 Jahren unumgänglich ist. Was gibt es heute noch zum Preis von 1985?“, warb Dörries in Bonn. Die Finanzen des Verbandes sind schon lange eine Herausforderung.

          Doch in Bonn gab die Mehrheit der Mitglieder einem Antrag statt, der die Nichtbefassung und Vertagung bei diesem Thema vorsah. Erst nach Vorliegen eines umfassenden Abschlusses für das Jahr 2018 und dem Einblick in den Gesamthaushalt könne der Verbandstag sachkundig über Anpassungen der Beitragseinnahmen diskutieren, hieß es in dem Schreiben. Letztlich prallen unterschiedliche Interessen von Leistungssport und Breitensport aufeinander – ein generelles Strukturproblem im Sport.

          Die Erhöhung der Beiträge um 60 Cent klingt nach wenig Geld. Da aber nicht alle Landesverbände die Beiträge auf die eigenen Mitglieder umlegen können, drohte diesen schlagartig eine hohe Belastung. Durch die geplante Erhöhung hätte der Verband seinerseits Mehreinnahmen von über 300.000 Euro verbuchen können. Dörries sah nach dem Reformstopp keine Basis mehr für eine weitere Zusammenarbeit. Auch die Vizepräsidentin für den Bereich Finanzen, Andrea Thielenhaus, legte ihr Amt nieder.

          Aus dem Leistungssport gab es heftige Kritik am Verbandstag. Die Stimmberechtigten hätten den Auftrag nicht erfüllt und eine Vision zerstört, schrieb die ehemalige Athletensprecherin Dorothea Brandt, die in Athen 2004 und in Rio 2016 an den Olympischen Spielen teilnahm, in ihrem Facebook-Profil. „Ihr habt heute den Grundstein für das Ende des Leistungssports im DSV gelegt. Ihr habt heute langfristig die olympischen Träume vieler Aktiver zerstört oder ihnen zumindest auf ihrem Weg zu den Olympischen Spielen 2020 einen weiteren Fels in den Weg gelegt. Zwei Jahre hat Frau Dörries versucht, den Verband neu zu strukturieren, um ihn auf die Zukunft vorzubereiten. Es wird immer wieder gefragt, warum der deutsche Schwimmsport gegenwärtig so erfolglos ist. Heute haben die Fragenden eine Antwort erhalten“, schrieb Brandt. Ihrer Ansicht nach seien „die Vorbereitungen der Nationalmannschaften auf die Olympischen Spiele akut gefährdet“.

          Im Mai 2019 will der DSV eine neue Führung wählen. Bis dahin übernehmen die Vizepräsidenten Wolfgang Hein und Uwe Brinkmann die Leitung. Der bislang kommissarisch arbeitende Brinkmann wurde kurzfristig als ordentlicher Vizepräsident gewählt. Immerhin wurde am Samstag bei einer Marathonsitzung mit über 70 Reformanträgen eine neue Satzung verabschiedet. Der DSV sprach in seiner Mitteilung vom Sonntag von einem „Meilenstein“. In Zukunft werden relevante Entscheidungskompetenzen in das Hauptamt verlagert.

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