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Kommentar : Die alte Krankheit des IOC

  • -Aktualisiert am

Thomas Bach ist inzwischen Präsident des IOC. Bild: dpa

Ein Sportfunktionär muss erst einmal verhaftet werden, bevor das IOC sich merklich rührt. Ohne Druck scheint nichts Ernsthaftes zu laufen. Aber das war nicht immer so. Thomas Bach wird sich daran erinnern.

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          Sportler sind fast immer jung. Die Korruption im Sport dagegen ist uralt. Darum lohnen sich gelegentliche Rückblicke. Besonders in diesen Zeiten, da der Bewerbungs- und Organisationschef von Rio 2016 hinter Gittern sitzt und die Staatsanwälte in Frankreich und Brasilien nicht lockerlassen im Bemühen, ein notorisches Bestechungs-Schema im Zusammenhang mit afrikanischen Wählerstimmen im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) aufzudecken. Rio 2016 soll dieses Netzwerk gefüttert haben, Tokio 2020 auch.

          Ja, was macht man da als IOC? Erst einmal abwarten, was die Behörden rauskriegen, war bisher das Motto von Präsident Thomas Bach. Akten anfordern. Und kein Kommentar zu den sich häufenden Fällen von Funktionären, die Gegenstand internationaler Ermittlungen geworden sind. Erst als die Polizei in Rio Carlos Nuzman abgeführt hatte, reagierte das IOC mit seiner Suspendierung als Ehrenmitglied und fror die Zahlungen an das Nationale Olympische Komitee Brasiliens ein, dessen Präsident er ist. Was wir daraus lernen? Ein Sportfunktionär muss erst einmal verhaftet werden, bevor das IOC sich merklich rührt. Ohne Druck scheint nichts Ernsthaftes zu laufen.

          Aber das war nicht immer so. Thomas Bach wird sich daran erinnern. Er selbst war Mitglied der Ad-hoc-Kommission, die Ende 1998 mit der Untersuchung der Bestechungsvorwürfe gegen IOC-Mitglieder im Zusammenhang mit der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2002 an Salt Lake City beauftragt wurde. Die hauseigenen Ermittler forderten in Salt Lake City Unterlagen an. Sie flogen in die Vereinigten Staaten, um zu recherchieren. Sie befragten die verdächtigen Mitglieder persönlich und gaben schließlich der Vollversammlung Empfehlungen ab. Zehn Olympier mussten gehen. Um dies und den folgenden Reformprozess zu legitimieren, stellte Bachs Vor-Vorgänger Juan Antonio Samaranch – eigentlich in Machtfragen nicht zimperlich – der Session im März 1999 die Vertrauensfrage, mit Erfolg. Das IOC unternahm enorme Anstrengungen, die verlorene Glaubwürdigkeit wiederzugewinnen. Als 2001 Jacques Rogge zu Samaranchs Nachfolger gewählt wurde, schien der Neuanfang gelungen.

          Wohlgemerkt: Auch das FBI untersuchte zwar die Vorgänge um Salt Lake City und es gab eine Anhörung Samaranchs im Kongress. Aber das IOC wartete damals nicht auf Stichworte von der Staatsanwaltschaft. Wieso es jetzt nicht offensiv werden kann? Das ist eine offene Frage. Damals, im Jahr 1999, wurde die Bestechungssumme, um die es ging, auf insgesamt 1,2 Millionen Dollar geschätzt. Heute beziffern die französischen Behörden allein das Geld, das in der Rio-Sache zwischen Brasilien und dem Mittelsmann Papa Massata Diack aus Senegal geflossen sein soll, auf mindestens zwei Millionen.

          Damals mussten sich IOC-Mitglieder wegen Jobs für den Sohn, einer Knie-Operation für die Schwiegermutter, des Kaufs von Bettvorlegern und Küchenausstattung rechtfertigen. Heute reden wir von Geldflüssen auf Offshore-Konten und Mahnschreiben per E-Mail. Doch schon die Untersuchung damals enthielt einen gravierenden Fehler. Sie konzentrierte sich auf Salt Lake City. So erholte sich das IOC zwar. Aber die Krankheit ist es nie losgeworden.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

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