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Kinofilm „Dirty Games“ : Tödliche Gier in der Welt des Sports

Eomar Freitas gähnt herzhaft, als er in „Dirty Games“ seinen ersten Auftritt hat. Es ist eine weitere trübe Nacht in diesem Film, dunkel wie in Kathmandu ist es auch im kleinen, leeren Ausschank in der Nähe des Maracanã-Stadions. „Auf Grund der WM wurden wir umgesiedelt und vertrieben“, erzählt Freitas. „Aus unseren Häusern, von unserer Arbeit, von unseren Einkommen.“ Wo er wohnte, sollte ein Parkplatz für das berühmte Stadion entstehen. Best aber folgt ihm mit der Kamera durch das, was geblieben ist von seinem einstigen Heim. „Aus einer Laune heraus hat der Bürgermeister entschieden, dieses Stadtgebiet räumen zu lassen“, erzählt Freitas.

„Dann sehen wir nur noch den Glanz“

In den Ruinen erinnert er sich, wie er zunächst versuchte auszuharren und schließlich gefesselt war ans eigene Haus, denn wenn er gegangen wäre, „ins Kino, eine Pizza essen“, wären die Räumtrupps angerückt. „Das war Psychoterror. Drei Jahre lang war ich gefangen in meinem eigenen Haus.“ Der Parkplatz ist bis heute nicht gebaut, warum, weiß womöglich Eduardo Paes, aber Eomar Freitas gibt der Bürgermeister seine Laune nicht preis. In den Ruinen seines Hauses, auf dem Parkplatz, der nicht mehr wird, hausen nun Crack-Junkies. Das ist der Preis, den Freitas gezahlt hat für die Fußball-Weltmeisterschaft.

Benjamin Best, 2011 von CNN zum „Journalist of the year“ gekürt, ist Regisseur und Produzent des Films, der unter anderen auf Festivals in New York, Hollywood und London ausgezeichnet wurde. Den Sport sieht er als „Geldmaschine“, als „wahnsinniges System“, das deshalb so gut funktioniere, weil seine Konsumenten, die Zuschauer, „nicht mehr nachdenken, wenn der Ball rollt“. „Dann sehen wir nur noch den Glanz“, sagt Best, „das Umfeld, in dem der Sport stattfindet, wird komplett ausgeblendet: Die Toten, die Menschenrechtsverletzungen, der Betrug.“

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Und insbesondere zu Letzterem hat „Dirty Games“ dann durchaus weniger Bekanntes zu bieten. In Boston, natürlich bei Nacht, trifft sich Best mit Charles Farrell, einem ehemaligen Box-Manager, der sich aus „komplexen Gründen“ von dem Geschäft zurückgezogen hat, unter anderem, weil ihm die eigene körperliche Unversehrtheit wichtig war. „Hunderte Kämpfe“ habe er selbst manipuliert, sagt Farrell, der früher Schwergewichtsweltmeister Leon Spinks betreute. Farrell erzählt, wie banal es ist, das Geschehen im Ring in die gewünschte Richtung zu lenken.

„Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten“ sei das. Wie das Wissen, dass Peter McNeely im August 1995 in weniger als neunzig Sekunden gegen Mike Tyson k.o. gehen würde, das Collegestudium seines Sohnes finanzierte. In Sekunde 89 trat McNeelys Coach Vin Vecchione in den Ring. „Vecchione wusste, dass man ihm nichts nachweisen durfte“, erzählt Farrell, „Tyson war die Maschine, die das Boxen am Laufen hielt. Keiner verdiente mehr Geld als er. Alles musste sauber sein. Und Vecchione wusste das.“

Gibt es gar kein Licht mehr im Sport?

Die Maschinen müssen laufen wie geschmiert, in aller Welt. „Dirty Games“ lässt einen ehemaligen NBA-Schiedsrichter erzählen, wie Basketball-Superstars deshalb Sonderbehandlungen erfahren. Senol Günes, soeben mit Besiktas türkischer Fußball-Meister geworden, sagt: „Beim Fußball schauten früher die Reichen zu. Heute spielen die Reichen, während die Armen zuschauen.“ Und die Mächtigen entscheiden, was Betrug ist. Als Trainer von Trabzonspor hatte Günes im Frühjahr 2011 neun Punkte Vorsprung auf den beliebtesten Klub der Türkei verspielt, SK Fenerbahce. Die Polizei ermittelte, dass Spiele in Fenerbahces Sinn manipuliert worden waren. Die Konsequenz? „Wir hatten eine Leiche und einen Mörder“, sagt Günes. „Weder haben wir die Leiche begraben noch den Mörder verurteilt.“ Fenerbahce-Präsident Aziz Yildirim und andere zunächst Verurteilte wurden im Herbst 2015 vom 13. Istanbuler Sondergericht freigesprochen. Die Vorwürfe seien ein Teil der Verschwörung der Gülen-Bewegung gegen die Türkei unter Präsident Tayyip Erdogan.

Kein Licht mehr im Sport? Zuletzt zeigt Best die Fans des FC United of Manchester. Sie hatten, auch das ist schon öfter erzählt worden, einst Manchester United den Rücken gekehrt, weil sie von der Kommerzialisierung der Premier League genug hatten. Und sie haben einen Parkplatz, direkt neben dem selbstgebauten Stadion. Ein Pfund kostet es, das eigene Auto für die Dauer des Spiels abzustellen. Eomar Freitas wird dort nie parken.

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