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Korruptionsfall : Erleichterung nach Diack-Urteil

Urteil in Paris: Vier Jahre Haft für den ehemaligen Leichtathletik-Weltpräsidenten Diack. Bild: dpa

Der frühere Leichtathletik-Weltpräsident Lamine Diack wird zu vier Jahren Haft verurteilt. Der Richterspruch in Paris soll Signalwirkung haben.

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          Lamine Diack aus Senegal, sechzehn Jahre lang Präsident des Leichtathlet-Weltverbandes Iaaf und Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees, ist am Mittwoch von der 32. Kammer des Strafgerichts von Paris zu vier Jahren Haft, davon zwei ausgesetzt zur Bewährung, und einer Geldstrafe bis 500.000 Euro verurteilt worden. Im Prozess im Juni, fast fünf Jahre nach seiner Festnahme am Verbandssitz Monaco 2015, waren dem 87 Jahre alten Diack aktive und passive Bestechung, Untreue und bandenmäßige Geldwäsche vorgeworfen worden.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Unter anderem hatte er veranlasst, dass des Dopings überführte Athleten, wenn sie oder ihr Verband ihm oder einem seiner Söhne Geld dafür zahlten, zunächst nicht gesperrt wurden und so an der Weltmeisterschaft von Moskau 2013 und den Olympischen Spielen von London 2012 teilnehmen konnten; die bekannteste von ihnen ist die Marathonläuferin Lilija Schobukowa, die 400.000 Dollar zahlte. Im Prozess wurde bekannt, dass Diack und seine Komplizen insgesamt 3,45 Millionen Euro Schmiergeld kassiert haben sollen.

          Diack hatte in der Vernehmung behauptet, 11,5 Millionen Dollar von russischen Sponsoren und Fernsehanstalten seien deshalb an ihn persönlich gegangen, weil der russische Präsident Wladimir Putin mit dem Geld im senegalesischen Wahlkampf 2012 die Opposition gegen Amtsinhaber Abdoulaye Wade unterstützen und dessen Abwahl erreichen wollte. Im Prozess waren seine Einlassungen oft unverständlich. Er versuchte sich als Sportführer darzustellen, der die Leichtathletik globalisierte und versuchte, Schäden an ihre Image, etwa durch Doping, abzuwenden.

          Diack will in Berufung gehen

          Der Anwalt Diacks kündigte nach der Urteilsverkündung an, dass sein Mandant Berufung einlegen werde. Die Anklage hatte die hohe Strafe gefordert für einen „enormen Verstoß gegen die Redlichkeit, der einen weltweiten Schaden angerichtet hat“. Dafür sei, obwohl der Angeklagte im Herbst seines Lebens stehe, eine hohe Haftstrafe angemessen.

          Die Vorsitzende Richterin Rose-Marie Hunault sprach auch die fünf Mitangeklagten schuldig. Papa Massata Diack, der 55 Jahre alte älteste Sohn des Hauptangeklagten, wurde zu fünf Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt sowie einer Million Euro Strafe. Papa Massata hält sich vermutlich in seiner Heimatstadt Dakar in Senegal auf. Senegal liefert seine Bürger nicht aus. Diack junior beteuert regelmäßig in Interviews seine Unschuld und die Legalität seines Treibens; er und seine Agentur hätten lediglich Provisionen auf von ihnen vermittelte Verträge kassiert. Das Gericht hält den Haftbefehl für ihn aufrecht, Interpol hat ihn auf die Fahndungsliste gesetzt.

          Haftstrafen und hohe Geldbußen

          Zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren sowie zur Zahlung von 140.000 Euro wurde der damalige Verantwortliche für Doping-Bekämpfung in der Iaaf verurteilt, Gabriel Dollé. Der Rechtsanwalt Habib Cissé, Berater von Diack, erhielt eine Strafe von drei Jahren, davon zwei auf Bewährung, sowie 100.000 Euro Geldstrafe. Der einstige russische Verbandspräsident Valentin Balachnitschef und sein Cheftrainer Alexej Melnikov erhielten Haftstrafen von drei beziehungsweise zwei Jahren. Auch für sie wurden per Haftbefehle ausgestellt.

          „Viele werden mit mir gemeinsam Erleichterung und Genugtuung zugleich verspüren“, sagte Dagmar Freitag, die Vorsitzendes des Sportausschusses des Bundestages gegenüber Deutschen Presse-Agentur: „Endlich geht es den Kriminellen im internationalen Sport für alle sichtbar an den Kragen.“ Das Urteil werde hoffentlich Signalwirkung bis auf die nationale Ebene haben, sagte die SPD-Abgeordnete: „Nur staatliche Ermittlungsbehörden haben die Möglichkeiten und auch die Kraft, den Sumpf aufzudecken.“ Dagmar Freitag war 16 Jahre lang, bis 2017, Vizepräsidentin des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Auch das am Mittwoch in München eröffnete Verfahren gegen den Erfurter Arzt Mark S. wegen Blut-Dopings sei allein durch die vom Anti-Doping-Gesetz ermöglichte Zusammenarbeit von Nationaler Anti-Doping-Agentur und Staatsanwaltschaft ermöglicht worden. „Die Botschaft von heute ist“, sagte sie: „Auch im Sport gilt das Gesetz eines Rechtsstaates.“

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