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Kommentar zu Europaspielen : Haltung zeigen!

Die Haltung stimmt schon mal: Synchronschwimmerinnen beim Training Bild: dpa

Die Europa-Spiele im autokratischen Regime Baku haben begonnen – und manches gleitet ins Absurde ab. Der Sport muss laut und deutlich aufstehen gegen die Vereinnahmung.

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          Was sind die Europa-Spiele in Baku wert? Asad Rahimow, der aserbaidschanische Minister für Jugend und Sport, hat eine genaue Vorstellung: „Der Moment der Eröffnung ist der wichtigste Moment in der Geschichte Aserbaidschans.“ Der Satz fiel 24 Stunden vor der Eröffnung am Freitagabend auf einer Pressekonferenz in Baku, die bald darauf ins Absurde abglitt.

          Ali Hasanow, rechte Hand von Alijew in der Präsidialverwaltung, beantwortete eine Frage nach der Lage der Menschenrechte in dem Land, nach den politischen Gefangenen der Regierung Alijew, mit einer minutenlangen Tirade gegen „bestimmte Kreise“, die ein Interesse hätten, Aserbaidschan zu Fall zu bringen und deshalb in diversen Ländern ein Programm implementiert hätten. Er habe „präzise Informationen“. Als einige westeuropäische Sportfunktionäre davon erfuhren, kratzten sie sich den Kopf. Auf wen haben sie sich eingelassen?

          Gefolgschaft verweigern

          Auf ein autokratisches Regime, das einzige, das bereit war, die ersten Europa-Spiele binnen 30 Monaten zu organisieren und zudem Reise und Aufenthalt aller Funktionäre und Sportler bezahlt, aber keine Scham hat, unliebsamen Journalisten die Einreise zu verweigern: Das verstößt gegen den Geist der gültigen Olympischen Charta. Niemand darf das verwundern. Die Verschlechterung der Lage in Aserbaidschan war schon 2012 beim Eurovision Song Contest zu spüren. Dort soll Patrick Hickey, Vorsitzender des Europäischen Olympischen Komitees, Alijew von der Gastgeberrolle der ersten Europa-Spiele überzeugt haben.

          Drei Jahre später, während der Bundestag die Repressionen des aserbaidschanischen Regimes verurteilte, empfahl der Ire Alijew als Gastgeber Olympischer Spiele. Trotz der Verhaftungen. Trotz der Einreiseverbote. Trotz kruder Verschwörungstheorien. Wollen Europas Sportler, Europas Funktionäre Hickey und Alijew tatsächlich folgen?

          Merkwürdige Sportgemeinschaft: Patrick Hickey (r.) im Gespräch mit dem aserbaidschanischen Sportminister Azad Ragimov

          So darf es nicht weitergehen. In der vergangenen Woche hat Christian Schreiber, der Sprecher der deutschen Sportler, in einem bislang einzigartigen Statement die Freilassung der politischen Gefangenen in Aserbaidschan und „zwingend“ eine größere Rolle für die Menschenrechtsfrage bei der Vergabe von Sportgroßveranstaltungen gefordert. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) steht hinter Schreiber.

          Die Eröffnung der ersten Europa-Spiele durch Ilham Alijew, der Protz, die Propaganda, die Verhaftungen und Repressionen eröffnen der DOSB-Führung eine Chance: Laut und deutlich für die eigene Haltung zu werben, um Gleichgesinnte zu finden. So hat es auch Khadija Ismajilowa, erst erpresste, dann inhaftierte Journalistin und Alijew-Kritikerin, in einem offenen Brief zum Tag der Eröffnung gefordert: „Seid laut, seid öffentlich. Kämpft für das Recht.“ Funktionäre, die das tun, erweisen ihrer Sache, dem Sport und den Sportlern den weit besseren Dienst als es Alijew, dessen Geld und dessen Werber Hickey tun.

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