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„Supertreibstoff“ für Sportler : Experimente mit Athleten unter strengster Geheimhaltung

In Blutproben nicht nachweisbar: Keton-Ester Bild: dpa

Ist der Aufschwung des britischen Sports, besonders des Radsports, auch auf den Einsatz von Keton-Estern zurückzuführen? Offenbar wurde mit der Substanz intensiv getestet.

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          Die Boulevardzeitung „Mail on Sunday“ berichtet über Versuche mit 91 britischen Top-Athleten vor den Olympischen Spielen von London 2012. Unter strengster Geheimhaltung nahmen diese die Substanz in dem Getränk „DeltaG“ ein, um ihre Effekte festzustellen. Leistungssteigerungen von ein bis zwei Prozent seien nachweisbar gewesen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der für das Projekt zuständige Mediziner Dr. Scott Drawer wechselte in der Folge von UK Sport, der Agentur für die Spitzensportförderung in Großbritannien, zum Radsportteam Sky, dessen Fahrer in den vergangenen acht Jahren siebenmal die Tour de France gewannen. Team GB gewann bei den Sommerspielen von London 65 Medaillen, davon 29 goldene, übertroffen lediglich von den Vereinigten Staaten und China. Zwölf Medaillen (acht Olympiasiege) gingen an britische Radrennfahrer, neun (vier) an Ruderer – in beiden Sportarten wurde die Substanz getestet.

          „Supertreibstoff für ernsthafte Athleten“

          Ob Ketone bei den Spielen eingesetzt wurden, ist laut der Zeitung unklar. Offenbar fürchteten die Verantwortlichen schlimmste Konsequenzen. Athleten mussten Haftungsausschlüsse sowohl für gesundheitliche Folgen wie für positive Doping-Tests unterschreiben sowie sich verpflichten, niemals über das Experiment zu sprechen.

          Die Medizinprofessorin Kieran Clarke aus Oxford leitete die Studie. Das Unternehmen TdeltaS, dessen Aufsichtsrat sie vorsitzt, vermarktet Keton-Ester als „Supertreibstoff für ernsthafte Athleten“. Clarke veröffentlichte 2012 eine Studie zur Nutzung von Ketonen; diese beruht nicht auf der Untersuchung der 91 Top-Athleten, sondern auf 54 Probanden.

          Ketone entstehen bei Unterversorgung mit Kohlenhydraten in der Leber und regen die Verbrennung von Fettreserven an. Sie gelten nicht als Doping-Mittel und sind im Sport nicht verboten. Die Nutzbarmachung von Ketonen gilt als vierte Art der Energieversorgung neben Kohlenhydraten, Fett und Proteinen. Laut Professor Fritz Sörgel, dem Leiter des Instituts für biomedizinische und pharmazeutische Forschung in Nürnberg, gelingt durch den Einsatz des Keton-Esters die Überwindung der Magen-Darm-Barriere, das heißt, sie ermöglicht hohe Dosierungen. Der pharmakologische Stoff überliste den Körper. Deshalb müsse die Welt-Anti-Doping-Agentur, fordert Sörgel, über ein Verbot nachdenken. Das Problem: Ketone sind nicht nachweisbar.

          Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) teilt mit, dass sie es für kritisch halte, „wenn Sportlerinnen und Sportler früh lernen, Graubereiche auszutesten und damit in einem Gefühl bestärkt werden, nur eine gute Leistung bringen zu können, wenn man eine Vielzahl von Nahrungsergänzungsmitteln ausprobiert“.

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