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Kindesmissbrauch im Sport : „Müssen Mädchen und Jungen viel besser schützen“

Missbrauch im Sport kann viele Facetten haben. Bild: dpa

Der Sport ist laut Bundesregierung in der Pflicht, Kindern besseren Schutz vor sexualisiertem Missbrauch zu bieten. Denn: „Dunkelfeldstudien zeigen die doppelte Häufigkeit der Taten im Sport im Vergleich zu den beiden Kirchen.“

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          Der Sport ist aufgefordert, sich stärker als bisher gegen sexuellen Missbrauch zu engagieren. „Ich sehe den Sport seit Jahren in der dringenden Pflicht, Mädchen und Jungen viel besser vor sexuellen Grenzverletzungen, Übergriffen und der Machtausübung von Trainern zu schützen“, sagte Johannes-Wilhelm Rörig, der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung, am Donnerstag in einer Pressekonferenz von Familienministerin Franziska Giffey, in der diese eine Aufklärungs- und Sensibilisierungskampagne ankündigte.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Es ist sehr schwer, mit den einzelnen Spitzenverbänden Verbindlichkeit zu erzeugen“, fuhr Rörig fort. „Zum einen fehlt es an Kompetenz, zum anderen fehlt es an Geld für die Einführung von Schutzmaßnahmen.“ Es gebe allerdings immer wieder Einzelinitiativen im Breitensport, etwa bei den Großvereinen mit zum Teil einigen zehntausend Mitgliedern.

          Auch der Ärztliche Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm, Professor Jörg Fegert, forderte: „Der Sport hat sowohl im Breitensport wie im Leistungssport Hausaufgaben zu machen, weil ein privilegierter Zugang zu Kindern da ist. Diesen kann man für Gutes nutzen, deshalb darf man den Sport nicht verteufeln. Aber dies ist natürlich auch eine Herausforderung.“

          Fegert verwies auf die Studie „Safe Sport“, die er in Zusammenarbeit mit der Deutschen Sporthochschule Köln und der Deutschen Sportjugend 2016 veröffentlichte. Demnach hatte rund ein Drittel von 1800 telefonisch befragten Kadersportlerinnen und -sportlern aus 128 Sportarten und 57 Sportverbänden im Sport sexualisierte Gewalt erfahren. „Die Abhängigkeitsverhältnisse von Trainern und die Erpressbarkeit der Eltern sind im Sport immens“, sagte Fegert am Donnerstag. „Dunkelfeldstudien (...) zeigen die doppelte Häufigkeit der Taten im Sport im Vergleich zu den beiden Kirchen.“

          Sport biete aber auch, und deshalb sei er für die Therapie so bedeutsam wie als Problemfeld, Schutzräume, in denen Kinder und Jugendliche Freunde fänden und Verständnis. Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs unter dem Vorsitz von Sabine Andresen wendet sich seit Mai dem Sport zu.

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