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Kommentar zur Nada : Das Glaubensbekenntnis

Am Tropf der Spender: Die Nada Bild: dpa

Die Nada erhält eine Millionenspende. Doch die finanziell nicht ausreichend ausgestattete Stiftung muss von der Abhängigkeit von Geldgebern, die Erfolg vor allem am Medaillenspiegel ablesen, loskommen.

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          Wenn das nicht konsequent ist: Das Modell sieht ein bisschen alt aus, also bekommt es ein Face-Lifting. So hat es der Unternehmer Näder mit der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) gemacht. Wie eine Kleinigkeit beschrieb er das Loch im Etat der Doping-Bekämpfer aus Bonn, als es sich vor zwei Jahren auftat. Trotzdem hat er seitdem niemanden überzeugen können, substantiell zur Stärkung der angeschlagenen Stiftung beizutragen. Ganz im Gegenteil: Sponsoren stiegen aus, und die Länder, deren Minister sich auch in Sotschi wieder mit ihrer Sportförderung brüsten werden, speisen die Nada mit Brosamen ab. Nun also die Kampagne.

          Aber was verbirgt sich hinter dem neuen Image? Man darf nicht nur gespannt sein, ob die Bekenntnisse der Athleten in Berlin für das Kontroll-System zu nennenswerten Akquisitionen führen. Man muss, gerade nach dem Lifting, nach inneren Werten fragen. Denn wichtiger als die Außendarstellung scheint die interne Akzeptanz der Nada zu sein. Zunehmend beschreiben Athleten die Kontrollen, die Verletzung ihrer Privatsphäre und nicht zuletzt das Auftreten der Kontrolleure als Zumutung. Mehr als 60 Athletinnen und Athleten haben die Resolution von Claudia Pechstein unterschrieben, seit diese im Herbst dafür warb. Mit dieser Erklärung, nach der es üblich sei, mittels Athletenvereinbarung Grundrechte auszuhebeln – wie das auf die Anrufung eines deutschen Gerichts –, will die Eisschnellläuferin Schadensersatz für ihre Sperre einklagen.

          Die Nada wird nicht müde, die Überzeugung der Sportler, auf Grundrechte zu verzichten, als Mangel an Information zu beschreiben. Wie eine Gegenoffensive wirkt nun ihre Ankündigung, während der Winterspiele von Sotschi Athleten für ihre Kampagne mit Anstecker zu fotografieren, auf denen steht: „Alles geben, nichts nehmen“. Zwar behauptet Jonas Reckermann, Olympiasieger im Beach-Volleyball, Bekenntnis hier und Kritik dort hätten nichts miteinander zu tun, schlössen sich also auch nicht aus. Doch es erscheint fraglich, dass Athleten, die wie Speerwurf-Weltmeisterin Christina Obergföll oder Diskus-Olympiasieger Robert Harting ihre Entrechtung beklagen, sich am Büffet des Deutschen Hauses zur Nada bekennen werden. Schließlich basiert deren Doping-Bekämpfung darauf, dass Sportlerinnen und Sportler sich in letzter Instanz den Entscheidungen des internationalen Sportgerichtshofs (Cas) unterwerfen – der Einrichtung, die Claudia Pechstein so vehement attackiert.

          Nur wenn dieser Widerspruch ausgeräumt ist, lohnt es sich, Lösungen zu suchen für die anderen Probleme der Nada: die finanziell nicht ausreichend ausgestattete Stiftung und die Abhängigkeit von Geldgebern, die Erfolg vor allem am Medaillenspiegel ablesen.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

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