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Fifa-Skandal : Die schlechte Welt des Joseph Blatter

Einbestellt zum Verhör: Anfang kommender Woche wird das Urteil über Joseph Blatter gesprochen Bild: AP

Erst „Schweizer des Jahres“, bald schon der Friedensnobelpreis? Joseph Blatter hat immer noch Fürsprecher. Trotzdem erwartet den suspendierten Fifa-Präsidenten die „Inquisition“ – vor der sein früherer Freund Platini gar nicht erst erscheint.

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          Gut zu wissen, in schwierigen Zeiten, wer die Freunde sind. Gut zu wissen, wo sie sitzen. Schlecht für Joseph Blatter, dass seine Freunde am Donnerstag nicht dort saßen, wo er saß. Im „Home of Football“, der zu zwei Dritteln unter der Erde gelegenen Zentrale des Internationalen Fußballverbands Fifa, wo Blatter sich seit Jahren mit der – besser: mit seiner – Exekutive in jenem Sitzungssaal traf, der so fatal an den „War Room“ aus Stanley Kubricks Film „Dr. Strangelove“ erinnert. Dort erwartete ihn – die „Inquisition“.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Die Ethikkommission der Fifa, deren Präsident er noch immer ist, suspendiert seit dem 8. Oktober. „Es ist ein bisschen meine Fifa, die ich aufgebaut habe in all den Jahren“, hatte Blatter der „Weltwoche“ gesagt. Beim Schweizer Wochenmagazin sitzen noch Freunde. Als der 79-Jährige zum Fifa-Hauptquartier, hinauf nach Hottingen, Kreis Sieben, gefahren wurde, lag in den Kiosken der Stadt die jüngste Ausgabe aus. Auf dem Cover: Der „Schweizer des Jahres“, Unterzeile: „Sepp Blatters dornenvoller Kampf für eine bessere Welt.“

          „Tendenziös und gefährlich“

          Die Welt, in die der schwarze Mercedes Blatter brachte, ist eine schlechtere Welt, schlechter als sie je war für ihn in vierzig Jahren bei der Fifa. Er war einbestellt zum Verhör, durch jenes Gremium, das nach Blatters Meinung so „tendenziös und gefährlich“ handelt. So hatte er es selbst am Montag geschrieben, in einem Brief an die 209 Mitgliedsverbände der Fifa. „Dear friends“ hatte Blatter geschrieben, liebe Freunde, und dann die Analogie zur Jagd der katholischen Kirche nach Häretikern im Spätmittelalter gesponnen. Folgt man dem Vergleich, wartete in Hans-Joachim Eckert, dem Münchner Strafrichter und Vorsitzenden der rechtsprechenden Kammer der Kommission, der Großinquisitor auf den suspendierten Präsidenten.

          Um kurz nach acht am Morgen wurde Blatter in die Fifa-Zentrale chauffiert, um kurz nach neun begann die Befragung zur Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken an Michel Platini im Jahr 2011. Der Franzose, Präsident der Europäischen Fußball-Union (Uefa), behauptet wie Blatter, er habe das Geld als Honorar für seine 1998 verabredete, bis 2002 ausgeführte Beratertätigkeit bei der Fifa erhalten, verfolgt aber eine andere Strategie als der Schweizer. Platini hat seinen Termin bei Eckert an diesem Freitag sausen lassen. Stattdessen brachten seine Anwälte 120 Seiten Aktenmaterial. Stundenlang wurde Thibaud d'Alès als Vertreter des suspendierten Uefa-Präsidenten von der rechtsprechenden Kammer mit Richter Eckert an der Spitze angehört.

          D'Alès fordert für seinen Mandanten einen Freispruch und die sofortige Aufhebung der Suspendierung, ähnliches war am Donnerstag aus dem Blatter-Lager zu hören. Bis Montag wollen sich die Ethiker nun zurückziehen und den Fall „in Ruhe reflektieren“, wie Marc Tenbücken als Sprecher des Gremiums verlauten ließ. Zwischen zehn und elf Uhr sei mit der<NO>Am Montag soll die Entscheidung der Kommission veröffentlicht werden. Blatter hatte schon mehrmals gesagt, wie es lief mit den Millionen für Platini: Alles abgesegnet, damals, 1998. Gezahlt wurde 2011. Alles völlig korrekt. Einen Wunsch hat Blatter noch: Am 26. Februar den Kongress leiten, auf dem sein Nachfolger gewählt wird. Dafür müsste Eckert ihn laufenlassen.

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