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Korruptionsvorwürfe im IOC : Milde Strafen für Topfunktionäre

  • Aktualisiert am

IOC-Präsident Jacques Rogge: „Wie der Unterschied zwischen einer Gelben und Roten Karte“ Bild: AFP

Zwölf Monate lang hatte die IOC-Justiz gegen zwei afrikanische Funktionäre ermittelt. Am Donnerstag kamen beide mit milden Strafen davon - und dürfen im IOC bleiben.

          Nach zwölfmonatigen Ermittlungen gegen Issa Hayatou und Lamine Diack wegen Bestechungsvorwürfen sind die beiden afrikanischen IOC-Granden mit milden Strafen davongekommen. Die IOC-Exekutive erteilte Afrikas Fußball-Chef Hayatou (Kamerun) einen Verweis, Diack, Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes (IAAF), kam sogar mit einer Verwarnung davon. Beide dürfen im IOC bleiben. „Der Unterschied zwischen einer Verwarnung und einem Verweis ist wie der Unterschied zwischen einer Gelben und Roten Karte“, erklärte IOC-Präsident Jacques Rogge das harmlose Strafmaß.

          Der IOC-Vorstand folgte damit am Donnerstag in Lausanne den Empfehlungen der eigenen Ethikkommission, die vor knapp einem Jahr Untersuchungen gegen drei Spitzenfunktionäre eingeleitet hatte. Der dritte Beschuldigte, der 95 Jahre alte IOC-Doyen Joao Havelange, war einem drohenden Ausschluss durch seinen Rücktritt aus der Ringe-Organisation zuvorgekommen.
          „Das IOC hat dadurch bewiesen, dass wir es ernst meinen. Wir zögern nicht zu handeln, wenn es nötig ist. Die Sportwelt weiß, dass wir eine verantwortungsvolle und transparente Organisation sind“, sagte Rogge, der bedauerte, „Kollegen und Freunde“ disziplinieren zu müssen.

          Weiterhin im IOC: Der Kameruner Hayatou (l.) und Diack aus Senegal

          Dem Trio war Ende vergangenen Jahres in der BBC-Sendung „Panorama“ Bestechlichkeit unterstellt worden. Unmittelbar danach hatte die IOC-Justiz ein Verfahren begonnen. Alle drei sollen zu den Begünstigten in der Schmiergeldaffäre um die ehemalige Schweizer Rechtevermittlungs-Firma ISL/ISMM gehören, die 2001 in Konkurs gegangen war - alle drei haben Verfehlungen bestritten.

          Der Fall ist offiziell beendet

          Hayatou, seit 2001 im IOC, war vorgeworfen worden, 1995 von der inzwischen insolventen ISL-Gruppe 20.000 Dollar erhalten zu haben. Der Spitzenfunktionär, zudem im Vorstand des Fußball-Weltverbandes (Fifa), behauptete, es sei eine Zahlung für die 40-Jahr-Feier des afrikanischen Verbandes gewesen. Der Senegalese Diack kassierte 1993 drei Zahlungen in Höhe von insgesamt 58.880 Schweizer Franken (rund 48 000 Euro). Der IAAF-Chef erklärte, die Zuwendungen seien eine Spende zum Wiederaufbau seines abgebrannten Hauses gewesen. Diack wurde 1999 ins IOC aufgenommen.

          Havelange soll sich sogar mit mindestens 1,5 Millionen Schweizer Franken bereichert haben. Der Fall wurde von Rogge aber offiziell als beendet erklärt. Die Ergebnisse der Untersuchungen gegen den Brasilianer, von 1974 bis 1998 Fifa-Präsident, bleiben geheim. Gegen Havelange-Nachfolger Joseph Blatter wird das IOC vorerst nicht vorgehen. Trotz des immer wieder kolportierten Verdachts der Mitwisserschaft gebe es keinen Anlass, so das IOC, den 75 Jahre alten Schweizer eingehend zu überprüfen. Blatter hatte von 1981 bis 1998 als Fifa-Generalsekretär eng mit Havelange zusammengearbeitet.

          Schnelle Aufklärung und komplette Transparenz

          Blatter selbst hat bereits mehrmals die Veröffentlichung der brisanten ISL-Dokumente angekündigt, auf denen zahlreiche Namen bestechlicher Funktionäre stehen sollen. Dieses Vorhaben ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Einer der Betroffenen habe rechtliche Schritte gegen die Offenlegung der Papiere eingelegt, so Blatter. Das Strafgericht des Schweizer Kantons Zug, dem ehemaligen ISL-Hauptsitz, hatte festgestellt, dass zwischen 1989 und 2001 Schmiergelder in Höhe von 138 Millionen Franken an verschiedene Topfunktionäre des Weltsports für den Erwerb von Marketing- und TV-Rechten geflossen seien.

          Das IOC sieht durch die Urteile vom Donnerstag den eigenen Anspruch von schneller Aufklärung und kompletter Transparenz erfüllt. In Rogges zehnjähriger Amtszeit wurden bisher zwei IOC-Funktionäre rausgeschmissen. 2005 musste Iwan Slawkow, Ex-Präsident des Nationalen Olympischen Komitees Bulgariens, wegen Korruption gehen, 2004 der indonesische Milliardär Mohamad Hasan, in der Heimat wegen Bestechung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

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