https://www.faz.net/-gtl-8cfc3

Leichtathletik-Kommentar : Schlimmer als die Fifa

  • -Aktualisiert am

Der frühere IAAF-Präsident Lamine Diack steht im Mittelpunkt des Skandals. Bild: AFP

Die Korruption im Fußball-Weltverband ist abstoßend. Im Doping-Skandal der Leichtathletik aber gehen skrupellose Betrüger und raffgierige Funktionäre noch einen Schritt weiter. Es ist ein Verbrechen an der Jugend der Welt.

          1 Min.

          Der Doping-Skandal der Leichtathletik ist viel schlimmer als die abstoßende Korruption im internationalen Fußball. Denn im Unterschied zu armseligen Spitzenfunktionären des Fußballs sind die skrupellosen Betrüger, Manipulateure und raffgierigen Funktionäre der Leichtathletik noch einen Schritt weiter gegangen. Sie haben sich auf Kosten der Athleten bereichert. Das gilt indirekt sicher auch für das Blatter-System im Weltsport Fußball.

          Aber vorerst ist (noch) nicht zu erkennen, dass die Herren des Fußballs Spieler größten Gefahren ausgesetzt haben, um im Luxus schwelgen zu können. Für die Spitze des Welt-Leichtathletik-Verbandes (IAAF) ist das bewiesen. Die Aufklärer sprechen von einem „Versagen“ derer, die Athleten schützen sollen. Aber das ist eine üble Verharmlosung. Der Apparat des Präsidenten hat Doping gefördert und das System mit kriminellen Taten gestützt. Das ist ein schweres Verbrechen an jungen Menschen.

          Doper sind für sich selbst verantwortlich. In der Regel zwingt sie niemand, verbotene Stoffe zu nehmen. Aber an der Entwicklung vom sportbegeisterten Jugendlichen zu einem professionellen Betrüger lassen sich die Abhängigkeiten leicht ablesen. Die Sportler sind eingebettet in eine System, dass ihnen die Wahl schon schwer macht, wenn sie von integren Trainern und Funktionären umgeben sind.

          Weil sie ab einem gewissen Niveau in jeder Arena auf Gegner stoßen, bei denen sie eine Manipulation vermuten müssen. Sie haben zu viel Erfahrung mit Leistungsentwicklungen, um Sprünge und andere Indizien für eine Manipulation nicht auf Anhieb erkennen zu können. Wenn aber der Spitzenverband den Kopf des Betruges bildet, dann ist es unverantwortlich, des Dopings überführte Athleten zu brandmarken und zu isolieren als Schwarze Schafe. Sie sind viel mehr Opfer als Täter.

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Viele von ihnen erkennen das nicht. Im schlimmsten Fall werden sie erst nach Jahrzehnten verstehen, welche Rolle ihnen in diesem schmutzigen Spiel zu Teil wurde. Denn Doping vernichtet ja nicht nur den Geist des Sports, sondern auf Dauer häufig auch den Körper des Athleten. Das Elixier ist ein tückisches Gift, das ehedem Kerngesunde in Schwerkranke, Hoffnungslose und dann auch noch Alleingelassene verwandelt. Dass deutsche Sportfunktionäre nun empört Reformen fordern, klingt gut.

          Aber während das Treiben der IAAF und in Russland entrüstet beklagt wird, verweigert der Deutsche Olympische Sportbund eine angemessene finanzielle Hilfe für die von elenden Schmerzen und lebensbedrohlichen Krankheiten gequälten Opfer des deutschen Dopings. Auch das ist ein Skandal.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Weitere Themen

          Anti-Olympia-Proteste halten an Video-Seite öffnen

          Gegen Corona-Ausbreitung : Anti-Olympia-Proteste halten an

          In Tokio sind am Sonntag erneut etwa Hundert Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die Ausbreitung zu demonstrieren. Die Zahl der positiven Tests steigt weiterhin stetig an.

          Marokkaner bricht Kenianer-Serie

          Leichtathletik : Marokkaner bricht Kenianer-Serie

          Seit 1984 hatte stets ein Kenianer über 3000 Meter Hindernis Gold gewonnen. Nun bricht Soufiane El Bakkali die Serie. Die Niederländerin Sifan Hassan erfüllt Teil eins ihrer dreifachen Gold-Mission.

          Topmeldungen

          Klischee übererfüllt: Lucas und Dennis aus Dortmund feiern am Strand von Arenal.

          Tourismus : Keiner will die Billigurlauber

          Der Partytourist gerät in Misskredit: Viel saufen und wenig zahlen, das wollen viele Staaten nicht mehr. Hinzu kommt der Klimaschutz. Naht das Aus für den billigen Partytourismus?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.