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Im Gespräch: Wolfgang Maennig : „Keine öffentlichen Gelder für Olympia!“

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„Olympia ja, aber ohne Geld aus den Stadthaushalten“ - Als Modell gibt es das Hamburger OIympiastadion schon samt Zuschauern Bild: dpa

Der mögliche deutsche Bewerber um die Olympischen Spiele 2024 muss mit Boston in Konkurrenz treten. Umso wichtiger sind die Anregungen von Wolfgang Maennig. Der Ruder-Olympiasieger plädiert im F.A.Z.-Interview für eine Bewerbung ohne Belastung der Steuerzahler.

          Die Vereinigten Staaten haben sich für Boston als Kandidaten für die Olympischen Spiele 2024 entschieden. Damit steht einer der Hauptkonkurrenten einer möglichen deutschen bewerbung fest. Nach Bürgerbefragungen im Frühjahr in Hamburg und Berlin soll diskutiert werden, ob sich eine der beiden deutschen Städte bewirbt.

          Wolfgang Maennig, Ruder-Olympiasieger von 1988 und heute Professor für Wirtschafstwissenschaften, plädierte in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vor Weihnachten 2014 dafür, die Bewerbung ohne Belastung der Steuerzahler zu finanzieren, um die zuletzt geringe Akzeptanz eines Olympiaprojekts zu erhöhen.

          Die Deutschen sind sportbegeistert. Warum lassen sie sich für die Spiele nicht erwärmen?

          Wenn ich die gescheiterten Bewerbungen Revue passieren lasse und die jetzigen Bemühungen betrachte, sehe ich zwei Problembereiche: Führungspersonal und Finanzen. Wir haben die allgemeine Wahrnehmung knapper öffentlicher Finanzen. Wenn an Schulen, Springbrunnen und Bibliotheken gespart werden muss, ist schwer zu vermitteln, dass wir bis zu 50 Millionen Euro für die Olympiabewerbung brauchen, und eventuell müssen wir sie in vier Jahren für eine zweite Bewerbung (2028) wiederholen. Wenn die Spiele kommen, werden angeblich bis zu sechs Milliarden fällig. Richtige Kostenschätzungen gibt es ja noch nicht. Viele Bürger akzeptieren das nicht.

          Sie sollen zu knickerig sein für große Events?

          Nein, aber sie wollen nicht, dass die Olympischen Spiele den Steuerzahler so viel Geld kosten. Niemand hat etwas dagegen, wenn die Champions League in Berlin stattfindet oder die Rolling Stones im Olympiastadion spielen - privat finanziert. Am Ende wollen sogar mehr dabei sein, als ins Stadion können.

          Sie fordern, Olympische Spiele in Deutschland privat zu finanzieren?

          Ja, damit würde die Zustimmung schlagartig steigen. Die Organisationskosten betragen zweieinhalb bis drei Milliarden Euro. Diese sogenannten OCOG-Ausgaben sind in den letzten Dekaden immer durch Olympia-Einnahmen finanziert gewesen. Das IOC gibt einen Beitrag aus den Sponsoren- und Fernseheinnahmen. Es bemisst den Betrag so, dass jeder, der vernünftig wirtschaftet, Olympische Spiele ohne Defizit organisieren kann. Seit der Agenda 2020 könnten Berlin und Hamburg mindestens eine Milliarde Euro erwarten.

          Das reicht nicht.

          Das IOC insistiert auf einem Budget des jeweiligen Organisationskomitees (OCOG) von mindestens zweieinhalb Milliarden Dollar, weil es nicht mehr will, dass in den Bewerberstädten Illusionen herrschen. Zu den Einnahmen aus dem IOC-Beitrag kommen aber die Ticket-Erlöse, das nationale Sponsoring, Einnahmen womöglich aus Lotterie und Münzen, Briefmarken und anderem Merchandising.

          Peking 2008 und Sotschi 2014 haben sich die Spiele über die Organisation hinaus insgesamt gut fünfzig Milliarden Euro kosten lassen, auf Kosten der Bürger ihrer Länder.

          Genau diese Wahrnehmung ist das Problem. Alle dauerhaften Bauten, die für die Spiele entstehen, werden dem sogenannten Non-OCOG-Budget zugerechnet, von Sportstätten bis Verkehrsinfrastruktur. Allein das 2008 eröffnete Terminal 3 des Flughafens Peking soll 1,8 Milliarden Euro gekostet haben. Sotschi hat einen Hafen, Straßen, Tunnel und Kraftwerken gebaut. Alles dies gilt verallgemeinernd als Olympiakosten - und schreckt die Menschen in Deutschland ab.

          Aber dies ist letztlich der Grund dafür, dass Politik und Sport Olympische Spiele wollen: Sie wollen einen Investitionsschub auslösen, Städte neu gestalten, Stadtviertel bauen und Sportanlagen schaffen. Zuletzt haben wir das im Osten von London erlebt.

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