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Sportförder-Kommentar : Koste es, was es wolle

  • -Aktualisiert am

Der Sport fügt sich willig dem Geldgeber – aber um welchen Preis? Bild: dpa

Der Sport fügt sich willig seinem mächtigen Geldgeber. Doch das neue Förderkonzept sendet ein fatales Signal Richtung Athleten: Sieh zu, wie du an Medaillen kommst – egal zu welchem Preis.

          Warum eigentlich gibt es ein neues Spitzensportkonzept in Deutschland? Weil der organisierte deutsche Sport vor vier Jahren nach den Sommerspielen von London mehr Geld vom Bundesinnenministerium forderte: einen Aufschlag von 38 Millionen Euro pro Jahr zu den rund 150 Millionen. Andernfalls, so warnten Funktionäre, werde die Bundesrepublik aus der Spitzengruppe der erfolgreichsten Nationen absteigen. Deutschland hinter China, den Russen, den Amerikanern und nun sogar den Engländern? Gott bewahre, so durfte es nicht weitergehen. Wo käme die Sportnation denn hin?

          Nach der Vorstellung des neuen Goldschürferprogramms am Mittwoch im Sportausschuss des Bundestages sind sich Innenminister Thomas de Maizière und Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, nun sicher: Das Konzept werde dem Spitzensport mittelfristig wieder auf die Sprünge helfen. Weil es Schluss macht mit der Gießenkannenpolitik der vergangenen Jahrzehnte. Weil Verbände, Trainer und Athleten mit jeder Silbe der rund 60 Seiten starken Planung auf ein verschärftes Wertesystem getrimmt werden: Geld gibt’s nurmehr für die begründete Aussicht auf Gold. Das jedenfalls ist die Antwort des Innenministeriums auf den Schrei nach einer ausgeweiteten Unterstützung.

          In Zukunft werden die erfolgreichen Sportarten noch stärker gefördert, die aussichtsreichen bleiben im Boot, und die anderen müssen sich allein über Wasser halten. Ganze Sportarten, zumindest aber Disziplinen, fallen aus der Förderung und werden verschwinden. Vermutlich wird der gemeine Steuerzahler den Verlust nicht einmal bemerken und die Begründung von Staat und Sportführung begrüßen. Wer wollte nicht, dass Steuergeld so effizient wie möglich ausgegeben wird? Streichungen, Kürzungen, die Zusammenlegung von Olympiastützpunkten atmen den Geist einer stringenten Leistungsoptimierung. Insofern genügt das Konzept den Ansprüchen einer kühlen Wirtschaftlichkeitsprüfung. Die ersten Widersprüche von Athleten lassen aber erkennen, dass es längst nicht mehr reicht, mit Ausgaben und Einnahmen scharf zu kalkulieren, um im Spitzensport voranzukommen.

          Das neue Konzept gibt nur eine Antwort auf die Frage, wie der Sport im Machtkampf mit seinem mächtigsten Geldgeber reagiert und abgeschnitten hat. Fügsam. Wie aber sieht die Reaktion auf das Kernproblem des Leistungssports, das weltweite Doping-Problem, aus? Und warum wird die Bundesförderung weiterhin mit einem vorderen Rang in einem Medaillenspiegel verknüpft, der nichts aussagt über die Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft – aber umso mehr über ihre Manipulationsbereitschaft? Die Förderkriterien sind von diesen Kernthemen abgekoppelt worden. Insofern gibt es eine indirekte Antwort auf die Frage eines leistungsbereiten Athleten, der in einem von Doping verseuchten Sport nach Vorgaben des neuen Konzeptes keine Chance mehr bekommt, bei Olympia zu starten: Sieh nur zu, dass du eine Medaille gewinnen kannst, dann schicken wir dich auch zu den Spielen. Der Preis dafür ist – solange es nicht um Geld geht – kein Thema.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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