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Kampf gegen Doping : Friedrich hält Straftatbestand „Sportbetrug“ für sinnvoll

  • Aktualisiert am

„Wir erleben Doping auch schon im Freizeitbereich, wo es nicht ums Gewinnen von Goldmedaillen und Siegprämien geht“: Hans-Peter Friedrich Bild: dpa

Als staatlichen Beitrag zum Kampf gegen Doping hält Hans-Peter Friedrich den Straftatbestand „Sportbetrug“ für ein geeignetes Mittel. Im F.A.Z.-Interview spricht der Bundesinnenminister zudem über Olympische Spiele in Deutschland.

          Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich hält den Straftatbestand „Sportbetrug“ als staatlichen Beitrag zum Kampf gegen Doping grundsätzlich für ein geeignetes Mittel:  „Diesen Weg halte ich für durchaus sinnvoll, wenn die Abgrenzungsprobleme zu lösen sind. Es muss sich aber um gravierende Verstöße handeln“, sagte der CSU-Politiker in einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Donnerstagausgabe). Friedrich bezog sich damit auf den Vorschlag des Baden-Württembergischen Justizministeriums, das Berufssportler im Falle von erwiesenem Doping wegen Betruges bestrafen lassen will. Bislang ist eine staatliche Verfolgung von Dopern nicht vorgesehen.

          Friedrich lehnte es aber ab, das Strafrecht in Dopingfällen auf den gesamten Sport anzuwenden: „Wir erleben Doping auch schon im Freizeitbereich, wo es nicht ums Gewinnen von Goldmedaillen und Siegprämien geht. Hier geht es nur noch um die Frage, ob sich jemand straflos selbst schädigen darf oder nicht. Ich halte nichts davon, den Freizeitsport strafrechtlichen Kategorien zu unterwerfen.“

          Als Test für die Frage, ob die umstrittene, geltende Gesetzeslage im Kampf gegen Doping im Leistungssport ausreicht, sieht Friedrich den laufenden Prozess gegen den Radprofi Stefan Schumacher: „Schauen wir mal, wie der Prozess gegen Schumacher in Stuttgart ausgeht. Wenn es nicht funktioniert, müssen wir uns in der Tat Gedanken machen.“ Dem früheren Fahrer des Teams Gerolsteiner wirft die Staatsanwaltschaft vor,    wegen erwiesenen Dopings einen rechtswidrigen Vermögensvorteil (150.000 Euro Gehalt) zum Nachteil seines Arbeitgebers erschlichen zu haben. Schumacher streitet einen Betrug ab und behauptet, Teamchef  Hans-Michael Holczer habe von seiner Manipulation gewusst.

          Im Interview mit der F.A.Z. wies Friedrich die Forderungen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) nach mehr Geld für den Spitzensport zurück. „In fast allen Bereichen kommen die Leute auf uns zu und fordern mit guten Gründen mehr Geld. Aber der Finanzminister erklärt mir mit mindestens ebenso guten Gründen, dass er nicht mehr Geld hat. Wir müssen mit dem Geld, was wir haben, effizient wirtschaften. Das betrifft alle, auch den Sport und die Verbände“, sagte Friedrich. Der deutsche Spitzensport erhält nach Angaben des Ministers pro Jahr rund 250 Millionen Euro Steuergelder.

          Friedrich wünscht sich Olympia in Deutschland

          DOSB-Präsident Bach hatte im Dezember 2012 25 Millionen Euro  mehr für die Jahre bis einschließlich 2016 gefordert und dies mit der Verschärfung des internationalen Wettbewerbs begründet. Dabei warnte er vor einem Niveauverlust in Deutschland. Dagegen will Friedrich die Forderung des Dopingopfer-Hilfevereins nach einer kontinuierlichen Hilfe für die Geschädigten prüfen lassen: „Was Rentenansprüche angeht, prüfen wir gemeinsam mit dem Arbeits- und dem Justizministerium, ob es für die Geschädigten Anspruchsgrundlagen gibt. Wir sind guten Willens, wir möchten den Betroffenen helfen. Es ist wichtig, aufzuarbeiten, was damals passiert ist.“

          Neben einem Erfolg für Thomas Bach bei der Wahl zum Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees im Herbst wünscht sich der Bundesinnenminister so schnell wie möglich Olympische Spiele in Deutschland: „Je früher wir den Zuschlag für Olympische Spiele bekommen, umso besser für den Spitzensport in Deutschland, umso besser für den Breitensport“, sagte Friedrich der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit Blick auf München als Kandidaten für die Winterspiele in neun Jahren: „Wenn wir den Zuschlag für 2022 nicht bekommen, hätte die Wintersportnation Deutschland 90 Jahre lang keine Winterspiele im eigenen Land, 90 Jahre! Es wird also höchste Zeit.“

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