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Kieler Handballprozess : „Keinen Beweis erbracht"

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Uwe Schwenker (l.) und Zvonimir Serdarusic: „Geschehen vorausgesetzt, dass es nicht gegeben hat“ Bild: dpa

Viereinhalb Jahre nach dem angeblich verschobenen Champions-League-Finale ist ein Ende des Kieler Handball-Prozesses in Sicht. Am Donnerstag wird das Urteil erwartet.

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          Im Prozess gegen die ehemaligen Verantwortlichen des Bundesliga-Handball-Klubs THW Kiel, Manager Uwe Schwenker und Trainer Zvonimir Serdarusic, haben die Verteidiger am Montagnachmittag wie erwartet Freisprüche gefordert. „Die Hauptverhandlung hat keinen Beweis für die Schuld Uwe Schwenkers erbracht“, sagte dessen Verteidiger Michael Gubitz zu Beginn seines knapp einstündigen Plädoyers vor der Fünften Großen Strafkammer des Kieler Landgerichts. Es gebe keine Beweise dafür, dass Schwenker über den kroatischen Mittelsmann Nenad Volarevic versucht habe, die polnischen Schiedsrichter des Champions-League-Rückspiels im April 2007 zwischen dem THW Kiel und der SG Flensburg zu bestechen: „Es wurde hier vor Gericht ein Geschehen vorausgesetzt, dass es nicht gegeben hat.“

          Gubitz kritisierte Oberstaatsanwalt Axel Goos, der bei seinem Plädoyer am vergangenen Mittwoch eine Haftstrafe auf Bewährung für Schwenker und Serdarusic geforderte hatte. Goos habe den gesamten Prozess über nachweisen wollen, dass die Kieler Staatsanwaltschaft besonders frei von Beeinflussung auch gegenüber dem „überregionalen Schlachtschiff“ THW agieren könne. Gubitz bemühte sich, die Glaubwürdigkeit Jesper Nielsens in Zweifel zu ziehen. Nielsen, der ehemalige Gesellschafter der Rhein-Neckar Löwen, war der wichtigste Zeuge der Anklage, weil er bereits zu einem frühen Zeitpunkt von Schwenker erfahren haben will, dass es den Versuch der Schiedsrichterbestechung seitens des THW gegeben habe. Die Angeklagten seien extremen Belastungen ausgesetzt gewesen, sagte Gubitz.

          Serdarusics Verteidiger Marc Langrock nahm Bezug auf die vermeintlich verschobene Partie im April 2007. „Das Spiel ist sauber und fair geleitet worden. Das haben verschiedene Untersuchungen ergeben. Dazu waren die Zeugenaussagen der Schiedsrichter absolut glaubwürdig“, sagte er. Die Unparteiischen hatten im Zeugenstand gesagt, niemals Bestechungsgelder angenommen zu haben. Die 92.000 Euro, die Volarevic vom THW bekommen habe, seien nachweislich für eine Spielervermittlung und Scouting-Aufgaben auf dem Balkan verwendet worden, sagte Langrock.

          Da es den Straftatbestand des Sportbetrugs in Deutschland nicht gibt, hatte die Strafkammer einer Anklage zugestimmt, die auf Betrug, Bestechung im geschäftlichen Verkehr und Untreue lautet. Gubitz und Langrock kritisierten, dass es überhaupt zu dieser Anklage gekommen sei. Der Vorsitzende Richter Matthias Wardeck kündigte das Urteil für diesen Donnerstag an.

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