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Kommentar : Sportler als Instrumente

  • -Aktualisiert am

Nach den jüngsten Erkenntnissen in der Stasi-Sache Ingo Steuer wäre viel gewonnen, wenn Sein Eiskunstlaufpaar Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy bei den Olympischen Spielen vor allem für sich und niemand sonst liefe.

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          Ingo Steuer hat in den vergangenen Tagen beinahe gebetsmühlenartig darum gebeten, daß das Nationale Olympische Komitee (NOK) seinen Fall "im Sinne der Sportler" entscheide. Daß er seinen Stasifall auch juristisch mit den Namen seines Paars verband, hat er indes nicht gesagt. Nun aber kommt heraus, daß nicht nur der Trainer, sondern auch Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy, die Zweiten der Eiskunstlauf-Europameisterschaft, den Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung gestellt haben, demzufolge Steuer das Paar bei den Winterspielen in Turin betreuen soll. Dem Antrag hat das Berliner Landgericht am vergangenen Freitag stattgegeben. Zum Wohle der Sportler, versteht sich.

          Daß Steuers Athleten ihrem Chef auch auf dem Rechtsweg "Amtshilfe" leisteten, mag aus ihrer jugendlich-unbeschwerten und emotional geprägten Sicht verständlich sein. Dennoch ist dieses Procedere, das Steuer der Öffentlichkeit bisher vorenthielt, zumindest fragwürdig. Schließlich geht es allein um Steuers Vergangenheit zu DDR-Zeiten und das Ausmaß seiner Spitzeldienste für die Staatssicherheit. Eben deshalb hat das NOK im Einklang mit den Erkenntnissen der Birthler-Behörde und der Empfehlung der unabhängigen Stasi-Kommission des deutschen Sports den Trainer aus dem Betreuerteam für Turin gestrichen - und nun Widerspruch gegen den Erlaß der Verfügung eingelegt.

          Falls Steuer aber in seinem juristischem Kampf um Rehabilitierung eine Sportlerin, die erst vor knapp drei Wochen eingebürgert worden ist, instrumentalisiert haben sollte, wäre seine Verteidigungsstrategie bedenklich. Aljona Sawtschenko kennt sich als der deutschen Sprache nur bedingt mächtige frühere Ukrainerin im Rechtswesen ihres neuen Heimatlandes überhaupt nicht aus. Und doch war sie dabei, als es galt, Unterschriften für ihren Trainer zu sammeln. Ob sich Ingo Steuer so nachträglichen Vertrauenskredit für den Herzenswunsch, noch einmal zur olympischen Familie zurückzukehren, erwarb?

          Der ehemalige Sportstar hat so etwas wie einen "Sechser" im Lotto gewonnen, als 2003 die ukrainische Junioren-Weltmeisterin Sawtschenko in Chemnitz aufkreuzte, um dort mit Szolkowy und Steuer als Mann hinter der Bande ihr neues Glück zu finden. Daß der nun von den Schatten seiner willfährig geprägten Vergangenheit im Umgang mit der Stasi eingeholt wird, ist der eine Teil einer Geschichte der Abhängigkeit. Mit der schwarz auf weiß sichtbaren Unterstützung seines Paars auch juristisch fürs erste besser voranzukommen, ist der andere Teil. Sawtschenko/Szolkowy haben mitgespielt, weil sie ihren Trainer in Turin unbedingt dabei haben wollen. Das eindeutig hervorzuheben, hätte es keines formellen Antrags im Dreierpack beim Berliner Landgericht bedurft. "Das Paar läuft für mich", hat Steuer noch am Montag gesagt - für den Fall, daß ihm die Akkreditierung für Turin versagt bleibe. Nach den jüngsten Erkenntnissen in der Stasi-Sache Steuer wäre viel gewonnen, wenn das Paar bei den Spielen vor allem für sich und niemand sonst liefe.

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