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DOSB-Führung : Keine Zeit für lahme Enten

  • -Aktualisiert am

Alfons Hörmann wird sich nicht um eine Fortsetzung seiner Amtszeit bewerben. Bild: dpa

Für das Wohl der Basis wie der Spitze braucht der DOSB nach Hörmanns Rückzug eine starke, kluge Führung. Der Sport muss im Ranking der gesellschaftspolitischen Kräfte dringend aufholen.

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          Alfons Hörmann ist als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) Geschichte. Er wird sich bei einer außerordentlichen Neuwahl während der Mitgliederversammlung Anfang Dezember nicht um eine Fortsetzung seiner Amtszeit bewerben. Die Opposition des Allgäuers atmet nach dieser Entscheidung vom Mittwoch auf.

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          Unterstützer Hörmanns ziehen rhetorisch den Hut. Allein die extrem auseinanderklaffenden Reaktionen zeigen, wie nötig es war, dem Hin und Her der vergangenen Tage ein Ende zu bereiten. Der deutsche Sport ist zutiefst gespalten. Und in dieser Verfassung quasi führungslos, jedenfalls nicht so arbeitsfähig, wie er sein müsste.

          Vollkommen unabhängig von der Frage, wie ausgeprägt die „Kultur der Angst“ im DOSB nicht allein in der Frankfurter Zentrale sein mag, bot die Führung des Dachverbandes nicht nur zuletzt eine Streitlinie, die sich quer durch alle Arbeitsgebiete zog; sowohl in der Innen- als auch in der Außenpolitik. Das Bundesinnenministerium als wichtigster Geldgeber sah skeptisch nach Frankfurt, das Internationale Olympischen Komitee liegt im Streit mit der DOSB-Spitze, große wie kleinere Mitgliedsorganisationen wollten den Weg partout nicht mehr mitgehen.

          Hörmann fehlte die Fantasie

          Ob der aussichtsreiche Kanzlerkandidat Armin Laschet, im Gegensatz zu Angela Merkel ein Freund des gesamten Sports, mit Hörmann noch einmal warm geworden wäre nach dem Theater um die Bewerbung von Rhein-Ruhr, darf bezweifelt werden. Laschet hat aber viel Fantasie für Olympische Spiele 2036 etwa im Ruhrgebiet. Hörmann fehlte sie, wie er Anfang März erklärte. Ein Sportchef, der lautstark Olympia in der Heimat streicht?

          Das ist wenigstens kurios. So wie die halbjährige Übergangsphase mit Hörmann an der Spitze. Es spricht zwar viel für einen geordneten Übergang. Aber in diesen Zeiten vielmehr für einen schnellen Rückzug Hörmanns. Seine Leidenschaft, mitmischen zu wollen, kann für den wichtigsten, schwierigsten Schritt des deutschen Sports seit Jahrzehnten nicht hilfreich sein: nämlich zügig eine Führungsperson zu finden, die einen kann, die alle Gräben zuschüttet, die in der Lage ist, die geballte Kraft der größten Mitgliederorganisation gewinnbringend einzusetzen.

          Dabei geht es um viel mehr als um die Erhöhung der Spitzensportförderung durch den Bund oder um Olympische Spiele. Die Pandemie hat dem organisierten Sport vor Augen geführt, wo er steht im Ranking der gesellschaftspolitischen Kräfte. Als es darum ging, Kinder und Senioren wieder in Bewegung zu bringen, vertretbare Öffnungen durchzusetzen, ignorierte Berlin den DOSB mehr oder weniger.

          Das Spiel ist, weil uns die Pandemie weiter begleiten wird, noch nicht vorbei. Und andere schwere Aufgaben stehen vor der Tür. Nach Olympia in Tokio wenige Monate später die Winterspiele in Peking, höchst umstritten, politisch aufgeladen. Für das Wohl der Basis wie der Spitze braucht der DOSB schnell eine starke, kluge Führung. Er kann es sich keinen Tag mehr leisten, von einer „lame duck“ geführt zu werden.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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