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Korruption bei der Fifa : Alle Bestechlichen wehren sich

Joseph Blatter: Von den vielen dubiosen Vorgängen im eigenen Haus nichts gewusst? Bild: dpa

Joseph Blatter gibt sich weiterhin als großer Aufklärer und Saubermann. Der Kampf der Fifa um Offenheit kann aber noch lange dauern.

          Das Versprechen Joseph Blatters aus dem Herbst, schnellstens Licht ins Dunkel der Fifa-Machenschaften zu bringen, kann wohl kaum gehalten werden. Nachdem der Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) gerade angedeutet hat, dass sich die Offenlegung der sogenannten ISL-Liste mit Schmiergeldempfängern aus juristischen Gründen etwas „verzögert“, deutet einiges auf eine viel längere Hängepartie hin.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie eine Sprecherin der zuständigen Strafverfolgungsbehörden des Schweizer Kantons Zug dieser Zeitung nun bestätigte, hätten sich inzwischen alle Betroffenen mit Rechtsmitteln gegen die Offenlegung der Akten gewehrt. Auch wenn das Obergericht des Kantons womöglich noch vor Weihnachten entscheiden sollte, dass aus öffentlichem Interesse heraus Einsicht gewährt werden muss, dürfte sich das Prozedere hinziehen. „Der Entscheid kann von der unterlegenen Partei ans Bundesgericht weitergezogen werden. Mit einem Urteil ist in diesem Fall nicht vor Mitte 2012 zu rechnen“, sagt die Sprecherin.

          Erkaufte Anonymität

          Währenddessen gibt sich Blatter weiterhin als großer Aufklärer und Saubermann. Anlässlich der Klub-WM in Japan wird das Fifa-Exekutivkomitee an diesem Freitag sowie Samstag in Tokio zusammenkommen und die Situation beraten. Dass die Schmiergeld-Akte vorerst geschlossen bleibt, könnte Blatter sogar gefallen, gewinnt er doch dadurch Zeit in dieser auch für ihn selbst gefährlichen Angelegenheit. Es ist nämlich kaum vorstellbar, dass der langjährige Präsident und ehemalige Generalsekretär der Fifa von den vielen dubiosen Vorgängen im eigenen Haus nichts gewusst haben kann.

          Zweifelhafter Fifa-Funktionär: Ricardo Teixeira

          Noch immer sitzen im Exekutivkomitee der Fifa höchst zweifelhafte Funktionäre. Der Brasilianer Ricardo Teixeira, Nicolaz Leoz aus Paraguay und der afrikanische Fußballpräsident Issa Hayatou sollen als Empfänger auf der Liste stehen. Gerichtsfest ist, dass die 2001 in Konkurs geratene Schweizer Sportrechteagentur ISL/ISMM von 1989 bis 2001 Schmiergelder in Höhe von insgesamt 140 Millionen Franken an Topfunktionäre unterschiedlicher Sportorganisationen gezahlt hat. Im vergangenen Jahr hatte die Fifa in Verhandlungen mit der Staatsanwaltschaft in Zug erreicht, dass die Schmiergeldempfänger für eine Wiedergutmachungszahlung von 5,5 Millionen Franken anonym bleiben durften.

          Transparency International beendet Zusammenarbeit

          Vielleicht hofft Blatter, dass sich die Verdächtigen nun unter dem steigenden Druck selbst zurückziehen, um dann alte unschöne Geschichten ruhen zu lassen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat das gerade im Fall seines Mitglieds Joao Havelange vorgemacht, der ebenfalls schwer belastet ist im ISL-Skandal. Eigentlich müsste die Fifa an diesem Wochenende aufgrund der IOC-Erkenntnisse beschließen, gegen den Brasilianer interne Ermittlungen und dann ein Ausschlussverfahren zu starten, ist dieser doch noch Fifa-Ehrenpräsident. Genauso gilt das für den Fall des Kameruners Hayatou, dem vom IOC als dessen Mitglied Bestechlichkeit attestiert wurde. Unbenommen von seinem IOC-Verweis wird Hayatou als Fifa-Vorstand in Tokio erwartet.

          Dort will Blatter wohl mit einer anderen Sache öffentliche Bonuspunkte sammeln. Am Samstag werden die Mitglieder der neuen unabhängigen Governance-Kommission benannt, die eine zentrale Rolle im Wandlungsprozess des Verbandes spielen soll. Der renommierte Schweizer Strafrechtsprofessor Mark Pieth ist schon vorher von der Fifa zum Vorsitzenden dieser Kommission bestellt worden, woraufhin die Organisation Transparency International ihre Zusammenarbeit mit der Fifa beendete. Als Grund wurde angegeben, dass Pieth nicht zugleich Mitglied in der unabhängigen Governance-Kommission und bezahlter Gutachter für die Fifa sein könnte.

          Zudem wurde bemängelt, dass sich der Blick des unabhängigen Transparenz-Gremiums offenbar nur in die Zukunft richten wird. Zwar gab es zuletzt Gespräche zwischen allen Beteiligten über eine Rückkehr von Transparency, doch bisher ohne Ergebnis. „Wir halten daran fest, dass die Fifa für ihre Glaubwürdigkeit eine unabhängige Begutachtung und auch eine Aufarbeitung der Vergangenheit braucht. Wir halten den eingeschlagenen Weg deshalb nicht für zielführend“, sagt Sylvia Schenk, Sportbeauftragte der Anti-Korruptions-Organisation. Pieth will sich dazu nicht äußern, aber formuliert vor dem Treffen des Fifa-Vorstands seine eigen Forderungen: „Ich erwarte, dass die Fifa-Exekutive die Mitglieder des Governance-Komitees bestätigt, so dass wir so bald wie möglich mit unserer Arbeit beginnen können. Ich erwarte natürlich auch, dass das Exekutivkomitee den Prozess ernst nimmt und uns machen lässt.“

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