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Trainer im Spitzensport : Schluss mit dem Beruferaten

DOSB-Vorstand Dirk Schimmelpfennig: Beschwerte sich schriftlich beim BMI Bild: dpa

60 bis 70 Stunden Arbeit in der Woche und kaum Anerkennung: Schon lange ist die Rede von unzumutbaren Bedingungen der deutschen Trainer im Spitzensport. Ein neues, starkes Konzept soll das ändern. Aber es könnte am BMI scheitern.

          Zu Trainern im deutschen Sport fällt Trainern gerne dieser Witz ein: Der Coach ist auf einer Party am Samstagabend Anfang Dezember. Es ist sein viertes freies Wochenende in diesem Jahr. Das Gespräch kommt trotzdem auf den Sport. Da kann jeder mitreden. Als der Trainer sich outet, sind alle hochinteressiert. Er muss von Olympia erzählen. Eine Zuhörerin, Hobby-Triathletin in den Fünfzigern, ruft ihren Mann. „Hör mal, er hat Deutschland zu Gold verholfen!“ Der Herr ist begeistert. Als sich der Kreis auflöst, hat er noch eine Frage: „Und was machen Sie beruflich?“ Die meisten Trainer im deutschen Sport lachen trotzdem. Immer noch.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Seit 25 Jahren ist die Rede von unzumutbaren Arbeitsbedingungen für das Gros im so an Erfolgen reichen deutschen Spitzensport. 60 bis 70 Stunden in der Woche, ständige Arbeit am Wochenende, kaum zu Hause in der Wettkampfzeit, Kettenverträge, Mädchen für alles, und das Ganze lausig bezahlt. Dahinter steckt Berufung. Ein Idealismus, mit dem die Nation alle vier Jahre mehr oder weniger glänzt. Die jeweilige Regierung der Bundesrepublik will viel Erfolg im Sport. Sie gibt Geld für Gold. Zu seiner Amtszeit forderte Innenminister Thomas de Maizière ein Drittel mehr Medaillen. Seitdem machten sich Trainer wieder Hoffnungen, dass die wie eine Welle am Sandstrand verlaufene „Trainer-Offensive“ des deutschen Sports über gute Worte und einen Preis hinauskommt. Weil es ohne Coach, ohne die vielen Namenlosen, selten reicht. Wer begleitete die Biathletin Laura Dahlmeier, die Erfolgreichste unter den Deutschen, zu zwei Goldmedaillen und einer bronzenen vor zehn Monaten bei den Olympischen Winterspielen? In diesen Tagen geht es nicht um Ruhm, Ehre und den Lohn eines Joachim Löw, mit dessen geschätztem Jahresgehalt von 3,5 Millionen Euro leicht 30 Landestrainer mit einem Bruttolohn finanziert werden könnten – ebenfalls ein Jahr lang.

          Streit um ein konkretes Konzept

          „Wir wollen endlich vernünftige Arbeitsbedingungen, eine angemessene Bezahlung, eine vertretbare soziale Absicherung“, sagt Dafni Bouzikou, Vorsitzende des Berufsverbandes für Trainer im deutschen Sport. Die Botschaft ist angekommen. Ein Jahr lang hat eine „Arbeitsgemeinschaft Mustervertrag“ in sieben Sitzungen bis August unter Leitung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) ein Programm entworfen, das seinesgleichen sucht. Auf rund 30 Seiten wird nicht nur „eine dringend benötigte positive Veränderung der Arbeitssituation von Berufstrainern“ beschrieben, sondern ein konkretes Konzept mit eindeutigen Handlungsempfehlungen. Es garantiert Trainern unter anderem eine flexible, leistungsgerechtere Vergütung, die Einhaltung von Gehaltsuntergrenzen, Arbeitsschutz, ein Recht auf akzeptable Vertragslaufzeiten, einen angemessen Arbeitsplatz, Mindesturlaub, maximale Tages- und Wochenarbeitszeit, Fortbildung – eigentlich Selbstverständliches. Dennoch ist Bouzikou überzeugt von dem Ergebnis. „Fast alle unsere Vorstellungen finden sich wieder“, sagt die frühere Basketballtrainerin, „das wäre ein Durchbruch für uns.“ Wäre, ein Konjunktiv.

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