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Kommentar zur IAAF : Unsicherheitsfaktor Coe bewegt Adidas

Für Eugene, gegen Adidas: Auch Lord Coe verärgerte den Hauptsponsor Bild: dpa

Adidas will beim internationalen Leichtathletikverband IAAF aussteigen - wegen Dopings. Der Fifa ist der Sportartikelhersteller noch treu - trotz Korruption. Den Unterschied macht wohl Nike.

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          Doping, das ist der Sündenfall; Doping beendet die Beziehung. Das kommuniziert Adidas als ehernes Gesetz seines Sponsorings. So auch bei der Drohung mit dem Ausstieg aus der Leichtathletik. Das Unternehmen, dessen Gründer Jesse Owens die Spikes für seine Olympiasiege 1936 in Berlin anpasste, kennt angeblich keine Gnade. Nun droht es mit dem Weltverband IAAF so zu verfahren wie mit Dopern: Schluss mit der Förderung. Schließlich hat sich die Organisation als von Erpressern gesteuert entpuppt, die Doping nicht nur als Teil der Medaillen-Maschinerie akzeptierten, sondern Doper, statt sie zu sperren, für bares Geld zurück in die Arena ließen. Die Entscheidung, ob Adidas den noch vier Jahre laufenden Vertrag vorzeitig beendet, falle womöglich erst in einigen Wochen oder Monaten, heißt es.

          Dabei hat alle Welt vom staatlich unterstützten Doping in Russland und der Korruption innerhalb der IAAF schon im Dezember 2014 aus dem deutschen Fernsehen erfahren. Spätestens die Verhaftung von Lamine Diack, dem langjährigen Sonnenkönig der IAAF, elf Monate später machte die Dimension des Verbrechens deutlich, das sich im Verband eingenistet hatte: ein guter Grund zu gehen.

          Doch auch in der Fifa-Führung hat es Verhaftungen und Auslieferungen gegeben; Adidas ist nahezu klaglos Sponsor des über Jahre und Jahrzehnte von Gier und Korruption beherrschten Weltverbandes der Geldmaschine Fußball geblieben, macht keine Anstalten, den Vertrag zu lösen, der es bis 2030 mit der Fifa verbindet. Zweifellos ist Korruption für ein Unternehmen, dessen Kapital mit der Leistung wie mit dem Ansehen von Athleten und Mannschaften steht und fällt, genauso schädlich wie Doping. Als Toursieger Jan Ullrich und dessen Team Telekom 2006 als Doper aufflogen, trennte sich Adidas von ihnen und ging auf Distanz zum Profi-Radsport. Zum ganzen Berufs-Radfahren? Das Sponsoring des britischen Teams Sky ging erst zu Ende, als dessen Kapitän Bradley Wiggins 2012 die Tour de France und das Einzelzeitfahren der Olympischen Spiele von London gewonnen hatte.

          Bedenken wegen der Nike-Spiele in Eugene

          Welche Bedenken also hat Adidas wirklich? Sebastian Coe, der neue Präsident, beeindruckt mehr mit Beharrungsvermögen als mit Engagement für Transparenz. Die Besetzung des Councils und die des hauptamtlichen Apparates sprechen nicht für Neubeginn. Diack ist immer noch Ehrenpräsident der IAAF. Und beim jüngsten Besuch in Qatar machte Coe deutlich, dass er von offensichtlich gekauften Stimmen bei der Wahl Dohas zur WM-Stadt 2019 nichts hören will.

          Coe selbst ist der Unsicherheitsfaktor: Er stimmte mit der Mehrheit des Councils im April 2015 aus heiterem Himmel für die Vergabe der WM 2021 nach Eugene in Oregon - ein Geschenk zum fünfzigjährigen Firmenjubiläum von Nike. Zur Feier wird der Adidas-Vertrag ausgelaufen sein. Doch einen Korruptionsfall Nike will Adidas auf keinen Fall auf seine Kappe nehmen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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