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Kommentar : Programmsuche

  • -Aktualisiert am

Was die Fusion von DSB und NOK dem olympischen Spitzensport bringt, bleibt abzuwarten. Mit dem Ruf nach mehr Medaillen begann diese Fusionsdebatte. Feststehen dürfte, daß der Breitensport nicht leiden wird.

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          Wenige Stunden vor der Geburt sagen die Eltern, daß sie sich in den kommenden Monaten noch überlegen müssen, was sie mit diesem Kind anzustellen gedenken. Bis dahin wollen sie viel mehr als den Namen nicht preisgeben. Das ist doch Quatsch, oder? Leider nicht.

          In Frankfurt geht an diesem Samstag die Nachkriegsordnung des deutschen Sports zu Ende: 16 Jahre nach der Vereinigung der Verbände der Bundesrepublik und der DDR verschmelzen der Deutsche Sportbund und das Nationale Olympische Komitee zum Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Eine von vielen als unumgänglich bezeichnete Zäsur. Ein historischer Tag. Aber eine "Regierungserklärung" will der künftige DOSB-Präsident Thomas Bach erst dann abgeben, wenn der Vorstand gemeinsam die Richtung des DOSB festgelegt habe. Eine Klausurtagung Ende des Monats solle zur Positionierung genutzt werden. Und aus der Verwaltung der in Kürze aufgelösten alten Dachverbände heißt es, eine Geschäfts- und Finanzordnung könne sich der DOSB erst geben, wenn das neue Präsidium Vorstellungen über seine künftige Arbeitsweise entwickelt habe. Ja, kommt denn diese Fusion aus heiterem Himmel? Eben nicht. Sie ist länger als ein Jahrzehnt diskutiert und nun eineinhalb Jahre lang vorbereitet worden.

          In den vergangenen Tagen mehren sich deshalb Stimmen, die klare Bekenntnisse einfordern, mit welchem Verständnis von der Rolle des Sports in unserer Gesellschaft dieser DOSB antritt. Erst müßten Strukturen und Satzungen stehen, hieß es am Anfang des Fusionsprozesses, bevor man über Köpfe rede. Jetzt hat man Paragraphen und Personen für die Ehrenämter, aber kaum Programmatisches. Das DOSB-Präsidium will Aufsichtsrat sein für eine effiziente, schlagfähige Sportverwaltung. So weit, so wenig. Gegen Bach richtet sich Kritik, weil die Wahlversammlung an diesem Samstag nur sein Personal durchwinken soll. Der formell wichtigste, weil für den lahmenden Leistungssport zuständige Mitarbeiter, Eberhard Gienger, steht unter Beschuß, weil er sich zumindest fahrlässig über die Dopingproblematik geäußert und sich so als Leichtgewicht in der sportpolitischen Debatte entlarvt hat. Er soll Mitglied werden in einem Gremium, das sich unter anderem vorgenommen hat, den Dialog zu allen gesellschaftlichen Gruppen, vor allem aber zu Politik und Wirtschaft zu intensivieren.

          Als Mitglied des Bundestagssportausschusses hat CDU-Hinterbänkler Gienger zu viel geschwiegen, um nun plötzlich als wortreicher Ideengeber gelten zu dürfen. Für sein Spitzensportkonzept steht im Hintergrund übrigens sein alter Trainer und Turn-Stratege Eduard Friedrich - ein Mann vom Fach, aber auch ein Mann für die Zukunft? In der Jugendmode mag die Retrowelle der sechziger, siebziger und achtziger Jahre ja ganz lustig sein, aber in der Sportführung? Bach, dessen Image von den extremen Polen glatt bis jovial reicht, wagt derzeit gar keine Festlegung mehr. Auch zu den Schwächen Giengers hat er leider nichts gesagt.

          Was die Fusion dem olympischen Spitzensport bringt, bleibt abzuwarten. Mit dem Ruf nach mehr Medaillen begann diese Fusionsdebatte. Feststehen dürfte, daß der Breitensport mit bald 28 Millionen Mitgliedschaften in 90.000 Vereinen - man muß diese eindrucksvollen Zahlen gelegentlich wiederholen - unter der Neuordnung nicht leiden wird. Deshalb muß man sich vor dem Kind nicht fürchten, das an diesem Samstag geboren wird.

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