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Der Sport und seine Wünsche : Der Speck kommt hinterher

Von links: Markus Rehm, David Behre, Felix Streng und Johannes Floors schreien ihr Glück über Gold im 4x100-Meter-Lauf der Paralympics heraus. Bild: AP

Der Bund hat kaum neues Geld für den Leistungssport bewilligt. Er will zunächst Erfolge sehen. Doch dafür müssten sich auch die Sportverbände reformieren.

          Mit Speck fängt man Mäuse, doch was, wenn das Parlament den Speck nicht rausrückt? Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), erwartet Anfang Dezember die Zustimmung des Bundestages, seines Bundestages in Magdeburg, zur Reform des Spitzensports in Deutschland. Sehr hilfreich wäre für ihn gewesen, wenn der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages, dem aus Berlin, einen satten Betrag aus dem Steuersäckel an die Sportorganisationen überwiesen hätte: zur Anschubfinanzierung einer Reform, die in ein, zwei Jahren kommen soll – vorausgesetzt, die Verbände stimmen zu.

          Sechs Millionen Euro für deren Personal hatte der Sport deshalb auf seine Wunschliste gesetzt für die letzte Beratung des Haushaltsausschusses über das Budget 2017. Üblicherweise ist dies eine Gelegenheit für großzügige Geschenke. Als Verwendungszweck hatte der Sport die Besoldung der Leiter seiner Bundesstützpunkte angegeben. Doch die Volksvertreter strichen den Posten. Denn noch sind wichtige Teile der Reform unklar – nicht zuletzt, wie viele von gut zweihundert Stützpunkten für Top-Sportler erhalten bleiben und, ergo, wie viele Stützpunktleiter überhaupt beschäftigt werden sollen.

          Nun wird Hörmann die Perspektive wechseln müssen: Anschubfinanzierung gibt es nicht vorneweg, sondern erst, wenn die Verbände seine Reform auch wirklich anschieben. Das wird nicht wenigen Sportarten schwer fallen. Denn diejenigen, die wissen, dass sie nicht Siegertypen mit Anspruch auf Optimalförderung bieten können – und welche sind das schon in Deutschland? –, können doch kaum abschätzen, ob sie bald einem so lala unterstützten Perspektiv-Kader zugeschlagen werden oder den hoffnungslosen Fällen auf der olympischen Streichliste. Wie kommt man, wenn man einmal in dieser sportpolitischen Vorhölle landet, wieder heraus?

          Erst die Reformen, dann das Geld

          Da wird doch, sicher ist sicher, jeder Verbandsfürst, der weiß, dass die strikten Kriterien der Reform ihn die staatliche Förderung kosten werden, dagegen stimmen. Hörmann wird seine Wackelkandidaten davon überzeugen müssen, dass es für niemanden zu spät ist, sich von der Pechmarie zur Goldhoffnung zu wandeln. Er wird ihnen versprechen, dass der Staat nicht eigentlich die Förderung reduzieren, sondern, im Gegenteil, bei verbesserten Erfolgsaussichten tiefer in die Tasche greifen will. Und er wird anbieten, die schon fürs kommende Jahr vorgesehene Gründung der Kommission für die Potential-Analyse mitsamt ihrem Computer-Programm für Test- und Probeläufe zu nutzen.

          Gar keine schlechte Aussicht, wenn nicht nur Athleten, sondern auch Verbände sich für die entscheidende Prüfung mit realitätsnahem Training fit machen können. Nichts wie ran an den Speck!

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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