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Volleyball in Iran : Schleierhafter Weltverband

Iranischer Alltag: Volleyball-Match mit Männern und Frauen im Teheraner Norden Bild: Picture-Alliance

Die Weltliga-Spiele in Teheran zeigen: Fortschritt ist möglich, in ganz kleinen Schritten. Aber der Internationale Volleyball-Verband FIVB spielt Pinocchio und lässt die Iranerinnen weiter im Stich.

          2 Min.

          Die gute Nachricht: Iranerinnen haben am Wochenende in Teheran Volleyball geschaut. Haben am Freitag den 3:2-Sieg der iranischen Männer-Nationalmannschaft gegen Serbien in der World League gesehen, ein dramatisches Comeback nach 0:2-Satzrückstand; am Samstag das 0:3 gegen Italien und am Sonntagabend beim 3:2 gegen Argentinien. Die schlechte Nachricht: Iranerinnen mussten am Wochenende draußen bleiben, konnten keine Eintrittskarten kaufen, blieben ausgesperrt von den Spielen vor 12 000 Zuschauern in der „Asadi“-, der Freiheitshalle. Das faktische Verbot, das weiblichen Fans seit 2012 den Besuch von Volleyballspielen unmöglich macht, blieb in Kraft. Die Zuschauerinnen, die hineindurften, waren handverlesen, einige Dutzend, rund 80 bis 90 wohl, vor allem Angehörige des Teams und von Verbandsoffiziellen.

          Trotzdem war es ein Signal derjenigen, die eine Veränderung der Rolle der Frauen in der iranischen Gesellschaft und im Sport anstreben. Denn die Frauen waren, die Bekleidungsvorschriften der Islamischen Republik akkurat befolgend, wiederholt im Fernsehen zu sehen, auch der iranische Volleyballverband verbreitete in sozialen Netzwerken anschließend Bilder von ihnen, verbunden mit Dankbotschaften. Ein solcher Gruß ist ein Signal nach innen, an die Konservativen, die Hardliner, die Gewaltbereiten: Seht her, unsere Frauen waren endlich wieder hier - und hatten eine gute Zeit, ganz ohne Kernschmelze der Sitten.

          Und doch gibt es guten Grund für alle Iranerinnen, die wieder nur am Fernseher verfolgen durften, was auf dem Volleyballfeld passierte, sich mehr und mehr verschaukelt zu fühlen - vor allem vom Internationalen Volleyballverband FIVB, der zuvor mal wieder ein Ende des Frauen-Banns versprochen hatte. In den Weltliga-Tagen von Teheran war von der FIVB dazu nur noch die nachweislich falsche Behauptung zu lesen, 466 Karten seien an Frauen verkauft worden. „Wäre die FIVB Pinocchio, ihre Nase würde von Lausanne (dem Verbandssitz, d. Red.) bis Teheran reichen“, sagt eine Iranerin, die versucht hatte, Karten zu erstehen. So viel Humor muss man erst mal aufbringen, angesichts des Bildes, das die FIVB abgibt.

          Offenkundig unfähig, den Anspruch auf Gleichberechtigung der eigenen Verbandssatzung, großspurig Verfassung genannt, durchzusetzen, sind die Funktionäre, Veranstalter der Weltliga, nicht in der Lage, wahrheitsgemäß und zeitnah über das Auskunft zu geben, was beim eigenen Wettbewerb geschieht. Stattdessen wird suggeriert, alles, was in Iran passiere (oder eben nicht), sei, nun ja, orientalisch schleierhaft. Tatsächlich ist es kein großes Problem und deutlich leichter, von iranischen Quellen zu erfahren, was Sache in Sachen Volleyball in Teheran ist, als von dem Verband, der die Verantwortung für diesen Sport trägt. Und so müssen Iranerinnen, die sehnlichst auf einen Besuch in der Sportarena warten, ihre Hoffnung auf die zaghaften Reformversuche der Progressiven in der Politik setzen. Sie haben noch einen weiten Weg vor sich. Das mindeste, was sie von den Funktionären in Lausanne erwarten dürfen, ist eine klare Ansage, einen Plan, wie die FIVB gedenkt, diesen zu unterstützen. Aber nicht mal dazu war der Weltverband bislang fähig.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

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